Neuseeland – Weinland am anderen Ende der Welt

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Das kleine Neuseeland ist ein einzigartiges Fleckchen Erde, das ebenso einzigartige Weine hervorbringt. So kontrastreich die Landschaft des in Nord- und Südinsel geteilten Landes, so unterschiedlich sind auch die Gegebenheiten für den Weinanbau. Auf einer Länge von 1.600 Kilometern befinden sich rund 700 Weingüter – vom subtropischen Norden bis in die gemäßigten Zonen des Südens. Das maritime Klima bringt intensive Sonneneinstrahlung am Tag, während das Meer konstant für kühle Nächte sorgt. Keines der Weingüter ist weiter als 120 Kilometer vom Ozean entfernt. Bereits 1819 begannen westliche Siedler im Norden des Landes mit der Anpflanzung von Rebstöcken, aber erst in den Achtzigerjahren des folgenden Jahrhunderts fanden neuseeländische Weine internationale Beachtung. Mittlerweile ist das Land für seine ausgezeichneten Tropfen weltweit bekannt

Die Weine Neuseelands sind exotisch und ausdrucksstark. Besonders bekannt und beliebt ist der Sauvignon Blanc, der das Land in den Fokus der Weinwelt gerückt hat. Bei den Rotweinen sticht der Pinot Noir, bei uns als Spätburgunder bekannt, hervor. Was Wein aus diesem Teil der Welt so speziell macht, sind die Bodenverhältnisse, das neuseeländische Klima und der Einfluss des Meeres. Diese Kombination verleiht den Weinen ihren unverwechselbaren Charakter. Die Folge der Gegebenheiten für den Weinanbau, insbesondere des tendenziell kühlen Klimas, ist eine lange Reifezeit. So erhalten die Trauben ausreichend Zeit, einen intensiven Geschmack zu entwickeln, während sie gleichzeitig ihre frische Säure bewahren. Das Resultat sind die für das Land typischen Weine.


Geschichte des neuseeländischen Weins

Als junges Land blickt Neuseeland auf eine vergleichsweise kurze Geschichte des Weinbaus zurück. Im Jahr 1819 wurde der Anbau von Wein, damals im Norden der Nordinsel, erstmals schriftlich erwähnt. Nach vereinzelten anfänglichen Versuchen begann die Geschichte des ambitionierten Weinanbaus erst um das Jahr 1836. Zur damaligen Kolonialzeit war es der Brite James Busby, der mit importierten Reben den Grundstein für die erfolgreiche Weinproduktion legte. Busby hatte die nötigen Kenntnisse in Frankreich erworben und war ein begeisterter Winzer. Seine Reben pflanzte er auf seinem Anwesen in Waitangi in der Bay of Islands, im Norden der Nordinsel. 1851 errichteten französische katholische Missionare das erste Weingut Neuseelands in der Hawke’s Bay. Es trägt den Namen Mission Estate und steht Besuchern bis heute offen. Neben Wein für kirchliche Messen produzierten die Missionare einfachen Tafelwein. 

Um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts brachten dalmatinische Einwanderer den Weinbau in die ländlichen Regionen Aucklands, die heute größte Stadt des Landes. Neben Portwein und Sherry erzeugten sie Tafelwein für den Eigenkonsum innerhalb ihrer Kommune. Der Genuss von Wein war in Neuseeland lange Zeit wenig verbreitet. Es gab sogar eine Periode der teilweisen Prohibition, während der der Weinverkauf in Restaurants untersagt war. Wenn die britischen Einwanderer Alkohol konsumierten, dann überwiegend Bier und Spirituosen. Das änderte sich ab den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Einen großen Einfluss hatte die Reisefreudigkeit der Neuseeländer. Auf Reisen nach Europa erlebten sie die europäische Weinkultur und adaptierten diese für ihr eigenes Land. In den Siebzigerjahren begann das Weingut Montana, in Marlborough auf der Südinsel, seine Weine nach Rebsorte und Jahrgang zu etikettieren, wie es im benachbarten Australien bereits üblich war. Neuseeländische Weine gewannen zunehmend an Qualität und bald erkannten Weinkritiker und -Konsumenten das Potenzial dieser Tropfen aus der Neuen Welt. Die Weinindustrie kam in Gang und die Anbauflächen wuchsen ebenso wie das lokale Interesse. Es kam zu einem regelrechten Boom, der jedoch schließlich in einer Überpflanzung von Rebsorten resultierte, die international bereits aus der Mode gekommen waren, allen voran Müller Thurgau. In den Achtzigerjahren bekamen die Winzer dieses Problem in den Griff und konzentrierten sich vermehrt auf den Anbau von Sauvignon Blanc und Chardonnay. Damit begann die Erfolgsgeschichte neuseeländischen Weins.

