Bestes aus den Bergen- Die Weinregion Aragonien

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Aragonien ist für viele Spanien-Freunde noch ein unbeschriebenes Blatt. Die bekannten Nachbarn wie zum Beispiel Katalonien, Valencia und Kastilien-Leon lassen die nordöstliche Provinz schnell in Vergessenheit geraten. Das gilt allerdings nicht nur für Touristen, sondern auch für Weinkenner. Bei diesen steht vor allem der westliche Nachbar La Rioja sehr hoch im Kurs. Doch auch Aragonien hat kulturell wie kulinarisch viel zu bieten. Zu den einfachen Fleisch-, Fisch und Hülsenfrüchte-Gerichten werden meist Weine aus den vier bekanntesten Weinregionen der Provinz, Cariñena, Calatayud, Somontano und Campo de Borga gereicht. Die Hauptstadt Zaragosa, in der gut die Hälfte aller Aragonier lebt, ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Comunidad Autonoma (vergleichbar mit den deutschen Bundesländern) und bietet viele Sehenswürdigkeiten und traditionelle wie innovative Restaurants und Bars, in denen die Weinspezialitäten der Region genossen werden können.


 

 

Geschichte des Weinanbaus in Aragonien

Schon zur Zeit der römischen Besetzung Aragoniens im dritten Jahrhundert nach Christus wurde im damaligen Carae (heute Cariñena) Wein angebaut. Im Mittelalter wurde diese Tradition dann weiter ausgeweitet und der Weingenuss wurde zu einem alltäglichen Ritual. Einen besonderen wirtschaftlichen Aufschwung erlebten die aragonischen Winzer Ende des 19. Jahrhunderts, als eine Reblaus-Plage einen großen Anteil der Ernte der französischen Nachbarn vernichtete. Aragonien deckte einen großen Anteil dieses Verlustes ab und exportierte Wein in das europäische Nachbarland. Diese Öffnung der Grenze machte die Weine der Provinz auf einen Schlag international bekannt, sodass auch die anderen aragonischen Weinanbaugebiete ihre Produktion hochfuhren. Heutzutage steht hier vor allem der Umwelt-Gedanke und moderne Produktionstechniken auf dem Programm. Doch trotz der Modernisierung der Produktion wird die lokale Wein-Tradition immer noch großgeschrieben. Wein ist nicht nur ein Getränk, sondern ein lokales Kulturgut.

 

Geografische Besonderheiten

Das weit vom Meer entfernte Aragonien kann geografisch einige Besonderheiten vorweisen. Von diversen Skigebieten im Norden an der Grenze zu Frankreich über flache Tallandschaften in Zentral-Aragonien, die vom Ebro-Fluss umringt werden, bis hin zu den flacheren Randgebirgen im Süden zählt Aragonien unterschiedliche Klima- und Vegetationszonen zu seiner Landschaft. Doch der Ebro ist nicht nur in der Mitte des Landes ein wesentlicher Bestandteil der Geografie, sondern zieht sich durch die gesamte Region. Dieser Wasserspeicher bietet auch perfekte Bedingungen für die Weinproduktion im Land. Denn der große Fluss sorgt für ein ausgeglichenes Klima und versorgt die Rebstöcke mit genügend Wasser. Die umliegenden Berge schützen die Weinanbaugebiete vor gefährlichen Winden.

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Die wichtigsten Weinanbaugebiete im Überblick

Im Land Aragonien befinden sich vier Zonen mit der Qualitätsbezeichnung D.O{tip Tooltipp Titel::Tooltipp Text}http://www.mio-gustoso.de/index.php?option=com_seoglossary&view=glossary&catid=1&id=15&Itemid=325&lang=deText{/tip}. Alle Gebiete können auf eine langejährige Winzer-Tradition zurückblicken und bieten beste klimatische Bedingungen für den Anbau.

  • Cariñena: Das älteste Weinanbaugebiet der autonomen Region hat einen wichtigen Wirtschaftszweig eingeführt. Schon 1932 wurde das Gebiet mit dem begehrten D.O.-Siegel ausgezeichnet und gehört damit zu den ältesten geschützten Regionen Spaniens. Noch nicht einmal 50 Kilometer von Zaragosa entfernt liegt das auch als Campo de Cariñena bekannte Gebiet direkt am Ufer des Ebros auf einer Höhe von 800 Metern. Die Gegend ist heftigen klimatischen Schwankungen ausgesetzt. In den Sommermonaten herrscht generell ein heißes und trockenes Klima vor, es können Temperaturen bis zu 38 Grad erreicht werden. Im Winter friert es hingegen häufig und es können auch Temperaturen von minus acht Grad erreicht werden. In Cariñena werden, wie im gesamten Land, fast ausschließlich rote Rebsorten angebaut.
  • Calatayud: Die höchst gelegene Weinregion im bergigen Aragonien ist Calatayud. Doch nicht nur die Höhe, auf der die Rebstöcke wachsen, machen Calatayud zu einem besonderen Ort. Auch die Rebstöcke selbst sind eine Besonderheit der Region. Einige von ihnen liefern sind schon weit über 50 Jahre alt. Der „Vino Viejo“ {tip Tooltipp Titel::Tooltipp Text}http://www.mio-gustoso.de/index.php?option=com_seoglossary&view=glossary&catid=1&id=23&Itemid=0&lang=deText{/tip} ist die Spezialität des Ortes.
  • Campo de Borja: Seit 1980 dürfen Winzer aus Campo de Borja D.O. auf ihre Weine drucken. Die Bodegas sind auf fruchtige und vollmundige Rotweine spezialisiert. Seit das internationale Interesse an reiferen Weinen, besonders Crianza-Weinen, zugenommen hat, konnte die Gegend ihre Export-Zahlen verdoppeln.
  • Somontano: Die bekanntesten Weine der autonomen Region kommen aus Somontano. Als sie im Jahre 1984 die D.O.-Bezeichnung erhielt, war diese Handlung des spanischen Agrarministeriums bei den lokalen Produzenten nicht unumstritten. Viele Winzer fürchteten, dass die D.O.-Standards zu hoch angesetzt sind und den traditionellen Anbau diskreditieren würden. Doch schließlich hat sich Somontano der Herausforderung gestellt und ist heutzutage im ganzen Land für seine qualitativ hochwertigen Rotweine bekannt.

