Auckland und Northland: Weine aus dem subtropischen Norden

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Der Norden der Nordinsel beheimatet zwei Weinregionen, die sich in vielen Belangen stark ähneln. Während sich die Region Auckland weitläufig rund um die größte und wirtschaftlich bedeutendste Stadt des Landes erstreckt, ist Northland deutlich geringer besiedelt und die kleinste Weinregion Neuseelands. Der Unterschied in der Anzahl der Weingüter der beiden Regionen verdeutlicht die Größenverhältnisse: 2014 zählte Auckland 114 Weingüter, in Northland gab es gerade einmal 15. Landschaftlich haben beide Regionen viel zu bieten: einsame Strände, malerische Inseln und dichte Wälder. Zusätzlich ist Auckland geprägt von unzähligen ruhenden Vulkanhügeln. Eine faszinierende Umgebung, in der vollmundige, temperamentvolle Weine entstehen.


 

 

Für neuseeländische Verhältnisse ist die Stadt Auckland eine Metropole – allerdings eine der entspanntesten der Welt. Denn die rund 1,5 Millionen Einwohner verteilen sich auf eine sehr große Fläche, von der die Innenstadt nur einen Teil der Region darstellt. Zu Auckland gehören dünn besiedelte landwirtschaftliche Gegenden und verschiedene Inseln, darunter die Weininsel Waiheke Island. Noch beschaulicher geht es in Northland zu, wo etwa 166.000 Menschen leben. Je weiter die Entfernung von Auckland, desto einsamer und ländlicher wird es. Im gesamten Norden des Landes herrscht ein subtropisches Klima mit viel Sonnenschein und hoher Luftfeuchtigkeit. Kein Wunder also, dass in Northland Früchte, wie Maracujas, Zitronen und Avocados wachsen. Aufgrund des warmen Klimas werden in beiden Regionen vornehmlich Rotweine produziert. Wie in den meisten Anbaugebieten Neuseelands trägt auch im hohen Norden die Nähe zum Meer entscheiden zum Aroma der Weine bei. Zwischen Northland und Auckland gibt es hinsichtlich der Böden gewisse Unterschiede und auch die Subregionen innerhalb Aucklands weisen verschiedenartige Bedingungen für den Weinbau auf. 

 

Die vier Unterregionen – feucht-warm und etwas widerspenstig

In Northland begann im Jahre 1819 die Geschichte des neuseeländischen Weins. Damals pflanzten westliche Siedler die ersten Reben. Der Weinbau beschränkte sich noch einige Jahrzehnte auf den Norden des Landes. Je größer die neuseeländische Weinindustrie jedoch wurde, desto geringer war die Bedeutung Northlands als Weinbaugebiet. Seit den Neunzigern strebt die kleine Region wieder auf und macht sich dabei das besonders warme Klima zunutze. Die Bodenbeschaffenheit wird bestimmt durch Lehm und Ton in unterschiedlichen Anteilen. Auch als Mittelmeerregion des Südpazifiks bezeichnet, bringt das Terroir Northlands volle, kräftige Weine hervor. Neben klassischen Bordeaux-Verschnitten sind die tropischen Chardonnays besonders empfehlenswert.

Die Insel Waiheke mit ihrer Lage im Hauraki-Golf ist ein bezaubernder Ort und ein Paradies für Weinliebhaber. Von Auckland City ist Waiheke in 30 Minuten erreichbar. Besucher haben angesichts der über 30 Weingüter, von denen viele mit einer herrlichen Aussicht locken, die Qual der Wahl. Wärmer und trockener als der Rest Aucklands hat Waiheke Island ein ganz eigenes Klima. Eine große Rolle spielt die konstante Meeresbrise, die von allen Seiten über die Fläche von 92 Quadratkilometern weht. Besonders intensive Weine mit einer starken Ausprägung des jeweiligen Rebsortencharakters sind typisch für Waiheke. Der Boden unterscheidet sich je nach Lage, besteht allgemein aber aus Tonstein mit hoher Mineralität. Optimal sind die Bodenbedingungen nicht gerade, sodass die Winzer hinsichtlich Drainage und PH-Wert kontinuierlich nachhelfen müssen. Die Rebsorte, die sich hier am wohlsten zu fühlen scheint, ist Syrah. Inzwischen ist dieser pfeffrige, elegante Rotwein ein Aushängeschild der Insel und wird häufig prämiert. Aufgrund der geringen Größe der Weingüter und kleinen Produktionsmengen haben die exklusiven Weine von Waiheke Island ihren Preis, den sie aber in der Regel allemal wert sind. 

Viele der Weingüter im Westen Aucklands sind Familienbetriebe, die den Weinbau in der dritten Generation betreiben. Im 20. Jahrhundert ließen sich zahlreiche Dalmatier an der Westküste nieder. Zuvor damit beschäftigt, als Wanderarbeiter das Harz der Kauri-Bäume zu sammeln, wurden sie als Siedler zu den Wein-Pionieren der Gegend. Die Namen einiger Weingüter, wie Soljan oder Babich, zeugen von dieser Geschichte. West-Auckland besteht aus den Unterregionen Kumeu, Huapai, Waimauku und Henderson. Das maritime Klima wirkt sich hier zwar günstig auf den Weinanbau aus, die Böden fordern die Winzer jedoch seit jeher. Die für den Weinbau mitunter zu fruchtbaren Tonböden haben eine schlechte Drainagefähigkeit, sodass die Winzer Maßnahmen zur Entwässerung des Bodens ergreifen müssen. Mit der nötigen Expertise gelingt es dennoch, hervorragende Weine zu produzieren. Größere Produzenten verwenden hierzu auch Trauben aus anderen Weinregionen Neuseelands. 