Anteile der wichtigsten Rebsorten an der Gesamtproduktion 

Mit Sauvignon Blanc als bedeutendster Rebsorte ist Neuseeland vornehmlich ein Weißweinland. Sauvignon Blancs machen etwa 70 Prozent der Gesamtproduktion aus. Mit deutlichem Abstand folgt der Pinot Noir, mit rund 8,5 Prozent Anteil an der Produktionsmenge. Auf Platz drei befindet sich mit dem Chardonnay wieder ein Weißwein, der circa 7 Prozent der gesamten Produktion ausmacht. Weitere nennenswerte Rebsorten sind Pinot Gris, Merlot, Riesling, Syrah/Shiraz, Gewürztraminer und Cabernet Sauvignon. Deren Anteile bewegen sich im einstelligen Prozentbereich und finden fast ausschließlich nationale Beachtung. 

Anbaugebiete im Überblick

Neuseeland beheimatet auf zwei Inseln zehn größere Weinregionen. In Northland, dem ältesten Weinbaugebiet Neuseelands, herrscht subtropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und vielen Sonnenstunden. Der Boden zeichnet sich durch einen hohen Lehmanteil aus. Dieses {tip Terroir::Sämtliche Gegebenheiten, die Einfluss auf den fertigen Wein haben, vom Boden und Klima über die Eigenheiten der Rebsorte bis zum Einwirken des Winzers. Der Begriff Terroir umfasst die Herkunft und Entstehung eines Weines.}Terroir{/tip} bringt tropische Weiß- und kräftige Rotweine hervor: Chardonnay, Pinot Gris, Syrah sowie Verschnitte aus Merlot- und Cabernettrauben. Die Region Auckland erstreckt sich über eine weite Fläche mit unterschiedlichen Gegebenheiten für den Weinbau. Allgemein ist das Klima dem Northlands ähnlich und der Boden ebenfalls stark lehmhaltig, in Auckland jedoch vulkanischen Ursprungs. Hier werden besonders intensive Rotweine, wie pfeffriger Syrah oder Bordeaux-Verschnitte sowie aromatische Weißweine angebaut. Südöstlich von Auckland bringt die kleine, aber fruchtbare Region Bay of Plenty mit ihrem moderaten Klima und der Nähe zum Meer vor allem Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Sauvignon Blanc hervor. Ganz im Osten der Nordinsel liegt das sonnige Gisborne – der drittgrößte Weinproduzent des Landes. Das dortige Terroir erzeugt ausgezeichneten Chardonnay und feine Gewürzweine, etwa Pinot Gris und Gewürztraminer. Ebenfalls an der Ostküste liegt die Hawke’s Bay, wo ein Großteil der neuseeländischen Rotweinproduktion stattfindet. Neben Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon finden auch die Chardonnays aus Hawke’s Bay Beachtung. Am südlichsten Zipfel der Nordinsel befindet sich das Anbaugebiet Wairarapa, wo Winzer in Orten wie Martinborough herausragenden Pinot Noir produzieren. 

Auf der Südinsel liegt mit Marlborough die bekannteste und größte Weinregion Neuseelands. Hier wird vor allem Sauvignon Blanc angebaut, das viel gelobte Aushängeschild der lokalen Weinproduktion. Nicht selten nennen Weinkritiker neuseeländischen Sauvignon Blanc als Maßstab für diese Rebsorte. Aromen von Passionsfrucht, Stachelbeere und Limette geben diesem Weißwein seinen individuellen Charakter. Das ebenfalls im Norden der Insel gelegene Anbaugebiet Nelson ist bedeutend kleiner. Die Region ist für ihre vielen Sonnenstunden bekannt und erzeugt neben Sauvignon Blanc auch Pinot Noir, Pinot Gris, Chardonnay und fruchtigen Riesling. Waipara mit seinem trockenen, kühlen Klima widmet sich vornehmlich dem Pinot Noir, aromatischem Riesling sowie weiteren Weißweinen, die allesamt mit Komplexität und ausgeprägten Aromen glänzen. Das wohl wichtigste Anbaugebiet für Pinot Noir ist Central Otago – das südlichste Weinbaugebiet der Welt. Weiche {tip Tannine::Im Wein enthaltene pflanzliche Gerbstoffe. Wichtiger Inhaltsstoff, insbesondere bei Rotweinen. Tannine stecken in den Häuten der Trauben sowie in manchen Holzfässern. Ausgewogene Tannine sind ein zentrales Qualitätsmerkmal. Abhängig von der Konzentration kann die Gerbsäure dem Wein einen leicht herben Geschmack und Komplexität verleihen oder ein unangenehmes pelziges Mundgefühl hinterlassen.}Tannine{/tip} und ein ausgeprägtes Kirscharoma zeichnen die hier produzierten Spätburgunder aus. 

