Hochwertige Weine statt Sangria aus Eimern- Die Balearen

0
1210

Bei Malle und Co. werden die Meisten wahrscheinlich nicht zuerst an hochwertigen Weingenuss denken, sondern werden wahrscheinlich eher die typische Ballermann-Szenerie von feiernden und betrunkenen Party-Gängern im Kopf haben, die den Junggesellenabschied oder den Abschluss mit den berühmten Sangria-Eimern feiern. Doch mit diesem Urteil tut man der Insel-Gruppe unrecht. Besonders Mallorca bietet mit seinen zwei D.O.-Gebieten und weiteren Vino de la Tierra Qualitätsregionen eine große und vor allem hochwertige Wein-Vielfalt.


 

 

Mitten im Mittelmeer- Die besondere Lage und Geografie

Die Balearischen Inseln befinden sich im westlichen Mittelmeer und sind eine autonome Region innerhalb Spaniens. Neben den fünf bewohnten Inseln, Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera und Cabrera gehören auch noch 146 unbewohnte Inseln zum Archipel und zur autonomen Region. Da die Inseln wahrscheinlich ursprünglich ein Teil des andalusischen Felsengebirges gewesen sind, der sich abgesplittert hat, erinnern die felsige Landschaft und der trockene Boden sehr an den Süden Spaniens. Doch auf Grund der Lage im zentral-östlichen Mittelmeer herrscht hier ein feuchteres und kühleres Klima vor und die Vegetation unterscheidet sich stark von der andalusischen. Im Sommer wird nur selten die mittlere 30-Grad-Marke überschritten und im Winter können auch schon einmal untere einstellige Temperaturen erreicht werden. In den Sommermonaten Juni, Juli und August fällt kaum Niederschlag, während die Herbst- und Wintermonate eher feucht sind.

 

 

Die Reblaus entscheidet- Die bewegte Geschichte des Weinanbaus 

Schon im ersten Jahrhundert vor Christus erkannten die Römer das Potential der Balearen als Weinanbaugebiet. In einem seiner berühmten Briefe verglich Plinius den Wein der Inseln sogar mit den besten Tropfen Italiens. Doch mit der maurischen Eroberung wurde die Produktion drastisch heruntergefahren, da der Weingenuss im Koran verboten ist. Doch nach wie vor haben lokale Winzer produziert und dies mit großem Erfolg: im 12. Jahrhundert galten die Weine der balearischen Inseln als besonders ausgezeichnet und wurden von den Königshäusern aus ganz Europa konsumiert. Doch erst um 1860 herum machten die Inseln den Wein zu einer ihrer Haupteinnahmequellen. Denn eine Reblaus-Plage in Frankreich sorgte dafür, dass im Nachbarland die Produktion dramatisch geschwächt wurde. Daher konnte das Land der großen Nachfrage nicht mehr nachkommen und musste Wein aus den Nachbarländern Spanien und Italien importieren. Auch die Weine von den Balearen erlebten eine starke Nachfrage und daraufhin schufen die heimischen Winzer eine Anbaufläche von mehreren zehntausend Hektar. Zum Vergleich: Heute werden nicht einmal 3.000 Hektar für den Weinanbau bewirtschaftet. In dieser Zeit erlebte der balearische Weinanbau seine Blütezeit. Doch auch die Inseln waren vor einer Reblaus-Plage nicht gefeit und 1891 zerstörten die Schädlinge einen Großteil der Reb-Bestände. Nachdem das tückische Insekt beseitigt wurde, musste die Produktion Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden. Bis zum spanischen Bürgerkrieg erhöhten sich die Acker-Flächen wieder auf bis zu 8.000 Hektar. Doch später legte die Insel den Schwerpunkt auf andere landwirtschaftliche Tätigkeiten.

 

[widgetkit id=3] 

 

Die wichtigsten Anbaugebiete 

Die Inseln können zwei zertifizierte D.O.-Gebiete ihr Eigen nennen. Doch auch die Vinos de la Tierra haben eine hervorragende Qualität. Einige Winzer sind sogar der Meinung, die Landweine seien hochwertiger und leckerer als die Tropfen aus ausgezeichneten D.O.-Gebieten. Denn in diesen Regionen müssen strenge Kriterien eingehalten werden, die mitunter zu Beschwerden bei einigen traditionellen Winzern führen. Insgesamt konzentriert sich der Anbau weitestgehend auf die Hauptinsel Mallorca.

