Spanien

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Bei Spanien werden die Meisten vermutlich zuerst Sonne, Strand und Meer im Kopf haben. Doch das über 500.000 Quadratkilometer große Land hat nicht nur lange Küstenabschnitte zu bieten. Im Landesinneren finden sich die unterschiedlichsten Landschaften, von Gebirgen bis hin zu breiten und fruchtbaren Feldern. Diese unterschiedlichen klimatischen Bedingungen sorgen auch für eine vielseitige Weinproduktion. Der Anteil der produzierten Rot- und Weißweine ist fast ausgeglichen, auch wenn der rote Tropfen mit gut einem Prozent ein wenig weiter vorn liegt als der weiße. Theorien zu Folge habe die spanische Weindynastie ihren Anfang bereits vor etwa 3.000 Jahren in der Region Cádiz im Süden Andalusiens gehabt. Durch das dortige trockene und warme Klima fanden der Sherry und andere „vinos dulces“ (dt.:süße Weine) beste Bedingungen vor. Auch später hat der Sherry die spanischen „Bodegas“ (dt.: Weinerzeuger) nachhaltig beeinflusst. Heutzutage zählt das Land auf der iberischen Halbinsel von Katalonien und Galizien ganz im Norden bis hin zu Jerez im südlichen Andalusien mit 1.032.000 Hektar die größte Anbaufläche Weltweit. Jede Comunidad (vergleichbar mit den deutschen Bundesländern) züchtet ihre eigenen Rebsorten und stellt ihre eigenen unverwechselbaren lokalen Weinspezialitäten her.


 

Eine bewegte Geschichte

Im Allgemeinen wird vermutet, dass die Phönizier den Weinanbau in Spanien begonnen haben. In den Bergen in der Gegend zwischen dem heutigen Cádiz und Jerez de la Frontera soll dieses antike Volk schon vor ungefähr 3.000 Jahren Wein produziert und in ihre Besatzungsgebiete in Südeuropa und im Norden von Afrika exportiert haben. Nach ihrer Vertreibung haben die Römer die spanische Weinproduktion fortgesetzt. Mit dem Zerfall des römischen Reiches und dem Einmarsch der Araber ebbte die Weinproduktion ab, weil der Koran den Wein-Genuss verbietet. Trotz allem war der Anbau nach wie vor erlaubt. Doch erst mit der Rückeroberung durch die Christen erlebte die Produktion eine neue Blütezeit.

Ab dem 19. Jahrhundert haben spanische Winzer schließlich begonnen, Modernisierungen einzuführen und die Herstellung zu industrialisieren. Viele französische Techniken sind über die Grenze auch in Spanien bekannt gemacht und eingeführt worden. Doch dieses Wachstum der Wein-Industrie wurde durch den spanischen Bürgerkrieg und den zweiten Weltkrieg wieder zum Erliegen gebracht. Erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts kommt die Industrie wieder in Schwung und es werden neue Verfahren eingeführt, sodass Spanien in den letzten Jahrzehnten zu den wichtigsten Weinexporteuren der Welt aufgestiegen ist.

 

DOP oder IGP? Spanische Qualitätsbezeichnung

In Spanien gibt es im Allgemeinen drei Qualitätsstufen, die sich auf die Herkunft der verwendeten Trauben beziehen. Die Weine mit der geringsten Qualität werden als Vino de la Mesa (dt. Tischwein) bezeichnet. Dafür muss die Herkunft der Traube nicht angegeben werden.

Die nächst höhere Kategorie sind die Vinos de la Tierra (dt.: Weine vom Land), die vergleichbar mit dem französischen Vin de Pays ist und muss zu 85 Prozent aus genehmigten Rebsorten, die in bestimmten Herkunftsgebieten angebaut werden, gekeltert werden. Es werden nur Rebsorten zertifiziert, die aufgrund des geografischen Ursprungs bestimmte charakteristische Geschmacks- und Qualitäts-Kriterien erfüllen. Darüber hinaus muss der spanische Landwein auch in der angegebenen Region verarbeitet werden. Nur wenn diese Kriterien erfüllt werden, darf der Hersteller das Produkt als IGP auszeichnen. Diese Bezeichnung steht für indicación de origen protegida (dt.: Hinweis auf eine geschützte Region). Insgesamt gibt es 43 IGP-Regionen im Land.