Qualitätsstandards 

Allgemeine Güteklassen, wie sie bei europäischen Weinen zu finden sind, existieren in Neuseeland nicht. Die Weine werden nicht in Prädikate von Tafel- bis Qualitätswein eingeordnet. Ein eindeutiger Hinweis auf die Qualität findet sich auf dem Etikett somit meist nicht. Allerdings unterteilen einzelne Weingüter ihre Weine in Qualitätsstufen. Die Gesetzgebung gewährt im Bezug auf Weinanbau und -Herstellung allgemein viele Freiheiten. Es gibt jedoch auch verbindliche Regelungen: Weine, die eine Bezeichnung einer Rebsorte oder eines Herkunftsortes tragen, müssen zu 75 Prozent aus Trauben dieser Sorte beziehungsweise des entsprechenden Anbaugebiets bestehen. Im Allgemeinen ist die Qualität neuseeländischer Weine sehr hoch. Die Preise spiegeln das in der Regel wider – Weine aus Neuseeland haben ihren Preis, auch wenn der eine oder andere Sauvignon Blanc für kleines Geld im deutschen Supermarkt erhältlich ist. Dass selbst kostengünstige Tropfen meist von sehr guter Qualität sind, beweist, wie hoch der Standard ist.

Bekannte Weingüter

Das international renommierte Weingut Cloudy Bay ist maßgeblich an Neuseelands Erfolg als Weinland beteiligt. Mit Sitz in der Region Marlborough ist es in erster Linie für hervorragenden fruchtbetonten Sauvignon Blanc berühmt und hat dem Weinbaugebiet zu weltweiter Anerkennung verholfen. Darüber hinaus produziert das Weingut auch komplexe Chardonnays und fruchtige, vielschichtige Pinot Noirs.

Villa Maria ist einer der größten Weinproduzenten Neuseelands mit Weinbergen im ganzen Land. Den meisten Ertrag gewinnt das Unternehmen aus Reben in Auckland, Marlborough, Hawke’s Bay und Gisborne. Die Weine landen sowohl auf dem lokalen Markt als auch zu großen Teilen im Export. Zudem gehören weitere Marken, wie Esk Valley und Vidal, zu Villa Maria. Der Weinhersteller unterteilt seine Weine in vier Qualitätsstufen: Private Bin, Cellar Selection, Single Vineyard und Reserve. Villa Maria produziert sämtliche in Neuseeland gängigen Rebsorten. 

Das Weingut Saint Clair existiert seit 1994 in der Marlborough-Region. Die Weine des Familienunternehmens wurden von Beginn an mit Auszeichnungen überhäuft. Saint Clair klassifiziert seine Weine in vier Prädikate, nämlich Reserve, Premium, Pioneer Block und Vicar’s Choice. Angebaut werden alle in Neuseeland üblichen Rebsorten, wobei die Sauvignon Blancs besondere Erfolge verzeichnen. 

Daten und Fakten   

Anbaufläche ca. 35.000 ha
Ertragszahlen 9.154 l pro ha
Weinertrag gesamt 320,4 Millionen l
Wein Export 186,9 Millionen l
Anteil an Rotwein an Gesamtanbaufläche ca. 8.000 ha -ca. 23%
Anteil an Weißwein an Gesamtanbaufläche ca. 27..000 ha – ca. 77%
Kosum neuseeländischer Weine im
Herkunftsland pro Jahr
ca. 50,1 Millionen l gesamt,
durchschnittlich 11,2 l pro Kopf
Welche Länder konsumieren
am meisten Wein aus Neuseeland
Australien, USA,
Großbritannien
Breitengrade der Anbauregion 35°-46° südlicher Breite
Wetterbedingungen in
Neuseeland für den Wein
von subtropisch bis gemäßigt

 

Rebsorten und ihre Anbaugebiete 

Alle in Neuseeland üblichen Rebsorten werden in nahezu jeder Weinregion des Landes angebaut, allerdings in sehr unterschiedlichen Mengen. Die folgende Auflistung stellt die wichtigsten Regionen für die jeweilige Rebsorte vor.

Sauvignon Blanc Marlborough, Hawke’s Bay
Pinot Noir Marlborough, Central Otago, Wairarapa
Chardonnay Marlborough, Hawke’s Bay, Gisborne
Bordeaux-Verschnitte Auckland, Northland, Hawke’s Bay
Syrah Hawke’s Bay; Auckland; Northland
Riesling Marlborough, Waipara, Central Otago
Pinot gris Marlborough, Hawke’s Bay, Gisborne
Gewürztraminer Waipara, Marlborough, Nelson

 

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