Binissalem-Mallorca

Seit 1991 gehört die Region um die Stadt Binissalem zu den zertifizierten Qualitäts-Weinanbaugebieten Spaniens. Die Region befindet sich im Zentrum der Insel und die Rebstöcke sind auf einer Höhe von 125 bis 300 Meter gepflanzt. Durch das ausgeglichene und sonnige Klima und die kühlen Mittelmeer-Winde kann sich die Region zuverlässig auf eine hochwertige Trauben-Ernte verlassen. Ein Großteil der Binissalem-Weine sind Vinos Jovenes. Wie im gesamten Insel-Archipel überwiegen auch hier die Rot- und Roséweine. Damit ein Rotwein als D.O. Binissalem Mallorca ausgewiesen werden darf, muss er zu mindestens 50 Prozent aus der Manto-Negro-Traube gekeltert werden.

Plà i Llevant

Erst 2001 ist mit Plà i Llevant eine zweite mallorquinische Region zertifiziert worden. Der Name bedeutet übersetzt Flachland und Küste des Westens von Mallorca. Die flach gelegene Weinregion bietet mit ihren ton- und kalkhaltigen Böden die perfekten Bedingungen für das Wachstum der Reben und eine hervorragende Qualität der Trauben. Daher sind auch die Weinsorten aus der Region sehr vielseitig.

 

 

Die häufigsten Rebsorten

Manto Negro

Die rote Traube ist die wichtigste Rebsorte auf Mallorca. Sie wächst vor allem in Binissalem, aber auch auf der restlichen Insel wird sie sehr häufig angebaut. Der daraus gekelterte Wein ist sehr leicht und wird meistens nur für eine kurze Zeit reifen gelassen.

Fogoneu

Die rote Rebsorte wird besonders häufig in Felanitx in der Region Plà i Llevant angebaut. Außerdem wird sie viel für die in Formentera hergestellten Vinos de la Tierra benutzt. Die Weine haben Ähnlichkeit mit den berühmten Rotweinen aus Beaujolais in Frankreich.

Monastrell

Die rote Traube ist die wichtigste Rebsorte Ibizas. Sie ist sehr ergiebig und aromatisch und bringt süße und aromatische Weine mit einem hohen Alkohol-Gehalt hervor.

Chardonnay

Die aromatische weiße Traube kommt ursprünglich aus Burgund, wird aber mittlerweile auf der ganzen Welt angebaut. Sie wächst schnell und zuverlässig und zeichnet sich außerdem durch einen feinen und aromatischen Geschmack aus.

 

 

Drei bekannte Weingüter

Auf allen Inseln gibt es herausragende Weingüter. Um die Vielfalt der Inseln herauszustellen wird hier daher jeweils ein bekannter Betrieb auf jeder der drei größten Inseln, Mallorca, Ibiza und Menorca vorgestellt.

Bodega Macìa Batle- Mallorca

Bereits seit 1856 stellt die Weinkellerei in Benissalem qualitativ hochwertige Weine her. Das Traditionsunternehmen zählt damit zu den ältesten Weingütern der Balearen. Das Gut hat Rot-, Weiß- und Roséweine im Angebot, pflanzt unterschiedliche Rebsorten an und ist bekannt für seine große Auswahl. Am bekanntesten ist es allerdings für die Rotweine der Kategorie Añado, die aus den regionalen, D.O.-zertifizierten Rebsorten Manto Negro, Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah gekeltert worden sind.

Bodega Sa Cova- Ibiza

Das Weingut Sa Cova und sein experimenteller Gründer Joan Bonet stehen für moderne und experimentelle Weine. Angefangen hat die Weinkelterei mit traditionellen Monastrell- Weinen, mit denen er immer weiter experimentiert und sie weiter entwickelt hat. Der bekannteste Wein ist der Rotwein Sa Cova Privat, der zu 60 Prozent aus Monastrell-Trauben und zu 40 Prozent aus Syrah-Trauben gekeltert wird.

Bodega Vinya Sa Cudia-Menorca

Das menorquinische Familienunternehmen Vinya Sa Cudia hat sich das Ziel gesetzt, gegen den Strom zu schwimmen, und entgegen des großen Rotwein-Trends ausschließlich Weißwein herzustellen. Dafür wird ausschließlich die Malvasía-Traube verwendet, die im Naturschutzgebiet S’Albufera auf Menorca angebaut wird. Das Unternehmen pflegt die Wein-Tradition von Menorca, alle Trauben werden von Hand geerntet und verlesen. Der bekannteste Wein ist der Hauswein Vinya Sa Cudia.

 

 

Daten und Fakten

Anbaufläche 2870 ha
Ertragszahlen 7.695.554 kg 
Weinertrag gesamt 43.327,66 hl
Anteil an Rot- und Weißwein
an der Gesamtanbaufläche

Rotwein 63%

Weißwein 47%

  (Stand 2014)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.