Transportabel, nachhaltig und chic – Dosenweine im Aufwärtstrend

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Ein anerkannter Sommelier verkostet genüsslich einen edlen Wein – aus einer Dose. Ein Bild, das für traditionelle und puristische Weinliebhaber befremdlich anmuten mag, standen doch viele von ihnen selbst dem Schraubverschluss lange Zeit skeptisch gegenüber. 
Doch der Wein aus der Dose erlebt derzeit einen echten Aufwärtstrend. 
Immer mehr Kellereien erkennen, dass neue Vermarktungsformen notwendig sind, um Wein auch für ein jüngeres Publikum attraktiver werden zu lassen. 
Denn die junge Generation ist „mehr an Komfort und Coolness interessiert, als an Dünkel – und öffnet damit die Tür zu alternativen Marketing- und Verpackungsmethoden“, so schildern die Branchenkenner Stuart Pigott und Paula Redes Sidore die aktuellen Entwicklungen in einem Fachartikel im Vorfeld der ProWein 2019. 

Nachhaltiger Lifestyle mit der Dose

Dosenweine stehen demnach für einen Lifestyle, der die Unkompliziertheit liebt und den Genuss im Hier und Jetzt sucht. Zudem gelten Dosen unter jungen Weinliebhabern als praktisch, weil gut dosierbar und chic, da sie optisch modern und ansprechend gestaltet werden können.
Das Verblüffende dabei: Dosen sind nicht nur praktisch, sie haben auch eine bessere CO2-Bilanz als Glasflaschen. Sie punkten unter umweltbewussten Weinfans also auch durch den Aspekt der Nachhaltigkeit. 

Von der „Billigplörre“ zum hippen Tropfen

Doch auch wenn der Marktanteil der Dosenweine stetig steigt, so kämpfen die edlen Tropfen aus der Metallbüchse dennoch mit einem schweren Erbe. Denn lange Zeit galten Dosenweine als „Billiplörre“, als minderwertiges Gesöff, das allenfalls aus Mangel an Alternativen konsumiert wurde. Ein Mantra, das sich hart ins Gedächtnis der Konsumenten eingeprägt hat, die Dosenwein nicht mit Genuss „al fresco“ in Verbindung bringen möchten. 

Doch es ist ausgerechnet das Bier und somit das vermeintlich rustikalere Getränk, das dem Wein den Weg bahnen kann. Dosenbier stößt heute auf eine breite und selbstverständliche Akzeptanz. Dafür musste es sich gegen weitaus weniger Widerstände verteidigen als der Wein aus der Dose. Möglich machte dies vor allem das Craft Beer, das die Ära der Aluminiumverpackungen einläutete und für eine neue Akzeptanz dieser Abfüllungsform in der Öffentlichkeit sorgte. 

Müde Weinstereotypen auf der Schippe

Die Renaissance der Dosenweine begann jedoch deutlich später als die der Dosenbiere. So war das Weingut Coppola (Halle 9, Stand A 06) das erste amerikanische Weingut, das 2003 mit dem Sofia Mini, Blanc de Blanc Sparkling einen Wein in der Aluminiumdose auf den Markt brachte. Die 187 ml große Weinportion, die mit Strohhalm verkauft wurde, zeigte sich als echter Verkaufsschlager, der eine große Bewegung in Gang brachte. 

Im Jahre 2005 zog die Union Wine Company aus Oregon (Halle 9, Stand D 08) nach und setzte dabei vor allem auf die leichtere Zugänglichkeit des Dosenweins. „Für die Dosen produzieren wir unseren Wein ebenfalls mit großer Kunstfertigkeit, aber ohne großes Aufheben“, so Gründer Ryan Harms. Dem leeren Zeremoniell und den müden Stereotypen, die den klassischen Flaschenwein umgeben, begegnet das Unternehmen mit Ironie. Heute gilt das Weingut als einer der Hauptinitiatoren, der Wein aus Dosen als Mainstream überhaupt erst ermöglichte.

Zum Trinken, nicht zum Lagern

Eine weitere Frage, der sich die Dosenweine stellen müssen, ist die des Geschmacks. Tatsächlich gilt es aus technischer Sicht noch Herausforderungen im Blick auf die Stabilität des Zuckers und die dafür notwendige Sterilisation zu lösen. 
Positive Nachrichten gibt es jedoch bereits von leichten, dezent süßen und spritzigen Weinen, also von klassischen Terrassenweinen, Aperitifs und „Sundowner“. Sie werden aus der Dose besonders gerne getrunken. Ebenso aktuelle Feinherb-Jahrgänge, die bevorzugt an Strand- und Uferpromenaden getrunken werden und überall dort, wo ein Glas einfach unpraktisch ist. 

In der Aluminiumdose finden diese Weine für ein bis zwei Jahre eine stabile Umgebung. Zusatzstoffe, wie z. B. Dimethyldicarbonat (alias E 242), die die Stabilität über einen längeren Zeitraum gewährleisten können, werden von der jungen Zielgruppe abgelehnt. 
Oder kurz gesagt: Dosenweine sollen nicht gelagert, sondern getrunken werden. 

Alles in die Dose?

Doch der Trend Dosenwein kennt auch klare Grenzen. So profitieren Rotweine von einem Mindestmaß an Oxidation, die beim Direktkonsum aus der anaeroben Atmosphäre einer Dose nicht gegeben ist, und einem gewissen Alter, das ebenfalls der Verpackungsform Dose entgegensteht. „Den gereiften Rioja sollten Sie sich für ein genussvolles Abendessen am Esstisch aufheben, für ein Picknick darf es aber ruhig mal frischer Weißwein, Rosé oder ein leichter junger Rotwein aus der Dose sein“, so fassen Paula Redes Sidore und Stuart Pigott die Chancen und Grenzen des Dosenweins zusammen. 

Sie betonen zudem auch die Bedeutung einer ansprechenden Aufmachung und plädieren dabei für extreme, launische und klare Motive, die den Charakter des Inhalts nach außen tragen. „Im Fall von Dosenwein übernimmt das Auge die Aufgabe der Nase“, so Sidore und Pigott. 

Demnach zeigt sich: Nicht der Trendwert der Verpackungsform gibt den Weg vor, sondern die Ansprüche des Inhaltes. Dosenwein ist dabei weder als Allheilmittel zu preisen noch als „Plörre“ zu verteufeln. Für süffige und leichte Weine scheint die Dose jedoch zunehmend mehr als Mittel der Wahl. 

Zitatquelle und weiterführende Informationen: https://www.prowein.de/cgi-bin/md_prowein/lib/pub/tt.cgi/FA_Nr._3_Yes_We_Can_Der_Aufstieg_des_Dosenweins.html?oid=35252&lang=1&ticket=g_u_e_s_t

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