Nelson – Neuseelands sonnige Weinregion

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Im Norden der Südinsel Neuseelands liegt Nelson. Viele Künstler und Kreative haben die Region zu ihrer Heimat gemacht. Kein Wunder: Dieser Teil des Landes ist landschaftlich reizvoll und besonders sonnig. Mit ihrer entspannten Atmosphäre locken die kleinen Ortschaften Urlauber und Einheimische gleichermaßen an. Außer für Sonnenschein und Kunst ist Nelson auch bekannt für hervorragendes Essen und edle Weine. Die Weinindustrie ist klein, die Weine aber von hoher Qualität. Nelson zählt 37 “Boutique Wineries”, so die englische Bezeichnung für kleine Weingüter. Klasse statt Masse lautet die Devise. In der Tat bringt die sonnenverwöhnte Region einige außerordentliche Tropfen hervor. 

Klein, aber fein: Von den 16 Regionen Neuseelands belegt Nelson im Größenvergleich lediglich den dreizehnten Platz. Unter den zehn Weinregionen des Landes liegt Nelson als achtgrößte ebenfalls weit hinten. Im Hinblick auf die Schönheit der Natur und die Qualität der Weine kann Nelson aber ohne Weiteres mit den größeren Landesteilen mithalten. Knapp 50.000 Einwohner zählt das Gebiet, dessen größte Stadt Nelson City ist. Geografisch besteht Nelson aus dem gesamten nordwestlichen Zipfel der Südinsel. Zur Region zählen verschiedene kleinere Orte und Distrikte, etwa die Golden Bay und Richmond. Drei Nationalparks, Abel Tasman, Nelson Lakes und Kahurangi, bieten diverse Freizeitmöglichkeiten, von Wandern bis Kajak fahren. Die abwechslungsreiche Landschaft setzt sich aus der Küstenlinie mit Buchten und Sandstränden, sanft geschwungenen Bergen und dichtem neuseeländischen Busch zusammen. Berge umschließen Nelson im Osten, Süden und Westen. Im Norden grenzt die Region an das Meer, genauer gesagt an die Tasmansee. Marlborough, die berühmteste Weinregion Neuseelands, liegt zwei Autostunden entfernt in östlicher Richtung, hinter einer Bergkette. 

 


 

Das Klima in Nelson

Die Berge, die sich in drei Himmelsrichtungen um Nelson herum erheben, fungieren als eine Art Schutzschild vor starken Winden. Im Winter reduzieren diese Berge das Frostrisiko, wobei Minustemperaturen dennoch hin und wieder vorkommen. Für eine konstante Brise sorgt die unmittelbare Nähe zum Meer. Ebenso prägend für das Klima sind die etwa 2.500 Sonnenstunden pro Jahr. Im Sommer erreicht das Thermometer bis zu 30 ˚C. Das Ergebnis all dieser Einflüsse ist ein moderates Mikroklima, das etwas milder ausfällt als in den anderen Teilen der Südinsel. Die durchschnittlich 970 Millimeter Niederschlag im Jahr konzentrieren sich vorwiegend auf die Wintermonate von Juni bis August. Doch auch in den Herbstmonaten zwischen März und Mai, der neuseeländischen Erntezeit, wirken sich starke Regenfälle manchmal negativ aus. Insgesamt zeichnet sich Nelson durch warme, klare Tage mit blauem Himmel und angenehm kühle Nächte aus. Schädlingsbefall und Krankheiten werden selten zum Problem. Für die Trauben in den Weinbergen bieten sich somit optimale Reifebedingungen. 

 

Lehm und Kies für vollmundige Weine

Die Böden der Region weisen einen hohen Lehmanteil auf und sind darüber hinaus vielerorts von Kies durchsetzt. Generell ist der Boden in Nelson sandig und locker. Schwemmlehm sorgt dafür, dass die Erde das Wasser lange halten kann, was sich günstig auf den Weinbau auswirkt. Nelson setzt sich aus zwei Anbaugebieten zusammen, nämlich den Hügeln der Moutere Hills und den Ebenen der Waimea Plains. Die grünen Moutere Hills ragen im Westen in die Höhe. Hier ist es wärmer, aber auch regnerischer als im Nachbargebiet. Der schwere Lehmboden ist ein Gemisch aus Ton und verwittertem Kiesel und hat seinen Ursprung in einem Fluss, der einst an dieser Stelle verlief. Die Bodenbeschaffenheit der Moutere Hills bringt kräftige, gehaltvolle und mineralische Weine hervor. Aus Trauben, die in den Weinbergen der Waimea Plains wachsen, entstehen dagegen leichte, fruchtbetonte, frische Weine. Dafür ist unter anderem die Zusammensetzung des Schwemmbodens verantwortlich, die in den Waimea-Ebenen einen hohen Steinanteil aufweist. Schon lange bevor hier Reben wuchsen, nutzten Neuseeländer die fruchtbaren Böden dieser Region für den Obstanbau. Auch heute stehen in Nelson zahlreiche Apfel- und andere Obstbäume. So wundert es nicht, dass einige Weine im Geschmack eine deutliche Apfelnote aufweisen, wie zum Beispiel der Apple Valley Riesling des Weinguts Greenhough. 

