Algarve

0
797

Ganz im Süden Portugals erstreckt sich auf einer Länge von 150 km von der atlantischen Westküste bis nach Spanien ein 50 km breiter Landstreifen, der die Herzen von Sonnenanbetern, Strandliebhabern und Küstenfans höher schlagen lässt: die Algarve.


Geographisch gesehen ist die Algarve die südlichste der sieben Regionen Portugals und kann zudem mit dem südwestlichsten Punkt Europas aufwarten, welcher sich am Cabo de São Vicente bei Sagres im Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina befindet. Der Atlantik rahmt die Região do Algarve im Westen und Süden ein, die Região do Alentejo begrenzt die Region im Norden und im Osten wird die Grenze zu Spanien durch den Rio Guadiana markiert. Faro ist zugleich das administrative Zentrum und größte Stadt der Region, zu der ca. 5,59 % des portugiesischen Festlandes gehören. Die drei Subareale der Algarve zeigen die landschaftliche Vielfalt der Region; man unterscheidet den Küstenstreifen und Tourismus-Hot Spot Litoral, die Vorgebirgslandschaft Barrocal und das Hügelland Serra.

Das Klima an der Algarve wartet mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern auf und bleibt durch kühle Winde vom Atlantik meist mediterran-angenehm. Eine drückende Hitze entsteht nur, wenn der Wind dreht und der Levante aus Afrika weht. Die Flora der Algarve ist heute geprägt von den Machhie, einer für die mediterrane Hartlaubvegetationszone typischen Gebüschart und Folge größerer Waldrodungen in Portugal. Seit den 1970er Jahren wurden in breit angelegte Aufforstungsprojekte wieder Nadel- und Eukalyptuspflanzen angesiedelt. Ebenfalls typisch für die Algarve sind Korkeichen, sowie die einst von den Römern importierten Feigen-, Lorbeer-, Johannisbrot- und Granatbäume.

 

Tourismus an der Algarve

Dank wunderschöner Strände, einem in allen Blautönen schimmernden Wasser und spektakulärer Felsformationen zieht es jedes Jahr so viele Touristen an den Küstenstreifen der Algarve, dass die Einwohner in der Hochsaison zeitweilig in Unterzahl geraten. Beliebte Ferienorte und Surfspots sind u. a. Sagres, Carrapateira und viele mehr. Ebenfalls wie ein Touristenmagnet wirken die historischen Überreste und römischen Villen wie Abicada oder die Burg Silves. Es sind die Spuren einer bewegten Geschichte, welche Phönizer, Karthager und Römer in das Gebiet brachte. Von den sehr prägenden fünf Jahrhunderten arabischer Präsenz erzählen u. a. die Architektur sowie etliche Ortsnamen. Auch der Name der Region selbst ist arabischen Ursprungs. Während des Zeitalters der Entdeckungen fungierte die Küstenregion als zentraler Ausgangspunkt der Abenteuerreisen. Das Erdbeben von 1755 mit Epizentrum bei Lagos zerstörte viel, doch die Algarvios bewiesen ihre Liebe zur Region und bauten diese wieder auf.

 

Geschichte des Weinbaus an der Algarve

Als Weinregion blickt die Algarve auf eine lange Tradition zurück – bereits seit dem Mittelalter wurde hier Weinbau betrieben. In Milreu, Faro, Boca do Rio und Vilamoura können Interessierte auf den Spuren des Weinbaus in römischen und westgotischen Zeiten wandeln. Im 14. Jahrhundert exportierte man viel Wein nach England; Exportschlager war damals der Osey, ein gespriteter Wein und Vorläufer des Portweins. Im 17. Jahrhundert fielen etliche Weingärten den Rodungen zum Opfer und die Weinstöcke wurden aus ökonomischen Interessen durch Korkeichen ersetzt. Auch der Tourismus drängte während der letzten fünfzig Jahre in einigen Gebieten den Weinbau zugunsten von Hotelanlagen oder Golfplätzen zurück. Diese Entwicklung führte zu neuen Rebanlagen weiter im Inland – mit heimischen Sorten wie auch internationalen Trauben wie Syrah und Cabernet Sauvignon.

 

Geografische Besonderheiten

Auch wenn man als Weinliebhaber nicht sofort an die Algarve denkt, dank einer gezielt geplanten und realisierten Innovationspolitik haben die Winzer es geschafft, der Algarve zu Respekt in der Weinszene zu verhelfen. Es wird geschätzt, dass hier ungefähr 2.000 Hektar Fläche als Weinberge genutzt werden. Der Boden, der dafür bewirtschaftet wird, bietet sehr unterschiedliche Verhältnisse: Es finden sich Böden aus Kalkstein und rotem wie gelbem Sandstein. Je näher man der Küste kommt, desto sandiger sind die Böden. Besonders begehrt bei Weinbauern sind die Lagen mit Böden aus mineralreichem Schiefer, da diese Bodenverhältnisse die besten Ergebnisse versprechen.

Neben den Bodenverhältnissen prägt das Klima maßgeblich den Charakter der angebauten Weine. Die Temperaturen an der Algarve steigen bereits im Frühjahr vergleichsweise stark an und lassen die Trauben schnell reifen. Nebeneffekte dieses beschleunigten Reifeprozesses sind ein hoher Zucker- und ein niedriger Säuregehalt. Diese Ausgangssituation ist für Weinbauer eine große Herausforderung; kleiner Trost: durch die Nähe zum Atlantik werden die Temperaturen etwas gemäßigt und die Hügelkette im Norden der Region schützt die Reben vor dem kalten Nordwind. Die Weine, die an der Algarve entstehen sind eher schwere Weine mit einem hohen Alkoholgehalt. Dank ihrer guten Qualität sind die Weine bei Touristen beliebt und finden auch im Exportgeschäft Abnehmer.

