Italien – Wiege des Weinanbaus

0
1104

Italien ist eines der wenigen Länder der Welt, dessen Klima wie für den Weinbau geschaffen zu sein scheint. Sizilien wurde bereits um 1000 v. Chr. zum ersten Handelsstützpunkt der Griechen, von hier aus gelangte der Wein immer weiter Richtung Norden. Die Etrusker nutzten die heutige Toskana für den Anbau von Wein und als Hannibal Rom einnahm, war der Weinanbau im Süden des Landes weit fortgeschritten. In seiner Geschichte des Weinbaus hat Italien viele Misserfolge erlebt, aber in keinem anderen Land ging es in puncto Wein gleichzeitig so anarchistisch wie lebhaft zu. Heute präsentiert das Weinanbauland N° 1 einige der weltbesten Weine und besonders viele, überraschend modern avancierte Tropfen.


Weinanbauregionen in Italien

Italiens Weinanbauregionen erstrecken sich von Südtirol bis nach Sizilien. In allen 20 Regionen des Landes wachsen rote oder weiße Rebsorten und werden in einer großen Vielfalt ausgebaut. Wein ist in Italien von je her ein selbstverständlicher Begleiter des Alltags. Das sind die Anbauregionen und ihr typischer Wein:

Aosta-Tal, die kleinste Anbauregion, vorwiegend Nebbiolo, Petit Rouge, Pinot Grigio.

Piemont, in der Alpenregion zu Frankreich, vorwiegend Barbera, aber auch Nebbiolo, Barolo, Barbaresco, Gattinara, Ghemme.

Lombardei mit drei Regionen: Valtellina im Norden, Oltrepò Pavese und Franciacorta in der Provinz Brescia. Die Pinots und Chardonnays vom Iseo-See erlangten Weltruhm.

Venetien ist führend im Weinexport nach Deutschland (20 %). Von Verona bis zum Gardasee wird Soave und Valpolicella angebaut.

Südtirol/Trentino hat eine lange Tradition im Weinbau, auch im Export in die Nachbarländer. Burgundersorten wie Pinot Bianco, Pinot Grigio und Chardonnay sind sehr verbreitet.

Ligurien hat ein besonderes Klima durch geschützte Lagen und das Tyrrhenische Meer. Im Cinque Terre werden Weinreben in den steilsten Lagen für Vermentino, Pigato, Bosco und Sangiovese genutzt.

Friaul Julisch-Venetien an der Grenze zu Österreich und Slowenien. Vorwiegend heimische Weißweinreben wie Tocai Friulano, Ribolla Gialla oder die rote Rebsorte Tazzelenghe.

Emilia-Romagna, kontrastreiche Region mit Ebenen und Bergen. Der typische Wein ist der Lambrusco, in der Romagna ist der erste Weißwein, der Albana di Romangna zu Hause.

Die Region Marken liegt südlich von der Emilia-Romagna und östlich von der Toskana. Dass rein hügelige Land. Es wird bevorzugt Sangiovese, Montepulciano und der weiße Verdicchio angebaut, nun auch im Spaliersystem.

Toskana, hier ist hauptsächlich der Sangiovese zu Hause, auch in Form von Klonen. Der Sangiovese Grosso wird für den Brunelle di Montalcino verwendet.

Umbrien ist das grüne Herz von Italien. Aus dem Städtchen Torgiano kommt nicht nur der bekannte Orvieto, sondern auch Sangiovese, Canaiola und Gamay.

In den Abruzzen wird der Montepulciano d’Abruzzo, im Latium z. B. Trebbiano, im Molise auch Greco Bianco und in der Basilikata Aglianico del Vulture angebaut. In der Region Kampanien stehen die Sorten Piedirosso, Aglianico und in Kalabrien Gaglioppo, Nerello, Greco. Auf den Inseln Sizilien der Inzolia, Grillo, Cattarratto, Nerello Mascalese und Periccone und auf Sardinien unter anderem der Cannonau.

Die Geschichte des Weinanbaus

Italien gilt als das berühmteste aller Weinanbauländer, wer denkt nicht unwillkürlich daran, wenn die Rede von einem guten Wein ist? Italien kam aber ebenso auch ein wenig in Verruf, als die Italiener vor lauter Begeisterung über das Ziel hinausschossen und die Quantität vor die Qualität setzten. Das sah zunächst bei den Pionieren des Weinbaus ganz anders aus. Die Griechen brachten die Rebstöcke ins Land und die Römer bauten ihn mit steigendem Interesse aus. Zur damaligen Zeit war er gleichermaßen Statussymbol wie Medizin und wurde natürlich auch reichlich zu besonderen Festlichkeiten getrunken. Wein war den Römern so wichtig, dass sie ihm den Gott Bacco schützend zur Seite stellten. Die ihm zu Ehren stattfindenden Feste wurden jedoch wegen Maßlosigkeit verboten.

