Argentinien – Südamerikas wichtigstes Weinland

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Wer hätte das gedacht: Argentinien ist das sechstgrößte Weinland der Welt. Innerhalb Südamerikas belegt es sogar den ersten Rang, und nicht etwa Chile, dessen Weine in unseren Breiten weitaus präsenter sind. Fünf Prozent der weltweit erzeugten Weine stammen von hier. Argentinische Weine sind zunehmend im Kommen, wie die steigenden Exportzahlen des Landes belegen. Diese Entwicklung ist noch relativ neu. Lange Zeit beschränkte sich die Weinproduktion Argentiniens auf Massenware für den Konsum im eigenen Land. Glücklicherweise ist das inzwischen anders, sodass auch wir Europäer in den Genuss der rassigen südamerikanischen Weine kommen. Besonders erfolgreich ist die Rebsorte Malbec, die im argentinischen Klima hervorragend gedeiht und ausdrucksstarke Weine hervorbringt. Überhaupt ist Argentinien ein Rotweinland – der Großteil der angebauten Reben trägt rote Früchte. Insbesondere für Rotweinliebhaber gibt es hier daher eine ganz neue Welt zu entdecken.


Kräftig, körperreich und voller südamerikanischem Temperament präsentieren sich die Weine Argentiniens. Das gilt zumindest für die Qualitätsweine, die im Export, und somit auch bei uns, landen. An der Spitze steht klar der Malbec. Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass die argentinische Variante der ursprünglich aus Bordeaux stammenden Weinsorte die Qualität der französischen Pendants übertrifft. Denn der argentinische Malbec besticht mit seinen individuellen Eigenschaften, die ihn einzigartig und interessant machen. Anders als in Frankreich ist Malbec für Argentinien von großer Bedeutung – eine Art Aushängeschild ohne das dem Weinland womöglich niemals die internationale Beachtung zugekommen wäre, die es heute erfährt. Allen, die mit argentinischen Weinen noch nicht vertraut sind, bietet Malbec einen guten Einstieg. 

Was zeichnet das Weinland Argentinien aus?

Zwei wesentliche Gegebenheiten prägen das Weinland Argentinien. Die eine ist das sehr heiße, trockene Klima. Künstliche Bewässerung mit Wasser aus den Gebirgsflüssen der Anden ist die Voraussetzung für erfolgreichen Weinbau. Dieser ist durch die teils gnadenlosen klimatischen Bedingungen bei Weitem nicht überall im Land möglich. Fast ausschließlich die im Westen gelegenen Regionen am Fuße der Anden werden für den Anbau von Weinreben genutzt. Von Norden bis Süden erstrecken sich die Weinbaugebiete parallel zur Gebirgskette. Das zweite charakterisierende Merkmal ist die Höhenlage dieser Anbaugebiete. Viele Weinberge liegen wischen 800 und 1600 Meter hoch, einige sogar noch viel höher. Die Höhe hat den Vorteil, dass es tagsüber nicht ganz so heiß wird. Die Sonneneinstrahlung ist hingegen umso intensiver, was den Weinen zugute kommt. Ferner unterliegen die Temperaturen großen Tag-Nacht-Unterschieden von bis zu 15 ℃. Dank dieses Umstands entstehen Qualitätsweine mit hoher Komplexität. 

Überblick über die wichtigsten Weinregionen 

Mendoza ist das größte und bedeutendste Weinbaugebiet. Das Zentrum der Region ist die Stadt gleichen Namens. Rund 150.000 Hektar Rebfläche werden in Mendoza genutzt. Siebzig Prozent der Weine des Landes stammen von hier. In dieser Region werden alle in Argentinien gängigen Rot- und Weißweinsorten angepflanzt. Die Weine begeistern im Allgemeinen mit konzentrierten Aromen reifer dunkler Früchte und angenehm sanften Tanninen. 

Platz zwei im Größenvergleich geht an San Juan. Die Provinz liegt nördlich von Mendoza. Zu den wichtigsten Rebsorten gehören Syrah, Malbec, Cabernet Sauvignon und, als Weißwein-Vertreter, Chardonnay und Torrontés Riojano. Je nach Anbaugebiet spielen auch liebliche und süße Weine in San Juan eine wichtige Rolle. Solche sind etwa Moscatel del Aljandria oder Pedro Ximenéz. Zurzeit befindet sich San Juan noch in der Entwicklung zu einem Anbaugebiet mit Fokus auf Qualitätsweine.

Noch etwas weiter im Norden liegt La Rioja. Das Gebiet umfasst vier Unterregionen, in denen vorwiegend weiße Rebsorten angebaut werden. Typisch für die Region ist der Torrontés Riojano – eine nur in Argentinien vorkommende Rebsorte. Dieser Weißwein ist leicht, frisch und tropisch-fruchtig.  

