Beeindruckendes Central Otago

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Die Region auf der Südinsel Neuseelands ist mit keiner anderen des Landes vergleichbar und wirbt zu Recht mit dem Slogan “A world of Difference”. Vielleicht ist es die schönste der zehn Weinregionen, mit Sicherheit aber die südlichste. Weite Landschaften aus geschwungenen, im Winter schneebedeckten Bergen, goldgelbe Ebenen und glasklare Seen und Flüsse bestimmen das Bild. Neben atemberaubender Natur und diversen Aktivitäten bietet die Region exquisite Weine. Einige der besten Spätburgunder des Landes stammen aus Central Otago. Trotz, oder gerade wegen, der extremen klimatischen Bedingungen bringt dieser Teil Neuseelands erstaunliche Weine hervor. 

Central Otago befindet sich auf der südlichen Hälfte der Südinsel. Damit ist es das südlichste Weinbaugebiet der Welt. Innerhalb Neuseelands ist es zudem das höchste – bis in 420 Meter Höhe bauen Winzer hier ihre Reben an. Die Region Otago erstreckt sich bis zur Küste; der Name Central Otago bezeichnet den Teil, der sich im Landesinneren befindet. Im Westen reicht das Gebiet an die Neuseeländischen Alpen heran. Außer der größten Stadt Alexandra gehören mehrere kleinere Orte, wie Cromwell oder Clyde, zum Distrikt. Insgesamt ist Central Otago dünn besiedelt, lediglich in den angrenzenden Tourismuszentren Queenstown und Wanaka geht es lebhafter zu. 2014 zählte die Region 132 Weingüter. 

 


 

 

Außergewöhnliches Klima erzeugt ungewöhnliche Weine

Als einzige Region Neuseelands besitzt Central Otago ein nahezu kontinentales Klima mit stark definierten Jahreszeiten. Die Ausprägungen und Unterschiede sind gewaltig. Im Sommer werden hier regelmäßig die heißesten Temperaturen gemessen, während im Winter Minustemperaturen nationale Rekorde aufstellen. Frost stellt hier eine wiederkehrende Herausforderung dar, auf die sich die Winzer der Region eingerichtet haben. Die Lage ihrer Weinberge wählen sie mit äußerster Sorgfalt. Central Otago ist nicht nur die kälteste und heißeste Weinregion Neuseelands, sondern auch die trockenste: Zwischen 600 und 650 Millimeter Niederschlag fallen durchschnittlich pro Jahr. Starke Winde werden manchmal zum Problem beim Weinanbau. Insgesamt sind die Bedingungen zwar extrem, bringen aber einzigartige Weine hervor, die durch Komplexität, Eleganz und Reinheit glänzen. 

 

Unterregionen und Wachstumsbedingungen

Die Böden in Central Otago verfügen über gute Drainagefähigkeit, sind also wasserdurchlässig, was den Weinbau begünstigt. Im Allgemeinen besteht der Boden aus Löss, gemischt mit Flusskieseln und Sand. Löss entstand in der Eiszeit, als das Gestein unter der Einwirkung der Gletscher fein zermahlen wurde. Der Boden ist mineralhaltig und reich an Nährstoffen. Sechs Subregionen weisen unterschiedliche Bedingungen für den Weinbau auf: 

Gibbston Valley ist die höchstgelegene und kälteste Unterregion in Central Otago. Trauben reifen in 320 bis 420 Meter Höhe heran. Aus dem kühlen {tip Mesoklima::Das Kleinklima eines Landschaftsteils}Mesoklima{/tip} resultiert eine späte Reifezeit. Berge umringen das enge Tal östlich von Queenstown, das von der Schlucht Kawarau durchzogen wird. Die Weine dieser Gegend sind typischerweise etwas leichter als die aus wärmeren Lagen. 

Im Norden Central Otagos liegt das kleine Anbaugebiet Wanaka. Hier ist es tendenziell wärmer als im Gibbston Valley. Der gleichnamige See wirkt sich mildernd auf das Klima aus und reflektiert die Wärme nach einem sonnigen Tag. Weine aus Wanaka weisen eine leichte Struktur und lebendige Frucht auf. 

In Bannockburn bei Cromwell sorgt das besonders warme und trockene Klima für eine frühe Reifezeit der Trauben. Der Boden hier am Südufer des Flusses Kawarau ist lehmig und sandig. Charakteristisch für Wein aus dieser Lage ist ein hohes Maß an Intensität und Komplexität. 

In einem Talkessel liegt die Unterregion Cromwell/Lowburn/Pisa, wobei Cromwell und Lowburn kleine Ortschaften sind und Pisa ein von einer Bergkette dominiertes Gebiet darstellt. Die großflächige Gegend gehört zu den wärmeren in Central Otago, sodass die Trauben frühzeitig reifen. Auf den Ebenen und niederen Hängen wachsen die Reben. Hier entstehen fein strukturierte Pinot Noirs/Spätburgunder, die Aromen vollreifer roter Früchte aufweisen. 

Besonders warm ist es in der Unterregion Bendigo. Die Weinberge in bis zu 350 Meter Höhe sind der Sonne zugewandt. Bendigos Weine werden von Aromen dunkler Früchte und ausgeprägten {tip Tannine::Im Wein enthaltene pflanzliche Gerbstoffe. Wichtiger Inhaltsstoff, insbesondere bei Rotweinen. Tannine stecken in den Häuten der Trauben sowie in manchen Holzfässern. Ausgewogene Tannine sind ein zentrales Qualitätsmerkmal. Abhängig von der Konzentration kann die Gerbsäure dem Wein einen leicht herben Geschmack und Komplexität verleihen oder ein unangenehmes pelziges Mundgefühl hinterlassen.}Tannine/tip} bestimmt. 

