Chenin Blanc & Gamay: Alte Franzosen als hippe Trendsetter?

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„Sein oder nicht sein…“ – Den berühmten Ausspruch des großen William Shakespeare hat das Freek’s Mill Restaurant im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf seine Weinkarte und dort auf zwei alte und außergewöhnliche Rebsorten übertragen: Chenin Blanc und Gamay. Alle Weine im Freek’s Mill müssen sich an dieser Frage messen: Chenin Blanc aus dem Loiretal oder „Not Loire Chenin“, so ist im Weißweinmenü des angesagten Restaurants zu lesen. Ebenso gilt für Rotweine: Gamay aus der Beaujolais oder „Not Beaujolais“.
Ein Statement für zwei alte französische Rebsorten mitten im hippen New York.
Doch das Freek’s Mill ist nur eine kulinarische Speerspitze einer weltweiten Sommerlier-Bewegung, die sich unter Weinkennern für die Stärkung des weißen Chenin Blanc und des roten Gamay einsetzt. 

Jeanne D’Arc für Chenin Blanc

Pascaline Lepeltier gilt unter Weinkennern als moderne Jeanne D’Arc. Sie steht an der Spitze der Bewegung, die sich für den Renaissance der alten Rebsorte Chenin Blanc stark macht. Wie der Wein, so stammt auch Lepeltier selbst aus dem französischen Loiretal, arbeitet heute jedoch im angesagten „Racines“ im Manhattener Szenestadtteil Tribeca. Sie ist die erste Frau, die den Titel „Meilleur Sommelier de France“ tragen darf. Er wurde ihr im November 2018 verliehen. Ihr Wissen aber auch ihre Entschlossenheit im Kampf für den Chenin Blanc ist nicht zu unterschätzen. Lepeltier bevorzugt an der alten Rebsorte, die neben dem Riesling als einzige Weißweinrebe gilt, die das gesamte Geschmacksspektrum des Weißweins aufbieten kann, vor allem die im Vergleich zum Riesling sehr diskreten Aromen, die den Weißwein zu einem hervorragenden Essensbegleiter machen: „Im Gegensatz zu Riesling, haben die Chenin Blanc-Beeren eine dicke Schale, so dass sie nicht besonders anfällig für Edelfäule sind“, so die Spitzen-Sommelière auf einem Workshop in New York, wo sie die Renaissance des Chenin-Blanc in Spitzenrestaurants voranzubringen sucht.  

Unterschätze Zwillinge

Der rote Glamay kämpft mit einer ganz eigenen Herausforderung: einem Image-Problem. Denn nur mühsam kann sich der Wein aus dem mächtigen Schatten des Beaujolais Nouveau lösen. So wird der Rotwein bis heute wie der Chenin Blanc dramatisch unterschätzt und das, obwohl er sich wie sein weißer Zwilling dank seines Körpers, seiner lebhaften fruchtigen Note und der natürlich strahlenden Säure ebenfalls hervorragend als Essensbegleiter eignet.

#chenincheninchenin

Die Anhänger des neu entdeckten Zwillingspaares kämpfen deshalb mit einem eigenen Hashtag für die Verbreitung der beiden Weine, die auch aufgrund ihres im Vergleich zu den großen Namen Burgunds sehr geringen Preises zum beliebtesten Weinpaar junger Hipster-Sommeliers geworden sind. 
Damit der Vormarsch von Chenin Blanc und Gamay international gelingen kann, müssen die beiden Rebsorten jedoch auch in weiteren Weinbaugebieten überzeugen.
Dabei weicht die Anbauquote der beiden Weine derzeit stark voneinander ab. 
So gilt der Chenin Blanc mit einer Anbauquote von 18,2 % als die meistgepflanzte Rebsorte Südafrikas. Das Anbaugebiet ist zum jetzigen Zeitpunkt beinahe doppelt so groß, wie die rund 10.000 ha Chenin Blanc-Weinberge in Frankreich. Zwei der großen Chenin-Blanc-Kellereien sind mit Mulderbosch (Halle 9, Stand B 28) und AA. Badenhorst’s Secateurs (Halle 9) auf der ProWein 2019 vertreten.
In Kalifornien könnte der Chenin Blanc, der dort bisher von Start-Up-Produzenten wie Chappellet (Halle 9) und Pine Ridge (Halle 9, Stand C 06) angebaut wird, aufgrund vieler reifer und alter Weinberge bald einen enormen Aufschwung erleben.
Ganz anders steht es jedoch um den ungleichen Zwilling des Chenin Blanc. Zwar gewinnt der Gamay in Frankreich zunehmend an Prestige (40% der Produktion im Jahr 2015). Seine Herkunftsregion, die Bejaujolais, schaffte es sogar unter die Top-Ten der weltbesten Weinreise-Destinationen des US- Magazins Wine Enthusiast. Außerhalb seines Herkunftslandes ist der Gamay jedoch kaum zu finden. Gamay-Kultweine, wie die der im kanadischen Ontario (Wines of Ontario, Halle 9, Stand D 48) ansässigen Produzenten Château des Charmes, Malivoire und 13th Street oder der „Terassen“-Gamay der New Yorker Finger Lakes (Sheldrake Point, Halle 9 D28) sind international kaum beachtet und nur in äußerst geringer Menge verfügbar.

Chenin Blanc und Gamay auf der ProWein 2019 

Es scheint, als hinge der Erfolg von Chenin Blanc und Gamay also am Enthusiasmus einflussreicher Someliers, die die Macht westlicher Weinkritiker weiter zurückdrängen und neue Akzente setzen. Die saftigen Eigenschaften des Gamay und die hohe Bekömmlichkeit der beiden Zwillinge machen jedenfalls Hoffnung, dass die Aufmerksamkeit für beide Weine anhält und die Zahl der Rebpflanzungen weiter steigt. Ob dies jedoch auch Einbußen in Sachen Coolness bedeutet? Es bleibt spannend.
Wer die beiden Weine besser kennenlernen möchte und mehr zur weltweiten Entwicklung von Chenin Blanc und Gamay wissen möchte, findet beste Voraussetzungen auf der ProWein 2019.

Zitatquelle und weiterführende Informationen: https://www.prowein.de/cgi-bin/md_prowein/lib/pub/tt.cgi/FA_Nr._4_Chenin_Blanc_Gamay_Die_mega_coolen_Zwillinge_des_21._Jahrhunderts.html?oid=35698&lang=1&ticket=g_u_e_s_t

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