Das Mittelalter war eine allgemein finstere Zeit und hatte Auswirkungen auf den Weinanbau. Wären die Kirchen nicht daran interessiert gewesen, wäre er wahrscheinlich wieder in Vergessenheit geraten. Der Verbrauch bei den Kirchenmännern war hoch genug, dass ihn dies davor bewahrte. Zwischen 1500 und 1700 wurden Rebsorten, wie der Weißwein Albana oder der Montalcino angebaut. Schon 1716 erlässt Cosimo III dè Medici die erste Vorschrift für den Anbau von Chianti.

Im 19. Jahrhundert war es zunächst mit dem beschwingten Weinanbau vorbei. Die Reblaus (Viteus vitifoliae) wurde durch die zunehmende Wanderung von Völkern über die sogenannten Amerikaner Reben, die aus Amerika importiert wurden, eingeschleppt. Es traf im Jahre 1847 zunächst Frankreich, von dort aus breitete sich das Ungeziefer rasch in ganz Europa aus. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren nahezu alle Rebstöcke vernichtet. Daraus entstand ein großer wirtschaftlicher Schaden für jedes der Weinanbauländer. Durch den Anbau von Wein wurden in Europa bereits zur damaligen Zeit Existenzen gesichert. Diejenigen, die ihre Reben auf Sandboden angepflanzt hatten, wurden von der Reblaus-Katastrophe verschont. 1869 wurde deshalb von Gaston Bazille auf einer Tagung die Veredelung vorgeschlagen. Tatsächlich wurden nur wenige Länder von einem Reblaus-Befall verschont.

Rebsorten in Italien

Trotz des großen Weinsterbens und der damit verbundenen Veränderungen sind heute rund 1000 Rebsorten im gesamten Anbaugebiet Italien registriert. Davon sind ungefähr 400 zur Herstellung von Wein mit der Bezeichnung DOC (Denominazione di Origine Controllata) zugelassen oder werden dazu empfohlen. Darunter sind auch die nachstehenden, als zu den wichtigsten Sorten zählenden, vorhanden. Sie haben einen Anteil an der gesamten Weinproduktion in Italien (856.000 ha) in Höhe von:

Im Latium wird unter anderem die Trebbiano Rebsorte angebaut. Insgesamt wird die Trebbiano in Italien auf einer Anbaufläche von 130.000 ha = 11,6 % angebaut. Nicht nur die Stadt Rom ist hier ein Highlight, sondern auch die Böden für den Weinanbau. So stammt zum Beispiel auch der Frascati von hier.

Der Sangiovese nimmt eine Anbaufläche von rund 100.000 ha = 10,0 % ein und wächst auch in der Toskana. Diese gilt natürlich als die Traumregion, nicht nur was den Weinanbau angeht. Chianti ist der Wein aus der Sangiovese, der weltweit bekannt ist.

Barbera Reben wachsen auf 90.000 ha = 5,5 % der Anbauflächen in Italien und sehr gerne im Piemont. Aus ihr wird ein säurebetonter und körperreicher Wein hergestellt.

Montepulciano Rebsorten und die Stadt in der Toskana tragen den gleichen Namen. Der Wein wird auf 31.000 ha = 3,6 % angebaut und kann sowohl für Massenwein, wie auch für gute Tropfen verwendet werden.

Der Primitivo wächst in Apulien, südlich von Bari und insgesamt auf 17.000 ha = 2,0 %. Aus dieser Rebsorte werden alkoholreiche Weine hergestellt.

Von der gesamten Produktion haben ca. 14 % die Qualität DOC oder DOCG, alle anderen Weine erhalten den Status „Tafelwein“.

Die international bekannten und auch in anderen Ländern angebauten Rebsorten, wie beispielsweise Chardonnay und Merlot werden auch in Italien angebaut.