In der Region Catamarca wird vor allem das Gebiet um Tinogasta für den Weinbau genutzt. Auch hier ist der Torrentés Riojano stark vertreten. Zu den angebauten Rotweinsorten zählen Malbec, Syrah und Cabernet Sauvignon. Der Großteil der Weine aus Catamarca landet auf dem argentinischen Markt.

In Salta geben die Weißweine den Ton an. Wichtigstes Anbaugebiet dieser nördlichsten Weinregion ist Cafayate. Statt auf billigen Tafelwein zu setzen, konzentrieren sich die Winzer der Region vermehrt auf die Produktion qualitativ hochwertiger Weine. Hier wird besonders feiner Torrontés Riojano erzeugt.

Anders als die zuvor genannten Regionen liegt Rio Negro in Patagonien. Es stellt die südlichste Weinregion Argentiniens dar. Das wichtigste Anbaugebiet Rio Negros ist San Patricio del Chañar. Unter anderem wachsen hier Pinot Noir, Merlot, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Die Weißweine zeichnen sich durch eine hohe Mineralität aus. Lange Reifezeiten bringen Weine mit perfekt ausbalancierter Säure hervor. 

Wie der Wein nach Argentinien kam

Die Anfänge des Weinbaus in dem südamerikanischen Land liegen im 16. Jahrhundert. Damals waren es spanische Eroberer, die den Wein nach Argentinien brachten. Missionare produzierten in der Folge zunächst Weine für ihre Messen. 1551 wurde die Stadt Mendoza gegründet. Wenige Jahre später gab es dort die ersten Weinberge – der Beginn der heute wichtigsten Weinregion Argentiniens. Die Bedingungen für den Weinbau waren grundsätzlich günstig. Allerdings profitierten die Siedler von den bereits vorhandenen Bewässerungssystemen, die zum Beispiel von den Inkas entwickelt worden waren. Die Region Mendoza wuchs im Laufe der nächsten beiden Jahrhunderte kontinuierlich. Dabei blieben die Weine jedoch ausschließlich im eigenen Land – erste Exportunternehmungen ließen noch eine Weile auf sich warten. Da jedoch die Bevölkerung wuchs, stieg auch der Bedarf an Wein weiter an. 

Obwohl die Bedingungen für den Weinbau bestens geeignet waren und potenziell sehr gute Weine hervorbringen konnten, wurde auf die Qualität nicht viel Wert gelegt. Die Nachfrage war hoch und die Winzer bemühten sich um große Produktionsmengen billigen Tafelweins. Leicht zu trinken und günstig wollten die Konsumenten ihren alltäglichen Wein. Ansprüche hat dabei so gut wie niemand gestellt – dem Wein kam schlichtweg keine besondere Bedeutung zu. Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich brachten europäische Einwanderer aus Frankreich und Italien neue, hochwertigere Rebsorten ins Land und die Produktionsmengen stiegen weiter an. Zu diesen importierten Rebsorten zählten beispielsweise der heute so wichtige Malbec und andere Bordeaux-Sorten, wie Cabernet Sauvignon.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte Argentinien eine wirtschaftliche Blütezeit, während der auch der Weinbau- und Konsum weiter anstieg. Nach wie vor verließen die Weine das Land nicht. Auf die Wohlstandsjahre folgte die Inflation. Zwar wurde weiter viel Wein produziert, jedoch lag der Fokus mehr denn je auf Massenweinen von minderer Qualität. Was dann folgte, war zur damaligen Zeit zwar ein Rückschlag, auf lange Sicht jedoch dafür verantwortlich, dass wir heute in den Genuss hochwertiger Weine aus Argentinien kommen. Der Weinkonsum der Argentinier nahm nämlich drastisch ab. Die Rettung lag im Export und damit in der Entwicklung zu Qualitätsweinen. Das war insgesamt ein längerer, aber lohnenswerter Prozess, der Argentinien zu dem machte, was es heute ist – eines der führenden Weinländer der Welt.