Neben den vier D.O.-Regionen gibt es auch weitere Regionen und Ortschaften, welche die Bezeichnung Vino de la Tierra {tip Tooltipp Titel::Tooltipp Text}http://www.mio-gustoso.de/index.php?option=com_seoglossary&view=glossary&catid=1&id=2&Itemid=0&lang=de Text{/tip} tragen.

 

Die wichtigsten Rebsorten im Überblick

  • Garnacha Tinta: Die roten Trauben haben einen sehr intensiven Eigengeschmack. Die rote Garnacha Traube gehört zu den am häufigsten angepflanzten Sorten in Spanien. In Cariñena, Calatayud und Campo de Borja nimmt diese Rebsorte jeweils mit Abstand den größten Anteil der Gesamtanbaufläche ein.
  • Tempranillo: Die Tempranillo Traube ist mit einem Anteil von 20,9 Prozent der Gesamtanbaufläche in Spanien die landesweit am häufigsten angepflanzte Rebsorte. Auch in Aragonien nimmt sie einen großen Anteil ein.
  • Macabeo: Die einzige häufig angepflanzte weiße Rebsorte ist Macabeo. Sie dient in Katalonien als Basis für den berühmten Cava. In Aragon werden hieraus vor allem in Cariñera hochwertige Weißweine gekeltert. Die Macabeo-Weißweine sind fruchtiger und leichter als die schweren und geschmacksintensiven Rotweine.

Drei wichtige Weingüter

Weintourismus in Aragonien

Der Weinanbau ist in der aragonischen Kultur tief verwurzelt. Dies spiegelt sich nicht nur in der regionalen Küche wieder, sondern auch im kulturellen Angebot.

  • Bodega-Besichtigungen: Wer sich eine der D.O.-Regionen anschauen möchte, sollte auf jeden Fall den Besuch eines lokalen Weingutes in Betracht ziehen. Dort bekommt man einen hautnahen Einblick in die Einzelschritte und Besonderheiten der aragonischen Weinproduktion. Häufig wird im Anschluss an die Besichtigung auch eine Weinprobe angeboten. Nähere Informationen zu den Betrieben, die eine Besichtigung anbieten, und den Terminen gibt es in der lokalen Touristeninformation.
  • Weinmuseen: In Cariñena und Somontano wurden dem guten Tropfen sogar eigene Museen gewidmet. Das Museo del Vino in Cariñena liefert interessante Informationen über die Geschichte der aragonischen Winzer von den frühen Anfängen in der Region bis heute. Das Museum ist dienstags bis samstags von zehn bis 14 und von 16 bis 19 Uhr geöffnet, am Sonntag kann es nur am Vormittag besichtigt werden. Der Eintritt kostet zwei Euro. Doch auch die Region Somontano hat ein kleines Weinmuseum zu bieten. In der Stadt Barbastro befindet sich das Espacio de Vino im Komplex der Touristeninformation. Hier werden aktuelle Projekte in der Region präsentiert. Gelegentlich finden im Museum auch Weinproben statt.
  • Ein lebendiges Fest: Jedes Jahr im April findet die traditionelle Feria de los Vinos de Aragon statt. Jeden Tag wird das Volksfest auf eine andere Stadt verlegt, sodass alle wichtigen Weinregionen an dem Fest teilnehmen können.
  • Weinrouten: Eine Weinregion besteht aus unterschiedlichen Dörfern, die sich traditionell mit dem Anbau befassen. Um diese miteinander zu verbinden, werden auf der Website www.enoturismodearagon.com drei interessante Routen vorgeschlagen, wie man den aragonischen Wein am besten entdecken kann. Die Informationen sind in spanischer, englischer und französischer Sprache verfügbar.

Daten und Fakten

Anbaufläche (in ha) 41486 (Stand: 2014)
Weinertrag gesamt (in HL) 1.019.892,23 (Stand 2014)
Anteil der Rot- und Weißweine an der Gesamtanbaufläche

Rote Trauben: 88,72 %

Weiße Trauben: 11,28 %

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