Gisborne – Neuseelands entlegenes Weinbaugebiet

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Ganz im Osten der Nordinsel liegt Gisborne, das viertgrößte Anbaugebiet Neuseelands. Die hier wachsenden Trauben werden allmorgendlich als erste der Welt von der Sonne gestreichelt – und an Sonne mangelt es hier nicht. Gisborne ist berühmt für seine Chardonnays; mehr als die Hälfte der Anbaufläche kommt dieser Rebsorte zuteil. Außer für guten Wein ist die Region bekannt für ihr entspanntes Flair und den ungezwungenen Lebenswandel der Bewohner, die ihre Freizeit gerne am Strand und auf dem Surfbrett verbringen. Zudem ist die Kultur der Maori, der neuseeländischen Ureinwohner, in Gisborne präsent und lebendig. Bei einem Neuseelandaufenthalt lohnt sich der Weg in die abgeschiedene Weinregion mit ihrer gleichnamigen Stadt unbedingt, nicht nur für Chardonnay-Liebhaber.


 

 

 

Klima und Böden der Region 

Berge und Hügel bestimmen die grüne Landschaft Gisbornes und schützen die Region im Westen und Norden. An der Ostküste sorgt der Pazifik für ein maritimes Klima. Mit etwa 2.200 Sonnenstunden und 1050 mm Niederschlag pro Jahr ist die Gegend sonnenverwöhnt und relativ trocken. Neben Wein werden hier viele Obst- und Gemüsesorten angepflanzt. Eine Herausforderung, der Gisbornes Winzer sich regelmäßig ausgesetzt sehen, sind Zyklone – die Wirbelstürme haben schon so manche Ernte negativ beeinflusst, sodass die Ertragszahlen starken Schwankungen unterliegen. 

Da der Boden in Teilen der Ebenen sehr fruchtbar und wasserundurchlässig ist, was für den Weinbau ungünstig ist, wählen die Winzer für ihre Anbauflächen vermehrt höher gelegene Standorte, etwa an den Bergausläufern. Die Böden bestehen aus unterschiedlichen Zusammensetzungen von Ton, Lehm und Schlufflehm und erlauben ein breites Spektrum interessanter Weine. 

Drei Unterregionen werden für den Weinbau genutzt. Manutuke liegt am nächsten an der Küste und profitiert von der Meeresbrise. Seit den 1890er Jahren werden hier Reben kultiviert. Besonders gut gedeihen Chardonnay und Gewürzweine, etwa Viognier. Etwas weiter landeinwärts befindet sich Patutahi, wo es ein wenig wärmer und trockener ist. Hier steht mehr als ein Drittel der Reben Gisbornes. Gewürztraminer aus Patutahi ist besonders intensiv und reich an Aromen. Am weitesten im Landesinneren und nördlich der Stadt Gisborne liegt die Subregion Ormond. Mit der “Golden Slope” (deutsch: Goldener Hang) liegt hier ein besonders geschätztes Anbaugebiet, das exzellente Weine hervorbringt. Doch auch aus Trauben anderer Lagen entstehen hochqualitative Premium-Weine. Einige der besten Chardonnays der Gegend kommen aus Ormond. 

 

Wie ein Deutscher Gisborne zur Weinregion machte

Es war hier an der Ostküste, dass der Entdecker James Cook 1769 das erste Mal in Neuseeland anlegte. Bis europäische Siedler sich in der Gegend niederließen, dauerte es allerdings noch bis in die 1850er Jahre. Die Geschichte des Gisborne-Weins geht auf einen Deutschen zurück: Friedrich Wohnsiedler etablierte 1921 das erste Weingut der Region – Waihirere Wines. Überaus erfolgreich entwickelte er sich bis in die Fünfzigerjahre zu einem der größten Weinproduzenten Neuseelands. Der einzige Erzeuger war er dabei nicht; die Weinindustrie wurde von ihm und zwei weiteren Familienbetrieben dominiert. Nach Wohnsiedlers Tod übernahm sein Sohn den Betrieb und Ende der Sechzigerjahre produzierte Waihirere Wines jährlich zwei Millionen Liter. Der Trend in Gisborne ging generell in Richtung Massenproduktion. Große Namen, wie Montana und Corbans bestimmten die Industrie. Erst in den Achtziger- und Neunzigerjahren nahm die Entwicklung langsam einen anderen Verlauf, weg von großen Mengen, hin zu Qualitätsweinen kleiner Produzenten. Zahlreiche Auszeichnungen in Wein-Wettbewerben bestätigten die Winzer darin, diesen Kurs weiterzuverfolgen. Bis heute liegt der Fokus auf Qualität statt Quantität. Jedes Jahr im Oktober findet in Gisborne das Wine and Food Festival statt, bei dem die feinen lokalen Weine und kulinarischen Spezialitäten der Region im Mittelpunkt stehen. 

 

Große Weinvielfalt

Chardonnay ist der unangefochtene Star unter den Weinen aus Gisborne und nimmt einen großen Teil der Anbauflächen in Anspruch. Darüber hinaus glänzt die Region mit ihrer Vielfalt unterschiedlicher Rebsorten und Weinstile. Bei den Weißweinen, allen voran dem Chardonnay, reichen die Sorten von frisch-fruchtigen, leichten Exemplaren bis hin zu üppigen, saftigen, im Eichenfass ausgebauten Weinen. Gewürzweine, besonders Pinot Gris und Gewürztraminer, sind die am zweithäufigsten vertretenen Weine. Sie präsentieren sich intensiv duftend mit Aromen vollreifer Früchte und exotischer Gewürze. In kleineren Mengen werden zudem Sauvignon Blanc und Rotweine, wie Merlot und Malbec, produziert. 

 

Gisbornes Weingüter heute: Klasse statt Masse

Seit 1984 widmen sich James und Annie Millton der Weinproduktion mit Hingabe. Ihre Weine wurden mehrfach ausgezeichnet. Millton hat sich der biologischen Weinherstellung verschrieben – es kommen keinerlei Pestizide zum Einsatz. Handverlesene Trauben werden mit natürlichen Methoden verarbeitet. Produktion und Abfüllung erfolgen vor Ort auf dem Weingut. Millton teilt seine Weine in drei Linien: Millton, Crazy by Nature und Clos de Ste. Anne. Die Weinpalette ist vielfältig und besteht unter anderem aus verschiedenen Chardonnays und Viogniers. 

Bushmere Estate ist seit mehr als 40 Jahren fest in Familienhand. Bei geringen Produktionsmengen  wird viel Wert gelegt auf hohe Qualität. Der 17 Hektar große Weinberg ist überwiegend mit Chardonnay bepflanzt, hinzu kommen andere Rebsorten, etwa Pinot Gris und Gewürztraminer. Mit Sangiovese und Meltepulciano sind auch Rotweine vertreten. Es gibt eine Probierstube mit angeschlossenem Café und Restaurant. 

Der Gewürztraminer von Matawhero wurde bereits von der englischen Queen genossen. Das ist nicht der einzige Grund, warum die Winzer dieses traditionsreichen Weinguts stolz auf sich sein dürfen. 1968 von Bill Irwin ins Leben gerufen, hat Matawhero viele herausragende, innovative Weine hervorgebracht. In zwei Produktreihen, Church House und White Label, betreibt Matawhero neben Chardonnay und besagtem Gewürztraminer auch seltenere Sorten, wie Chenin Blanc, Arneis und Albariño.

 

Daten und Fakten

Gesamtanbaufläche 1.602 ha
Weinertrag 117.000 hl

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