Deutschland

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Deutschland zählt im internationalen Vergleich zu den kleineren Weinanbaugebieten, steht aber mit seinen Weinen den großen Produzenten wie Frankreich, Italien oder Spanien in nichts nach. Ein gemäßigtes Klima und viele ideale Weinanbaugebiete sorgen dafür, dass dieses Land so einiges zu bieten hat, wenn es um den guten Tropfen geht. So finden sich in Deutschland über 140 angebaute Rebsorten, wovon der höchste Teil zu Weißwein verarbeitet wird und ungefähr 35 Arten zur Herstellung von Rotwein in Frage kommen. Deutschland weist nach der Weinverordnung §2 insgesamt 26 Anbaugebiete auf. Verantwortlich für den Anbau sind, nach dem Stand von 2012, ca. 80.000 Winzer. Bekannt ist das Land vor allem für seine Weißweine, jedoch steigt die Nachfrage nach Rotweinen seit den achtziger Jahren kontinuierlich an. Bei einer Statistik zur Weinherstellung aus dem Jahr 2014 belegte Deutschland den zehnten Platz. Zudem konnten die Winzer in den letzten Jahren ein Plus von 16 Prozent verzeichnen. 


 

Die Geschichte des deutschen Weinanbaus

Die Geschichte des Weins geht lange, lange zurück. So gab es bereits in der Kreidezeit 140 Millionen Jahre v. Chr. mehrere Rebarten, wie Funde von Pflanzenresten belegen konnten. In unseren Gefilden wanderten die Reben erst vor ca. 10.000 Jahren. Vom Rhône-Tal drangen sie ins Rheingebiet und verliefen von dort längs der Donau Richtung Nordwesten. Wie weitere Funde belegen, besteht die Vermutung, dass in dieser Zeit die ersten Versuche unternommen wurden, Saft aus den Trauben zu pressen. Indogermanische Stämme waren wahrscheinlich die ersten, die sich in der Weinherstellung versuchten und überlieferten diese Tradition, so dass bei den Kelten bereits Wein getrunken wurde, welcher aus eigener Erzeugung stammte . Die Veredelung der Weine wurde jedoch erst von den Griechen in der galloromanischen Zeit vollzogen. Eine wichtige Rolle in der Geschichte des Weins spielte der römische Kaiser Probus. Er unterstütze die Neuanlage von Weinbergen und nahm so enormen Einfluss auf die Verbreitung. Zudem gewann die Produktion von Wein während dieser Zeit, in der Mitte des 3. Jahrhunderts, enorm an Bedeutung. Viele Funde aus der Zeit deuten darauf hin: So wurden Gefäße mit Traubenkernen und Weinfässer gefunden, die eine Verbreitung belegen. Die Römer bauten Wein zunächst nur auf der linken Seite des Rheins an. Eine große Verbreitung trat durch die Völkerwanderung und die Karolingern ein. Gebiete, die in der Zeit bereits zum Weinanbau genutzt wurden, waren: Rheinhessen, die Pfalz, das Elsass, Baden und der Neckarraum. Erst unter Karl dem Großen traf der Weinanbau auch im Rheingau ein. Später kamen noch das Voralpengebiet und Südbayern dazu. In Niederbayern ist der Weinanbau im 11. Jahrhundert angekommen. Unter den Ottonen verbreitete sich der Weinanbau auch in Mitteldeutschland. Dies ist auf das 9. Jahrhundert datiert. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erreichte der Weinbau seine größte Ausdehnung. Auch der Handel war nun stärker an Wein interessiert, so dass sich auch die Qualitäten änderten. Heutzutage wird Wein auf ca. 102.000 Hektar angebaut. Hinzu kamen Güteklassen, Herkunftsbezeichnungen und amtliche Prüfungen, welche durch die Weingesetzgebung geregelt werden. 

 

Die deutschen Rebsorten

Die bekanntesten Rebsorten, die in Deutschland angebaut werden, sind folgende: Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner, Kerner, Grauburgunder, Weißburgunder, Bachus, Chardonnay, Scheurebe sowie Gutedel, welche alle zu Weißweinen verarbeitet werden. Zu Rotwein werden die folgenden Rebsorten verarbeitet: Spätburgunder, Dornfelder, Blauer Portugieser, Trollinger, Schwarzriesling, Regent Lemberger und auch St. Laurent. Die rote Ernte wird zudem dafür verwendet, Roséwein herzustellen. Da die Nachfrage nach deutschem Rotwein kontinuierlich steigt, kann es sein, dass die Liste der angebauten Rebsorten zukünftig auch ganz anders aussehen wird. Die größte Anbaufläche nehmen in Deutschland Riesling (22,2%), Müller-Thurgau (13,1%) und Spätburgunder (11,5%) ein.  