 

Aromatische Qualitätsweine

Weine aus Nelson sind intensiv mit ausgeprägten Merkmalen der jeweiligen Rebsorte. Die lokalen Bedingungen bringen überaus aromatische Weine hervor. Insbesondere Gewürzweine gedeihen prächtig und stellen eine Spezialität Nelsons dar. Die meist angebauten Rebsorten sind, in absteigender Reihenfolge, Sauvignon Blanc, Pinot Noir, Pinot Gris und Chardonnay. Dann folgen Riesling, Gewürztraminer und andere, teils seltene Sorten. Interessanterweise unterscheiden sich die Sauvignon Blancs dieser Weinregion deutlich von den Exemplaren des benachbarten Marlborough. Die Nelson-Version des “Savvy”, wie die Neuseeländer ihren berühmtesten Wein nennen, weist die typischen Geschmacksnoten tropischer Früchte auf, ist dabei aber wesentlich zurückhaltender. Stattdessen sind diese Savvys elegant und von feiner Struktur, aber dennoch spritzig und lebhaft. Zu den exotischen Nuancen gesellen sich frische Kräuteraromen.

Pinot Noir aus Nelson ist komplex und ausdrucksstark. Während die Waimea Plains leichte, beschwingte Rotweine hervorbringen, entstehen aus den Reben der Moutere Hills gehaltvollere, körperreiche Pinot Noirs. Unabhängig vom Standort des Weinbergs sind die Tannine ausgereift, fein und angenehm rund. Ebenso elegant wie der Pinot Noir präsentiert sich der Chardonnay. Nelson verfügt über einige herausragende Beispiele, die durch Komplexität und intensive Frucht bestechen. Die Gewürzweine, im Englischen Aromatics genannt, sind das Aushängeschild der Region und der ganze Stolz der Winzer. Pinot Gris, Riesling und Gewürztraminer aus Nelson sind charakterstark und dabei sowohl fein als auch reich im Geschmack. Restzucker und vorhandene Säure sind perfekt ausbalanciert. Liebhaber aromatischer Gewürzweine sollten unbedingt einen solchen Wein aus Nelson probieren. Eine weitere Spezialität der Region sind Süßweine, die nicht nur als Dessertwein oder zur Käseplatte ein Genuss sind. 

 

Eine junge Weinregion

Wie im Rest des Landes ist die Geschichte des Weinbaus in Nelson noch jung. Nachdem zunächst Weinberge auf der Nordinsel Neuseelands entstanden, waren es deutsche und andere europäische Siedler, die Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Reben in Nelson pflanzten. Davon zeugen bis heute die Namen der bekannten Weingüter Neudorf und Seifried. In den 1970er Jahren kam die Weinproduktion in Nelson zunehmend in Gang und wurde moderner und professioneller. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Gemessen an der verhältnismäßig kleinen Gesamtanbaufläche erhalten Weine aus Nelson regelmäßig überdurchschnittlich viele Auszeichnungen. Hier zählt Qualität statt Quantität. Ganz leicht hat es das kleine Nelson nicht, denn mit Marlborough liegt die größte Weinbauregion Neuseelands direkt nebenan. Mittlerweile kann sich die aufstrebende Region aber behaupten. Weinliebhaber, die ausgewiesene Qualitätsweine fernab der Massenproduktion oder einen etwas anderen Sauvignon Blanc suchen, werden in Nelson fündig.

 

Bekannte Weingüter in Nelson

Seifried ist sowohl der älteste als auch einer der größten Weinproduzenten der Region. 1973 begannen Hermann und Agnes Seiffried mit dem Weinanbau. Hermann Seifried war der erste ausgebildete Weinhersteller in Nelson. Heute baut Seifried in sechs Weinbergen zum Beispiel exzellenten Sauvignon Blanc, Riesling und Pinot Gris an. Neben bekannten Rebsorten bietet das Weingut mit dem Würzer auch eine Rarität, die weltweit auf nur 100 Hektar angebaut wird. Bekannt ist der Süßwein Sweet Agnes Riesling, der regelmäßig prämiert wird. 

Das Weingut Waimea vor den Toren des Örtchens Richmond trägt denselben Namen wie die Ebene, in der es liegt. Seit der Pflanzung der ersten Rebstöcke 1993 hat sich viel getan. Inzwischen zählt Waimea zu den größten Produzenten Nelsons. Auf über 140 Hektar wachsen die in der Region gut gedeihenden Rebsorten Sauvignon Blanc, Riesling, Chardonnay, Pinot Noir, Grauburgunder und Gewürztraminer. Auch in Neuseeland seltene Sorten, wie Viognier, Sauvignon Gris und Grüner Veltliner werden in kleinen Mengen produziert.

1978 riefen Tim und Judy Finn Neudorf Vineyard ins Leben. Damit ist Neudorf eines der ältesten Weingüter in Nelson. Die Winzerei liegt in Upper Moutere, wo einst deutsche Siedler ansässig waren. Weine von Neudorf genießen einen sehr guten Ruf. Der Chardonnay ist regelrecht zum Kultwein avanciert. Weitere Neudorf-Weine, die das Terroir und das Können der Winzer widerspiegeln sind Sauvignon Blanc, Riesling, Pinot Gris, Viognier und Pinot Noir.

 

 

Daten und Fakten

 

Anbaufläche  1.115 ha
Weinertrag gesamt 105.000 hl
Ertragszahlen 94 hl pro ha
Anteil an Weißweinen an Gesamtanbaufläche 20 %
Anteil an Rotweinen an Gesamtanbaufläche 80 %

 

                                                                    (ungefähre Angaben)

 

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