Hawke’s Bay – wo alles begann

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Als zweitgrößte Weinregion Neuseelands, nach Marlborough, genießt die Hawke’s Bay national wie international einen ausgezeichneten Ruf. Seit den 1850er Jahren wird hier erfolgreich Weinbau betrieben. Weinfreunde schätzen die Chardonnays und Rotweine im Bordeaux-Stil. Das Land an der sichelförmigen Bucht, die der Region ihren Namen gab, bietet nicht nur Weinreben optimale Bedingungen. Die Landwirtschaft mit Viehzucht und Obstanbau hat Hawke’s Bay den Spitznamen “Obstschale Neuseelands” eingebracht. Für weininteressierte Touristen und Feinschmecker ist Hawke’s Bay ein wahres Paradies – die meisten der 76 Weingüter laden zur Verköstigung ein, viele davon verfügen über ein Restaurant. Darüber hinaus warten frische regionale Köstlichkeiten in Cafés, Restaurants und auf Märkten. Interessante Architektur gibt es auch, nämlich in der Art-Déco-Stadt Napier.


Maritimes Klima

Hawke’s Bay liegt an der Ostküste der Nordinsel. Die Landschaft besteht aus Hügeln, die zu zwei Bergketten ansteigen, Flüssen sowie den fruchtbaren Ebenen namens Heretaunga Plains, wo die meisten Weinberge angesiedelt sind. Berge und Hügel schützen vor starken Westwinden. Mit etwa 2.200 Sonnenstunden im Jahr zählt die Region zu den sonnigsten des Landes. Das Meer sorgt für Abkühlung, sodass die Sommer zwar warm, aber nicht heiß sind. Die klimatischen Bedingungen variieren innerhalb der Region. Am wärmsten wird es auf den Ebenen. Die Rotweine, für die Hawke’s Bay bekannt ist, sind auf diese Wärme angewiesen. Besonders für Cabernet Sauvignon und Syrah ist es mitunter ein wenig zu kühl, für Pinot Noir hingegen zu warm. Neben den Temperaturen spielen die Niederschläge eine große Rolle, insbesondere wann sie auftreten. Ein langer Sommer wirkt sich günstig auf die Qualität eines Jahrgangs aus, während starke Regenfälle im Herbst die Reifezeit von Sorten wie Cabernet Sauvignon verkürzen können. Im Winter kann es stellenweise zu Frost kommen. Chardonnay-Reben, fühlen sich in Hawke’s Bay besonders wohl. Insgesamt ist das Klima dank vieler Sonnenstunden und konstanter Meeresbrise für den Weinbau sehr günstig. 

Böden

Charakteristisch für die Böden in Hawke’s Bay ist ihre Verschiedenartigkeit – 25 fachliche Klassifizierungen der örtlichen Bodentypen berücksichtigen Faktoren wie Zusammensetzung und Drainagefähigkeit. Flüsse formten die Landschaft über Tausende von Jahren und hinterließen ihre Spuren in Böden, die, je nach Standort, aus Ton, Lehm, Kies, Kalkstein und anderen Materialien bestehen. Die großflächig bepflanzten Ebenen der Heretaunga Plains, sind vorwiegend Schwemmlandböden mit darunter liegenden Kieselschichten. Das Wasser kann hier gut aus dem Boden abfließen, was einen großen Vorteil darstellt. Dem Weinbau besonders zuträglich sind die Bedingungen in einem Abschnitt namens Gimblett Gravels. Da der Kiesboden hier wenig fruchtbar ist, sind die Erträge gering und die Aromen umso konzentrierter. Gimblett Gravels gilt als die beste Anbaufläche in Hawke’s Bay und stellt als Hinweis auf dem Wein-Etikett ein Qualitätsmerkmal dar. Neben den Ebenen werden auch die Hänge der Hügel sowie Standorte in Küstennähe für den Weinbau genutzt. Während die Hügel als einzige Anbauflächen für Pinot Noir dienen, werden in küstennahen Weinbergen vorwiegend Rebsorten mit kurzer Reifezeit, etwa Chardonnay, angebaut. Die Unterschiedlichkeit der Böden in Hawke’s Bay zeigt sich in der enormen Vielfalt der Weine.

Eine große Rebsorten-Palette

So riesig die Bandbreite der Klima- und Bodenbedingungen innerhalb der Region, so vielgestaltig ist das Angebot an Rebsorten und Weinstilen. Die folgenden stellen die wichtigsten, aber bei Weitem nicht einzigen, dar. 