Die gesetzlich geregelten Qualitätsstandards

Im Zuge der Neupflanzung der Reben nach der Vernichtung im 18. Jahrhundert konzentrierten sich alle darauf, eine möglichst hohe Menge zu produzieren. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nachdem das Image durch schlechte Qualität geschädigt wurde, besannen sich die Weinproduzenten wieder darauf. Durch die Gesetze für die kontrollierte Ursprungsbezeichnung erhalten die Weine diese Qualitätsbezeichnung:

·         Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG), seit 1983 das ist die höchste Qualitätsstufe, sie hat zusätzlich zur vorherigen Stufe strenge Mengenbegrenzungen

·         Denominazione di Origine Controllata (DOC) beinhaltet seit 1963 Vorschriften zu den Grenzen der Anbaugebiete, den zugelassenen Rebsorten, der Art des Ausbaus des Weines und zum Zeitpunkt der Freigabe

·         Indicazione Geografica Tipica (IGT) 6, seit 1992 Kategorie für Regionalwein bzw. Landwein mit Anforderungen an Mindestalkoholgehalt und Hektarhöchstmenge. Das Etikett darf die Rebsorte, den Jahrgang und die Region anzeigen

·         Vino da Tavola (VdT) 7, für Tafelwein mit den wenigsten Ansprüchen an die Qualität. Auf dem Etikett stehen nur die Farbe, der Alkoholgehalt und das Herkunftsland, kein Jahrgang

Um sich noch einmal hervorzuheben, gingen die Italiener noch weiter und nahmen zusätzlich die gewünschte Farbe (colore), den Geschmack (odore) und die Mindestlagerzeit (invecchiamento minimo) in die Qualitätsstandards auf. Landwirtschaftsminister Giovanni Goria hat 1992 die geografische Herkunft zur Etikettierung hinzugenommen. Wein, der über 5 Jahre die gleiche Qualität aufweist, erhält den DOC-Status und nach weiteren 5 Jahren darf er sich DOCG-Wein nennen. Momentan gibt es 317 DOC Weine und 41 in D.O.C.G.-Qualität.

Bekannte Weingüterin Italien

Als eine der bedeutendsten Weingüter in Italien wird das Weingut Antinori bezeichnet. Das Weingut liegt in der Toskana und wird von Piero Antinori geführt. Er bewirtschaftet eine Größe von 2.000 Hektar und erzielt eine Jahresproduktion von 20.000.000 Flaschen. Die Wurzeln des Weingutes reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück, 1385 wurde die Familie Antinori Mitglied der Zunft der Winzer. Er baut unter anderem Sangiovese in Spitzenqualität an, der Chianti kann als Markenzeichen bezeichnet werden.

Das Weingut Marchesi de‘ Frescobaldi liefert bereits seit 700 Jahren Spitzenwein aus der Toskana und gehört damit nicht nur zu den besten der Region, sondern des ganzen Landes. Mittlerweile wird das Weingut in der 30. Generation geführt und verfügt über 5.000 Hektar Land, 1.200 Hektar davon werden für den Weinbau genutzt. Heute gehören ebenfalls mehrere Weingüter zum Besitz der Familie, die jährlich mehr als 10.000.000 Flaschen Wein produziert.

Angelo Gaja hat im Jahre 1969 das Weingut der Familie übernommen und noch im gleichen Jahr die Arbeiten revolutioniert. In den Weinanbaugebieten des Burgund und in Kalifornien hat er sich von neuen Techniken inspirieren lassen. Dank des besonderen Talentes kann er ehrwürdige Traditionen und moderne Technik zusammenführen. Er verwendet die schon seit 800 Jahren im Piemont angebaute Nebbiolo Rebsorte, sie ist der Hauptbestandteil seines Barbaresco und Barolo.

Daten und Fakten

Ertragszahlen Venetien: 8,18 Mio. hl, Emilia Romagna,
Apulien, Sizilien = zusammen 60% d.
Weinproduktion
Weinertrag gesamt in hl 60 Millionen hl
Weinexport in hl 24 Millionen hl
Anteil an Rot- und Weißwein
an Gesamtanbaufläche
55% Rotwein, 45% Weißwein
Wie viel % des Weines wird
im eigenen Land konsumiert?
48 Liter pro Kopf und Jahr
Welche Länder konsumieren
am meisten Wein aus Italien?
USA, Deutschland, GB
Breitengrad der Anbauregion 36°-50° je nach Anbauregion
Wetterbedingungen in Italien für den Wein Gebirge und Mittelmeer dominieren in
Italien die Landschaft. Die Alpen schützen
im Norden, innerhalb des Landes die
Apenninen bis nach Kalabrien. Auf der
Länge von 1200 km sind Weine aus
Hanglagen immer die besseren. Die fetten
Talböden werden nicht zum Weinanbau
genutzt

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.