 

Qualitätsstufen in Deutschland

Die Qualitätsstufen der deutschen Weine sind in dem deutschen Weingesetz geregelt (WeinG 1994). Die Qualitätsstufen setzen sich somit nach dem Extraktgehalt des Mostes zusammen. Verbunden wird dies mit einer Regionalbezeichnung. So ergeben sich folgende vier Stufen, wobei die beste Qualität am Anfang steht: der Prädikatswein (QmP), der Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete, der Landwein und das Schlusslicht bildet die Qualitäts-Bezeichnung Wein, die früher auch unter dem Namen Tafelwein zu finden war. 

Um die Stufen Prädikatswein und Qualitätswein zu erreichen, wird das Bestehen einer amtlichen Weinprüfung als Voraussetzung gesehen. Hierbei handelt es sich um eine sensorische Prüfung, die in erster Linie dazu dient, qualitativ schlechte bzw. fehlerhafte Weine auszusortieren. Das Weingesetz aus dem Jahre 1971 schuf eine Unterteilung zu den Qualitätsstufen. Orientierung hierfür lieferte das Mostgewicht zum Weinlese-Zeitpunkt, welche je nach Region unterschiedlich ist. Die höchsten Werte des Mostgewichts findet man in Baden, die niedrigsten in den Gebieten Ahr, Mosel und Mittelrhein. 

Bei den beiden obersten Qualitätsweinen gelten folgende Anforderungen: Der Alkoholgehalt muss zwischen sieben und neun Prozent liegen, das Mostgewicht darf nur zwischen 57 und 72 Grad Öchsle schwanken. Im obersten Rang des Prädikatweins, findet sich eine weitere Unterteilung, welche sich auf die Prädikate bezieht. Diese lauten, angefangen bei dem höchsten Prädikat, wie folgt: Trockenbeerenauslese, Beerenauslese, Auslese, Spätlese, Kabinett. 

Der Kabinett folgt auf die Qualitätsweine und ist oftmals ein leichter, alkoholarmer Wein. Bei der Spätlese handelt es sich, wie der Name schon vermuten lässt, um Trauben, die erst nach der Hauptlese geerntet werden. Einwandfreie und nicht beschädigte Trauben bilden die Grundlage für die Auslese. Die Beerenauslese und die Trockenbeerenauslese greifen auf überreife bzw. edelfaule Trauben zurück, wobei die Trauben der höchsten Stufe vom Schlauchpilz Botrytis befallen sind (Edelfäule). 

 

Die 13 Anbaugebiete in Deutschland

Für Qualitätswein gibt es nach § 3 des Weingesetzes 13 Anbaugebiete, zu denen folgende Gebiete zählen: Ahr, Baden Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen, Württemberg. 

In Anbaugebiet Ahr beträgt die Anbaufläche 519 Hektar. Somit zählt Ahr zu den eher kleineren Weingebieten in Deutschland.  Der Großteil (85,5%) ist mit verschiedenen roten Rebsorten bestockt. Angebaut wird hier insbesondere der blaue Spätburgunder sowie blauer Portugieser. Aber auch weiße Rebsorten werden in Ahr angebaut. Hierzu zählen Rieslinge und Müller-Thurgau. Insgesamt findet man hier einen Trend zum Anbau von trockenen Weinen. 

Im Weinbaugebiet Baden beträgt die Anbaufläche 15.341 Hektar. Diese reicht bis an den Bodensee und gilt somit als das südlichste Gebiet für Weinanbau in Deutschland. Da sich das Gebiet von Heidelberg aus erstreckt, gibt es hier zahlreiche geologische und klimatische Unterschiede. Hier werden nur minimal mehr weiße als rote Rebsorten angebaut. Der Spätburgunder ist die wichtigste Sorte in Baden.

Am Main entlang erstreckt sich das 6.040 Hektar große fränkische Anbaugebiet. Der typische Frankenwein-Charakter ist meist trocken und schmeckt herzhaft erdig. Er hat eine sehr individuelle Note. Fast 80% der Fläche werden mit weißen Rebsorten angebaut. 

Die Hessische Bergstraße erstreckt sich von Heidelberg bis nach Frankfurt und bietet fast südländisches Klima. 456 Hektar ist das Anbaugebiet groß und insgesamt fallen 87,9% auf den Anbau von weißen Rebsorten. Riesling ist in diesem Gebiet die wichtigste Anbausorte. 