Die spanischen Weine mit der höchsten Qualität werden mit der Abkürzung DOP oder häufig auch einfach mit DO gekennzeichnet. DOP steht für denominación de origen protejida (dt.: Benennung einer geschützten Region) und die Abkürzung DO steht für denominación de origen (Benennung einer Region). Die gekennzeichneten Sorten sind zu 100 % aus den zugelassenen, regionalen Trauben gekeltert. Es werden dafür nur Regionen zertifiziert, die den Trauben ideale geografische Bedingungen bieten und sich kulturell und traditionell mit dem Weinanbau befassen. Besonders herausragende Weine wie zum Beispiel Rioja werden sogar mit der Bezeichnung denominación de origen calificada (dt.: Benennung einer qualitativ hochwertigen Region) versehen. Von den 69 Regionen, deren Weine mit DO ausgezeichnet werden können, sind Rioja und Jerez die ältesten.

Doch nicht nur die Herkunft der Trauben wird auf dem Etikett angezeigt, sondern auch die Zeit, in der der Wein in Fässern gereift ist. Denn in Spanien gelten vor allem lange gereifte Sorten als Delikatesse.

Wenn ein Wein nur kurze Zeit in Fässern reift handelt es sich um einen Vino Joven (dt.: jungen Wein) oder einen Vino del Año (Wein des Jahres).

Ein Vino de Crianza hingegen muss mehrere Monate in Eichenfässern gelagert werden. Bei Rotwein ist eine Reifezeit von mindestens 24 Monaten vorgeschrieben, von denen der Wein mindestens sechs Monate in einem Holzfass gelagert werden muss. Rosé- und Weißweine hingegen müssen nur insgesamt 18 Monate reifen, von denen sechs in einem Eichenfass vorgeschrieben sind.

Rote Vinos de Reserva werden im dritten Jahr zum Verkauf freigegeben. Außerdem reifen sie mindestens zwölf Monate in einem Eichenfass. Für Rosé und Weißwein ist eine Reifezeit von 18 Monaten vorgeschrieben, von denen der Wein mindestens sechs Monate in einem Eichenfass reifen muss.

Die am längsten gereiften Weinsorten sind die Vinos de Gran Reserva. Rotweine müssen mindestens fünf Jahre in der Weinkellerei gelagert werden, währenddessen eine mindestens 18-monatige Lagerung in einem Eichenfass vorgeschrieben ist. Rosé und Weißwein müssen viereinhalb Jahre lang reifen, wobei ein halbes Jahr in einem Eichenfass vorgeschrieben ist. Diese lange gereiften Weinsorten gelten als die hochwertigsten Tropfen Spaniens.

Die Richtigkeit der auf dem Etikett angegebenen Angaben überprüft die Weinkommission des spanischen Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung regelmäßig.

 

Weinanbau von Nord nach Süd

Der Norden: Auch wenn in ganz Nordspanien Weine produziert werden, sind besonders die Tropfen aus La Rioja bekannt. Denn diese Weine gehören zu den qualitativ hochwertigsten Tropfen Europas. Das Gebiet ist Mitglied der Organisation „Great Wine Capitals“ und kommt im landesweiten Vergleich auf den fünften Platz der größten Weinerzeuger Spaniens. Besonders beliebt sind die „vinos tintos“, aber auch hervorragende Weißweine stammen aus der Region.

Eine weitere bekannte Weinregion im Norden des Landes ist Katalonien.  Die katalanische Kleinstadt Priorat ist mit Rioja die einzige Region Spaniens, die die begehrte Herkunftsbezeichnung Denominación de Origen Calificada trägt. Katalonien zeichnet sich aber vor allem durch seinen hervorragenden Cava aus, die in den letzten Jahrzehnten immer bedeutsamer geworden ist. Die internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) sieht in der Erzeugung von Schaumwein einen stetig wachsenden Markt. Allein von 2003 bis 2013 sei der Verkauf um etwa 10 Prozent gewachsen.

Zentralspanien: Mehr als die Hälfte aller spanischen Weine stammt aus der Mitte des Landes. Besonders die Stadt Valdepeñas ist für ihre hervorragenden Rot- und Weißweine berühmt.

Aber auch die Weintradition von Valencia reicht schon weit zurück und umfasst die unterschiedlichsten Sorten. Die Region ist besonders bekannt für ihre internationale Ausrichtung und hohen Exportzahlen. Darum sind einige valencianischen Spezialitäten in Spanien selbst eher unbekannt.