Die Qualitätsstandards

Obwohl es im argentinischen Weinrecht nicht sonderlich streng zugeht, gibt es ein System zur Qualitätseinstufung. Anders als in vergangenen Zeiten spielt die Qualität heute eine wichtige Rolle. Die Regeln und Kriterien werden von einem eigens dafür gegründeten nationalen Institut festgelegt. Von größter Bedeutung ist die Herkunft der Weine. Handelt es sich um einen Durchschnitts-Wein unbestimmter Herkunft, wird nur das Herkunftsland angegeben. In der unteren Qualitätsklasse wird lediglich die Provinz auf dem Etikett angezeigt. Die zugehörige Bezeichnung ist IP und steht für Indicaciones de Procedencia. Die darauf folgende Klasse gibt Auskunft über das Departamentos, also den Bezirk, aus dem der Wein stammt. Diese Stufe heißt Indicaciones Geograficas (IG). Interessant wird es bei den Weinen, die das Gütesiegel DOC tragen. Diese Weine mit der Bezeichnung Denomicación de Origin Controlada unterliegen sehr wohl festgelegten Vorgaben. Diese umfassen neben der Herkunft zum Beispiel auch die Herstellungsart. Um diese Qualitätsstufe zu erlangen, müssen die Winzer sich an die Kriterien des bereits erwähnten Instituto Nacional de Vitivinicultura, kurz INV, halten. 

Wichtigste Rebsorten

Als es in Argentinien noch primär um Quantität ging, wurden hauptsächlich Sorten angebaut, die der hohen Nachfrage entsprechend große Erträge lieferten. Diese sogenannten hellroten Sorten, wie Criolla Grande oder Cereza, sind bei uns kaum bekannt. 80 Prozent der argentinischen Reben tragen rote Trauben. Häufigste und erfolgreichste Rebsorte ist der Malbec, der über 30 Prozent der Anbauflächen für sich beansprucht.

Zweithäufigste Rebsorte ist der Bonarda mit gut 17 Prozent Anteil an der Gesamtproduktion. Darüber hinaus werden weitere Bordeaux-Sorten, wie Merlot und Cabernet Sauvignon, produziert. Davon ist Cabernet Sauvignon die meist produzierte. In höheren Lagen findet auch Pinot Noir geeignete Bedingungen vor. Weitere rote Rebsorten sind Syrah, Tempranillo und Sangiovese. 

Bei den Weißweinen dominiert der Pedro Gimenez mit 28 Prozent Anteil an der Gesamtproduktion. Auf Rang Zwei folgt der Torrontés Riojano mit rund 18 Prozent Anteil. 15 Prozent der argentinischen Weine sind Chardonnays. Weitere weiße Rebsorten sind, in absteigender Reihenfolge, Chenin, Torrontés Sanjuanino, Sauvignon Blanc, Semillon und Viognier. 

Drei bekannte Weingüter im Kurzporträt

Eine der erfolgreichsten Weinkellereien des Landes ist die Bodega Norton in Mendoza. 1985 von einem Briten ins Leben gerufen, legt dieser Produzent seit jeher Wert auf Qualität. So erfolgt die Ernte hier noch per Hand. Die Verkaufs- und Exportzahlen geben Bodega Norton Recht – national wie international sind die Weine gefragt. Produziert werden die in Argentinien üblichen Rebsorten, bei denen natürlich Malbec und Torrontés nicht fehlen dürfen.

Ebenfalls in Mendoza ansässig ist die Bodega Catena Zapata. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts pflanzten die Begründer ihre ersten Reben in damals ungewöhnlich hohen Lagen. Die heutige Bodega ist ein modernes Gebäude im Stil eines Maya-Tempels. Bei der Produktion kommen moderne Methoden zum Einsatz. Kontinuierlich arbeitet der Familienbetrieb daran, die erreichten Qualitätsstandards zu halten und Techniken weiterzuentwickeln. Bodega Catena Zapata ist ein vielseitiger Produzent, der Weine in unterschiedlichen Preisklassen auf den Markt bringt. Rotweine, allen voran Malbec, spielen dabei die Hauptrolle. 

Die Anfänge des Weinguts Michel Torino Estate gehen bis ins Jahr 1892 zurück. Standort ist Cafayate in der Provinz Salta. Mit Weinbergen in besonders hohen Lagen profitieren die Weine von den enormen Temperaturschwanken zwischen Tag und Nacht. Michel Torino Estate hat sich dem organischen Weinbau verschrieben und verzichtet auf den Einsatz jeglicher Schadstoffe. Die Weine werden in zwei Produktlinien vertrieben: Don David und Coleccion.

Daten und Fakten

Anbaufläche 546.602 ha
Weinertrag insgesamt 9,2 Mio hl (Stand 2014)
Wein-Export 3,15 Mio hl
Anteil an Rotweinen an der Gesamtanbaufläche 77%
Anteil an Weiß- und Roséweinen an der Gesamtanbaufläche 23%
Größte Exportländer USA, Kanada, Großbritannien
Breitengrade 24 bis 54 Grad südlicher Breite
Wetterbedingungen heißes, trockenes Klima
teilweise Tag-Nacht-Temperaturschwankungen
von bis zu 15 Grad.

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