Das südlichste Anbaugebiet innerhalb Central Otagos ist Alexandra. Im Sommer werden hier die höchsten Temperaturen der Region gemessen. Kühle Nächte regulieren die teils extremen Tagestemperaturen. Der trockene Boden speichert die Wärme und sorgt für sehr aromatische, fruchtbetonte, würzige Weine mit leichten Tanninen. 

 

Vom Gold zum Wein

Central Otago ist ehemaliges Goldgräber-Territorium. In den 1860er Jahren gab es dort einen regelrechten Goldrausch. Auch Jean Feraud kam, um nach dem Edelmetall zu graben, versuchte sich aber bald im Weinanbau. Mit seinen ersten Reben im Jahre 1864 war der Franzose auf Anhieb erfolgreich und erhielt später sogar eine Goldmedaille bei einem australischen Weinwettbewerb. Vereinzelte Versuche, Reben zu kultivieren trieben die Weinindustrie Central Otagos anschließend nur schleppend voran. Bis zur kommerziellen Weinproduktion dauerte es noch bis in die 1970er Jahre. Während des folgenden Jahrzehnts wuchsen die Erfahrung der Winzer und der Glaube an das Potenzial der Weinregion. In den Neunzigerjahren vergrößerte sich die Weinindustrie in rasantem Tempo – die Anzahl der Weingüter und Weinberge nahm bis in die 2000er Jahre stetig zu. Wo einst überwiegend Aprikosen und Kirschen reiften, sind nun die Rebstöcke in der Überzahl. Bis heute gibt es in der Gegend keine Massenproduktion, sondern kleinere Mengen hochwertiger Qualitätsweine. 

 

Elegante Spätburgunder und würzige Weißweine

Pinot Noir, bei uns Spätburgunder genannt, ist der Stolz der Region. Die lokalen Winzer nutzen etwa 80 Prozent der Anbaufläche für diese Rebsorte. Central Otagos Pinot Noir gilt als der beste des Landes. Mit zunehmender Reife der bestehenden Rebstöcke nimmt die Qualität weiter zu. Spätburgunder aus dem südlichsten Weinbaugebiet der Welt verzaubert schon in der Nase mit einem angenehm üppigen Bouquet. Im Mund zeigt sich die straffe Struktur, während die Textur sanft und seidig bleibt. Nuancen roter und dunkler Früchte, oft Kirsche oder Beeren, mischen sich mit würzigen Aromen und präsentieren sich kraftvoll und ausdrucksstark. Der Eleganz eines klassischen Burgunders steht die Central-Otago-Variante in nichts nach. Die starke Betonung der Frucht gibt diesem Rotwein seinen typischen Charakter.

Die Gewürzweinsorten Riesling, Pinot Gris/Grauburgunder und Gewürztraminer sind das zweite Steckenpferd Central Otagos. Insbesondere Riesling gelingt hier hervorragend. Trockene Weine sind ebenso zu finden wie Süßweine. Allesamt sind sie fruchtig und aromatisch mit klarer Struktur. Zusammengefasst belegen sie den zweiten Platz der meistangebauten Rebsorten. 

  

Mit etwa 45 Hektar liegt der Chardonnay etwas abgeschlagen auf Rang drei der Rebsorten. Ein zarter Körper, deutliche Mineralität und feine Zitrusnoten zeichnen diesen eleganten Wein aus, der sich gut für die längere Lagerung eignet. In den Weinbergen Central Otagos wachsen auch kleinere Mengen Sauvignon Blanc. Typische Aromen sind Tropenfrüchte und frische Kräuternoten gepaart mit einer lebendigen Säure

 

Herausragende Weingüter

Rund 15 Autominuten von Queenstown entfernt produziert Amisfield seit 1988 Weine, die charakteristisch für Central Otago sind. Etwa 60 Prozent des hier produzierten Weins ist Pinot Noir. Des Weiteren stellt Amisfield lebhaften Riesling, Pinot Gris und Sauvignon Blanc her. Außer einer Probierstube finden Besucher ein exzellentes Bistro-Restaurant vor.

Dank seiner traumhaften Lage in Wanaka ist das Weingut Rippon auf zahlreichen Fotos der Region zu sehen. Nicht nur die Aussicht, auch die Weine überzeugen. Rippon hat verschiedene Pinot Noirs im Angebot, darunter besonders beeindruckende aus älteren, reiferen Reben. Neben den in der Region gängigen Rebsorten produziert dieser Erzeuger auch zwei ungewöhnliche Weine: den aus Riesling und Sylvaner bestehenden Osteiner und einen Gamay Noir. Ein Rosé aus Gamay- und Pinot-Noir-Trauben vervollständigt das Sortiment.

Gibbston Valley Wines hat als eines der ersten Weingüter der Region die Geschichte des Weinanbaus in Central Otago aktiv geprägt. Mit seiner täglich geöffneten Probierstube, dem fabelhaften Restaurant und einer eigenen Käserei gehört das Weingut zu den meist besuchten der Gegend. Jeden Sommer findet hier zudem ein großes Rockkonzert statt. Gibbston Valley Wines unterteilt seine Weine in vier Reihen unterschiedlicher Preisklassen: Gold River, Gibbston Valley, Single Vineyard und Reserve Wines. Neben Pinot Noirs und anderen typischen Rebsorten gehören ein Pinot Blanc/Weißburgunder, ein Rosé und zwei edle Süßweine zum Angebot. 

 

Daten und Fakten

Anbaufläche 1.979 ha
Weinertrag gesamt 105.400 hl
Ertragszahlen 53 hl pro ha
Anteil an Rotweinen an Gesamtanbaufläche 72 %
Anteil an Weißweinen an Gesamtanbaufläche 28 %

 

(ungefähre Angaben)

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