Der Süden: Sherry und Co. haben den Startschuss für die erfolgreiche spanische Wein-Industrie gegeben. Doch der Süden hat seine ehemalige Vormachtstellung schon lange aufgegeben. Heutzutage werden in Südspanien neben dem bekannten „Jerez-Xérès-Sherry“  auch viele weitere Weinbrände und süße Dessertweine hergestellt.

 

Drei bekannte Weingüter Spaniens

 „Bodegas“ (dt.: Weingüter) gibt es im Urlaubsland Spanien sprichwörtlich wie Sand am Meer. Es wird geschätzt, dass es im Land mehr als 4.000 Weingüter gibt. Die folgenden drei gehören zu den bekanntesten Erzeugern.

Marqués de Riscal- Elciego, La Rioja

Bereits seit 1858 werden in der Weinkellerei Marqués de Riscal hochwertige Weine hergestellt. Damit gehört das Weingut zu den ältesten im Land. Für die Produktion der hochwertigen Weine werden die Rebsorten Tempranillo, Graciano, Mazuelo und Cabernet Sauvignon genutzt. Der bekannteste Wein des Hauses ist die Gran Reserva 2004.

Protos – Peñafiel, Valladolid

Die Bodega Protos setzt ganz auf die Verbindung von Tradition und Moderne. So wird überwiegend von Hand geerntet und selektiert und alles in architektonisch wie technologisch modernsten Weinkellereien weiterverarbeitet. Es werden überwiegend Tempranillo-Trauben verarbeitet. Der laut Angaben des Guts „beste Wein seit Bestehen“ ist die Selección Finca Gran Viejo.

Bodega Portia – Burgos, Kastilien und Leon

Portia gehört im wahrsten Sinne des Wortes zu den Stars und Sternchen der Weingüter Spaniens. Denn die Anlage ist vom Architekten Norman Forster in Form eines Sternes gebaut worden. Doch der wichtigste Erfolg dieses Weingutes ist die hohe Qualität und die Effizienz der Produktion. Der bekannteste Wein von Portia ist der Portia Crianza, der aus der Tempranillo-Traube gewonnen wird.

 

Daten und Fakten 

Anbaufläche: 1.032.000 ha
Ertragszahlen:  
Weinertrag gesamt: 37.000.000 hl
Wein Export:  21.700.000 hl
Anteil Rot- und Weißwein 
an Gesamtanbaufläche:
51,1% Rotwein, 48,9% Weißwein undRosé
Wie viel % des Weines wird
im eigenen Land konsumiert?
41,35%
Welche Länder konsumieren 
am meisten Wein aus Spanien?
Deutschland, La Réunion
Breitengrad der Anbauregion: 31° – 43° nördlicher Breite
Wetterbedingungen in Spanien für den Wein:

Im Norden warme und sonnige Sommer, Kühle 
und nasse Winter, Mitte warme und trockene 
Sommer, kalte und trockene Winter, Süden
ganzjährig warm und trocken

 

Die häufigsten Rebsorten

Weiße Trauben

Airén ist mit einem Anteil von 23,5 Prozent am spanischen Gesamtertrag die am häufigsten angepflanzte Rebsorte. Sie wird besonders in der Umgebung von Madrid verarbeitet.

Pardina wird teilweise auch Arbillo genannt. Die Sorte wird in Galicien und in der Region Madrid angebaut. Die Pardina- oder Arbillo-Weine zeichnen sich durch einen milden Geschmack aus.

Macabeo-Rebstöcke finden sich in den Regionen Extremadura, Arragon, Katalonien und La Rioja. Die Traube wird meistens zu Cava verarbeitet.

Rote Trauben

Tempranillo ist mit einem Anteil von 20,9 Prozent die rote Rebsorte mit der größten Anbaufläche in Spanien. Sie wächst vor allem in Katalonien, La Rioja, Kastilien-Leon und Kastilien-La Mancha, Valladolid und Madrid.

Bobal nimmt mit einem Anteil von 7,5 Prozent des gesamten Traubenertrags den dritten Platz der häufigsten spanischen Rebsorten ein. Sie kommt überwiegend in den Regionen Valencia und Kastilien-La Mancha vor.

Garnacha tinta wird vor allem für sehr kräftige Weine verwendet. Sie wird in den Gegenden La Rioja, Katalonien, Arragon, Navarra und Kastilien-La Mancha kultiviert.

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