Das Mittelrhein-Gebiet beginnt in Königswinter und verläuft durch Koblenz bis nach Bacharach. Die Größe des gesamten Anbaugebietes beträgt 526 Hektar. Hauptsächlich wird hier Riesling angebaut (70,7%), gefolgt von Müller-Thurgau, Spätburgunder und Kerner. Durch die vielen Burgen und die grüne Landschaft ergibt sich eine malerische Kulisse, die besonders viele Touristen anzieht. 

Das Anbaugebiet Mosel liegt zwischen Rhein und der Mosel. Da sich das Gebiet sehr lang erstreckt, gibt es auch hier viele Unterschiede in Klima und Geologie. 

In Nahe findet vor allem die Herstellung von Qualitätsweinen statt, welche den Namen Pfalzweine tragen. Es ist 4.172 Hektar groß und hat sich auf den Anbau von roten Rebsorten spezialisiert, die einen Anteil von 83% haben. Besondere Weine aus dieser Region sind Rieslinge, Müller-Thurgau, Silvaner und Grauburgunder. 

In dem Gebiet der Pfalz findet vor allem die Herstellung von Qualitätsweinen statt, welche den Namen Pfalzweine tragen. Dies ist das zweitgrößte Anbaugebiet im Land und die Fläche beträgt einen Umfang von 23.489 Hektar. Die weißen Sorten überwiegen hier, wobei der Anteil bei 62 % zu 38 % (rote Rebsorten) beträgt. Hier werden viele verschiede Weine erzeugt, die für jeden Geschmack das Richtige bieten. 

Das Rheingau ist nur 50 Kilometer lang und hat eine Gesamtrebfläche von 3.205 Hektar. Diese Region produziert schon seit dem 12. Jahrhundert Weine, welche immer weiter veredelt wurden. Hier entstand zudem der Anbau mit Edelfäulen. Besonders bekannt ist Rheingau für die Spätauslese. Neben Rieslingen gibt es hier auch Spätburgunder. 

Das Anbaugebiet Rheinhessen gilt als größtes Anbaugebiet in Deutschland und wird vom Rhein und der Nahe eingereist; es erstreckt sich von Bad Kreuznach über Mainz bis nach Worms und Alzey. Durch die Vielseitigkeiten des hier herrschenden Klimas und der Böden kommt es zu einer großen Abwechslung in dem Geschmack. Besondere Sorten aus dieser Region sind Müller-Thurgau, Spätburgunder, Silvaner sowie Rieslingen. Mehr als Dreiviertel der Produktion entfallen auf Weißweine. 

Bereits im Jahr 998 baute man in Saale-Unstrut Wein an. Dreiviertel der hier produzierten Reben entfallen auf Weißwein. Die Weine aus dieser Region sind oftmals weich, trocken und reintönig. 

Von Meißen bis nach Pirna erstreckt sich das Anbaugebiet Sachsen mit 446 Hektar. Folgende Rebsorten lassen sich hier finden: Müller-Thurgau, Riesling, Weißer Burgunder und Roter Traminer. 

Für Rotweine ist das südliche Gebiet Württemberg bekannt, welches eine Fläche von 11.359 Hektar hat. Die wichtigsten Rebsorten dieser Region sind Trollinger, Lemberger, Portugieser und Riesling. 

 

Bekannte Weingüter

Eine der Top-Adressen wenn es um Wein geht, ist das Weingut August Ziegler, welches in der Pfalz liegt. 180.000 Flaschen Wein werden hier produziert, vor allem Riesling, Spätburgunder und Weißburgunder haben sich hier etabliert. Eine weiteres Highlight ist das Weingut Hex von Dasenstein, das am Fuße des Schwarzwaldes liegt. Spezialisiert hat man sich hier größtenteils auf den blauen Spätburgunder (76%). Aber auch Müller-Thurgau, Riesling und der graue Spätburgunder werden hier angebaut. In dem Anbaugebiet Mosel liegt das Weingut Egon Müller Schwarzhof. Hier wird lediglich Riesling angebaut. Die Weine können jung getrunken werden oder auch mehrere Jahre gelagert werden. 

 

Daten und Fakten

Anbaufläche  102.000 ha (Stand 2012)
Ertragszahlen Ertragsrebfläche 99.586 ha (Stand 2012)
Wein Export 1,3 hl
Anteil Rot- und Weißwein
an der Gesamtbaufläche
65% weiße Rebsorte, 35% rote Rebsorten 
Welche Länder konsumieren 
am meisten Wein aus Deutschland
USA, Niederlande, Großbritannien
Wetterbedingungen in Deutschland für den Wein da sowohl Sonnenstunden als auch Niederschlag 
variieren, ergeben sich von Jahr zu Jahr
geschmackliche Unterschiede

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