 

Weine in der Region

Im Durchschnitt produzieren die Winzer der Algarve mehr Rot- als Weißweine und Rosés. Einige Weißweine werden zu gehaltvollen Dessertweinen ausgebaut, vergleichbar mit einem spanischen Sherry. Für die meist sehr aromatischen Rotweine werden v. a. heimische Rebsorten wie Aragonez, Castelão, Negra Mole, Touriga Nacional und Trincadeira angebaut. Unter den nicht autochthonen Rebsorten ist der Syrah am weitesten verbreitet. Für den Weißwein, der oft eine sehr frische Note hat, haben die Rebsorten Siria, Arinto und Malvasia Fina die größte Bedeutung.

Die klimatischen und geologischen Vorraussetzungen ermöglichen vier DOCs – Lagoa, Lagos, Portimão und Tavira –, die von der Zertifizierungsstelle des Comissão Vitivinícola do Algarve, der Weinbaukommission der Algarve, kontrolliert werden. Für Weinliebhaber gut zu wissen: Einige der besten Weine vermarkten die ansässigen Winzer allerdings bewusst als Vinho Regional. Dieser Schritt ist als eine wohl überlegte Entscheidung der Weinbauer für mehr Flexibilität, eine größere Vielfalt und weniger Zwänge durch das DOC-Regelwerk zu sehen.

 

Drei bekannte Weingüter

Wie immer gilt auch an der Algarve, am schönsten ist es, sich einfach einmal treiben zu lassen und die Weinregion auf eigene Faust zu entdecken. Als Orientierungshilfe seien hier drei Weingüter genannt, deren Besuch sich in jedem Fall lohnt:

Das Weingut Monte da Casteleja in Sargaçal ist sehr hübsch gelegen und wird von Guillame Leroux und seiner Frau Maria geführt. Der Winzer studierte in Montepellier Weinbau und Önologie, lernte im Douro Tal bei Taylor’s, einer Portweinlegende, und übernahm 1992 die von seinem Großvater geerbte Quinta. Das Motto des Weinguts könnte „klein aber fein” lauten: Leroux entschied sich für die urtypischen Rebsorten Bastardo, Alfrocheir, Arinto und Perrum und stellte 2008 auf einen komplett organischen Anbau (2) um. Pro Jahr werden nicht mehr als 10.000 Flaschen produziert, welche ausschließlich regional verkauft werden. Zu nennen sind der Monte Casteleja und die Maria Selektion. Wenn Sie die Gastronomie im Raum Lagos testen, wird Ihnen sicher auch der Meia Praia, der ausgesprochen gute Vinho de Mesa von Monte Casteleja, begegnen.

Die Adega Cooperativa in Lagoa wurde 1944 gegründet und ist die genossenschaftliche Weinkellerei des größten Weinbaugebietes der Algarve. Die Weine der Adega Cooperativa de Lagoa genießen den Ruf zu den besten Erzeugnissen der Algarve zu gehören. Ungefähr 45.000 Hektoliter Rot- und Weißwein sowie Rosé werden hier jährlich produziert. Interessierte können eine Weinprobe mitmachen und den Lagoa, Alfonso III oder die Aperitifweine Algarseco und Algardoce testen. Ebenfalls im Sortiment findet sich ein Aguardente, ein Branntwein, dessen Verkostung sich ebenfalls lohnt.

Die Quinta do Vales an der Westalgarve ist ein ganz besonderes Weingut und ein Besuch kommt ist beinahe einem kleinen Abenteuer gleich. Die in Estômbar in der Nähe von Carvoeiro gelegene Kelterei ist der Beweis, dass auch im Süden Portugals traditionell hergestellte Qualitätsweine produziert werden. Unterstützt wird Karlheinz Stock hierbei von Dorina Lindemann, die schon seit über 20 Jahren als Winzerin in Portugal arbeitet. Stock lebt hier seit 2007 aber noch eine zweite Vision: die Kombination von Wein, Kunst und Tourismus. Hier werden Sie neben viel Wein auch einen außergewöhnlichen Skulpturengarten, eine besondere Eventlocation und ein tolles Urlaubsdomizil entdecken.

 

Besonderheit der Region

Neben diesen drei Weingütern gibt es noch viel mehr in der Weinregion Algarve zu erleben, u. a. auch Kurioses: Prominentester Botschafter des regionalen Weins und Ehrenbürger von Albufeira ist der Sänger Cliff Richards – die Adega do cantor, das Weingut des Sängers, kennt hier jeder. Und auch seine Kollegin Bonnie Tyler ist oft in der Region zugegen. Genießer sollten ihre Weinreise durch einen Streifzug durch die regionale Kulinarik ergänzen und die typische Küche mit ihren Fisch- und Muschelgerichten kennenlernen. Genussmenschen können sich mit dem hervorragenden Sal tradicional oder dem Flor de Sal eine Zutat für ein feines Essen nach Hause mitnehmen. Auch ein Besuch auf einem Weinfest ist immer ein Vergnügen, wie wäre es mit dem Nave do Barão?

Nachdem die Weinberge neuen Plantagen, Hotelkomplexen und Golfanlagen weichen mussten, haben es die Winzer der Region geschafft, all diesen Widrigkeiten zum Trotz dem Weinbau an der Algarve zu einer zweiten Chance zu verhelfen. Die produzierten Weine müssen sich keineswegs verstecken und verdienen Ihre Aufmerksamkeit! In diesem Sinne…Saúde!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.