Rotweine nach Bordeaux-Art sind das Aushängeschild von Hawke’s Bay. Dank der vielen Sonnenstunden reifen die klassischen roten Rebsorten, etwa Merlot, Cabernet Sauvignon und Malbec, hier in den meisten Jahren besonders gut. Innerhalb Neuseelands ist das eher untypisch, nur die nördlichen Regionen Auckland und Northland sind ebenfalls für diese Weine bekannt. Die eleganten Bordeaux-Verschnitte aus Hawke’s Bay sind typischerweise opulent, kräftig und würzig mit reifen Aromen. Durch ein paar Jahre Lagerung gewinnen diese Weine in der Regel an Komplexität.  

Unter den Weißweinsorten ist Chardonnay der Star der Region. Diese Rebsorte kommt fruchtig-cremig und ähnlich körperreich und lagerfähig daher wie die Roten. Häufig zu findende Aromen sind die von Aprikose, Pfirsich, Grapefruit, Butter oder Honig. Eine feine Säure sorgt dafür, dass die Weine nicht zu schwer werden.

Auch Sauvignon Blanc wird in Hawke’s Bay hergestellt, und zwar in völlig anderem Stil als die säurebetonten, fruchtig-frischen, jung zu trinkenden Exemplare aus Marlborough. Die Hawke’s-Bay-Version ist oftmals lagerfähig und nicht selten im Eichenfass ausgebaut. Die Aromen tropischer Früchte sind weniger aufdringlich und komplexer als bei Marlborough-Sauvignons.  

Etwa 500 Hektar Anbaufläche der Region sind mit Pinot Gris bestückt. Typisch für die kräftigen, reichhaltigen Weine sind ausgeprägt Steinobst- und Gewürzaromen. 

Zunehmend im Kommen in Hawke’s Bay ist die spät reifende Rebsorte Syrah. Aromen von Pflaumen, Himbeeren, Kräutern, Gewürzen sowie die charakteristische Pfeffernote bestimmen Bouquet und Geschmack. 

Neuseelands älteste Weinregion

Die erste Weinkellerei des Landes, Mission Estate, wurde 1851 von französischen Missionaren in der Hawke’s Bay ins Leben gerufen. Beschränkte sich die Produktion anfänglich auf Mess- und Tafelweine, begann Mission Estate in den Siebzigerjahren damit, Rotweine zu verkaufen. Bis in die 1920er Jahre etablierten sich einige weitere Weinkellereien, die auch heute noch aktiv und bedeutend sind, darunter Vidal und Te Mata Estate. Mit den Jahren hat sich der Weinbau von den fruchtbaren Bodentypen weg entwickelt, zugunsten von Standorten, die geringere Erträge und qualitativ hochwertigere Weine mit konzentrierten Aromen hervorbringen. Gepaart mit innovativen Methoden der Weinherstellung führte dies zum anhaltenden Erfolgskurs der Region – innerhalb Neuseelands wie international. 

Drei traditionsreiche Weingüter

Hinter dem Namen Mission Estate verbirgt sich der erste Weinproduzent Neuseelands. Das europäisch anmutende Gebäude mit Probierstube und Restaurant erinnert an die französischen Wurzeln. Hier können Besucher die Weine verköstigen oder typisch neuseeländische Küche in dem hervorragenden Restaurant genießen. Mission Estates breit gefächerte Weinpalette umfasst vier Reihen: Mission Estate, Vineyard Selection, Reserve und Jewelstone. Das Sortiment besteht aus sämtlichen in der Region gängigen Weinen, darunter auch edelsüße oder alkoholarme Varianten. 

Eine lange Tradition hat auch Te Mata Estate. Seit 1896 ist der Familienbetrieb einer der wichtigsten Weinproduzenten in Hawke’s Bay. Neben klassischen Bordeaux-Verschnitten produziert Te Mata unter anderem Syrah, Chardonnay, Viognier und Gamay Noir. Fast 40.000 Kisten Wein erzeugt das Weingut pro Jahr. Mit mehr als 40 Exportländern genießt Te Mata einen hohen internationalen Bekanntheitsgrad. 

Der bekannteste Wein von Esk Valley heißt The Terraces – ein Verschnitt aus Merlot, Malbec und Cabernet Franc, der nur in besonders guten Erntejahren gefertigt wird. 1933 von einem Engländer gegründet, spielt Esk Valley schon lange in der ersten Liga der Weingüter in Hawke’s Bay, was zahlreiche Auszeichnungen belegen. Unter anderem besitzt das Weingut Reben in der Anbaufläche Gimblett Gravels, die als beste der Region gilt. Neben The Terraces und den typischen Hawke’s-Bay-Sorten erzeugt Esk Valley auch Chenin Blanc und Verdelho. Trauben von weiteren Weinbergen in Marlborough werden zu Pinot Noir und Sauvignon Blanc verarbeitet. 

Daten und Fakten

Gesamtanbaufläche 4.816 ha
Weinertrag 320.400 hl
Anteil an Rotweinen an der Gesamtanbaufläche 64%
Anteil an Weißweinen an der Gesamanbaufläche 36%

(ungefähre Angaben)

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