An der Ostküste, etwa eine Autostunde nördlich von Auckland City, liegt Matakana – das dritte Weinbaugebiet Aucklands. In der hügeligen Gegend wachsen die meisten Reben in Hanglage, was die Entwässerung der Tonböden auf natürliche Weise fördert. Die Winzer wählen den Standort ihrer Weinberge mit Bedacht, denn wie auch in anderen Teilen Aucklands sind die Bedingungen für den Weinbau nicht überall ideal. Das feucht-warme Klima der Region macht die Reben anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall. Aucklands Winzer verstehen ihr Handwerk aber so gut, dass ihnen trotz dieser Herausforderungen hochqualitative Weine gelingen. Während körperreiche Rotweine den größten Anteil an Matakanas Weinerzeugung haben, sind aromatische Weißweine, wie Chardonnay und Pinot Gris, zunehmend im Kommen.

 

Welche Weine entstehen in Auckland und Northland?

Die Bordeauxsorten Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Malbec machen den Hauptanteil der Weine in Auckland und Northland aus. In unterschiedlichen Anteilen miteinander verschnitten, ergeben sie kräftige, würzige Weine mit Stil und Komplexität, bei denen ausgeprägte Tannine und Aromen dunkler Früchte ausgewogen miteinander harmonieren. Wie immer bei Weinen im Bordeaux-Stil gilt auch in Neuseeland: Merlottrauben sorgen für weiche, fruchtige Anteile, der Cabernet-Sauvignon steuert Gerbstoffe und vielschichtige Aromen bei. 

Mit dem Syrah ist ein weiterer Rotwein auf dem Vormarsch, insbesondere auf Waiheke Island. Im warmen Klima der Region findet diese Rebsorte gute Bedingungen vor, sodass sich Winzer und Konsumenten gleichermaßen über intensive, komplexe Weine freuen. Neben dem Geschmack dunkler Beerenfrüchte weist Syrah hier typischerweise das Aroma frisch gemahlener Pfefferkörner auf. 

Bei den Weißweinsorten spielt Chardonnay die größte Rolle. Die Weine weisen Aromen reifer, oft tropischer Früchte auf. Sehr gute Exemplare kommen aus Kumeu in West-Auckland. In Matakana an der Ostküste hingegen wird vermehrt aromatischer Pinot Gris angebaut. In der Nase wie am Gaumen präsentiert er meist ausgeprägte Nuancen von Steinobst oder Birne.  

 

Drei Weingüter im Porträt

Einige der Weinerzeuger Aucklands produzieren in großen Mengen und haben Weinberge in anderen Anbaugebieten. Auckland ist damit zum Teil mehr Produktionsstätte als Anbaugebiet. Ein Beispiel hierfür ist Villa Maria, einer der größten Erzeuger des Landes. Die mit zahllosen Preisen dekorierten Weine werden in unmittelbarer Nähe zum Flughafen in Auckland hergestellt. Auf der anderen Seite gibt es in Northland und Auckland viele kleine Boutique-Weingüter, die geringe Mengen Wein aus vor Ort angebauten Trauben produzieren. 

Stonyridge auf Waiheke Island ist international bekannt für seine herausragenden Rotweine im Bordeaux-Stil. Mit “Larose” produziert dieses Weingut einen Kultwein, dem nachgesagt wird, der beste Rotwein Neuseelands zu sein. Dank seiner weichen Tannine und den Aromen von Vanille, reifen Pflaumen und Beerenfrüchten konnte sich dieser kostbare Tropfen in Weinwettbewerben schon gegen Exemplare aus Bordeaux behaupten. Qualität und Erfolg schlagen sich im Preis nieder. Die anderen Weine sind nicht ganz so hochpreisig, aber ebenso reich an Aroma und Eleganz. 

Das Weingut Okahu war mitverantwortlich dafür, dass Northland 1990 für die Weinproduktion wiederentdeckt wurde. Der kleine Produzent trägt die meisten Auszeichnungen der Weingüter Northlands. Das Sortiment besteht neben den Okahu-Weinen aus Weinen der Linie Shipwreck Bay. Okahu produziert neben Merlot-Cabernet-Verschnitten, Syrah und Chardonnay auch Chambourcin, Pinotage und einen Portwein.

Babich in West-Auckland zählt zu den größten familienbetriebenen Weinproduzenten Neuseelands. In 2016 hat die Familie Grund zu feiern: Babich Wines wird 100 Jahre alt. Die Anbaufläche im Henderson Valley in Auckland ist zum Großteil mit Chardonnay und Pinot Noir bepflanzt und nur zehn Hektar groß. Der überwiegende Teil der verwendeten Trauben stammt von Weinbergen in anderen Teilen des Landes. Babich teilt seine Weine in verschiedene Produktlinien, wie Family Estates und Winemaker’s Reserve. Produktion und Verwaltung finden in Auckland statt. Zudem gibt es dort eine Probierstube mit schönem Außenbereich, wo Besucher einen Babich-Wein zum mitgebrachten Picknick genießen können. 

 

Daten und Fakten

Anbaufläche 416 ha
Weinertrag ca 900.000l

 

 

 

 

 

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