USA

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Kaum ein Land hat sich in den letzten Jahrzehnten so rasant im Weinbau entwickelt, wie die USA. Geprägt von der Prohibition in den 20er Jahren und verwöhnt von der kalifornischen Sonne, haben sich interessante Weingüter mit exzellenten Weinsorten entwickelt. In den USA hat ein Winzer deutlich mehr Freiheiten als in Europa. Es gilt in den USA der Grundsatz „Es ist alles erlaubt, was nicht verboten wurde“, während in Europa der Grundsatz „Es ist ausschließlich erlaubt, was gesetzlich geregelt wurde“ gilt. Ein faszinierender Ansatz, um beeindruckende Weine hervorzubringen, die es so in Europa niemals geben würde! Bei dem berühmten „Paris Testing“ schlugen amerikanische Weine sogar die französische Konkurrenz, sehr zur Überraschung der anwesenden Juroren.


Das Land der unbegrenzten (Wein-)Möglichkeiten

Die ersten Schritte im Weinanbau in den USA übernahmen, Mitte des 16. Jahrhunderts, die Hugenotten. Sie legten in Florida die ersten Weingärten an. Es dauerte jedoch noch über 200 Jahre, bis der Weinanbau in den USA richtig Fahrt aufnehmen konnte. Zu verdanken ist dies einem mexikanischen Mönch, der im Jahr 1769 mexikanische Siedler ins heutige Kalifornien führte und den Weinbau voran trieb. Als schließlich der Goldrausch um 1850 herum in den USA ausbrach, kamen Immigranten aus allen Teilen der Welt, darunter Deutschland, England, Frankreich und Italien. Sie brachten, neben ihrer Goldgier, auch ihr Fachwissen im Weinbau mit. Gleichzeitig fanden die Immigranten die besten Bedingungen für den Weinanbau vor.

1869 wurde schließlich die Transkontinentale Bahnlinie fertig gestellt. Sie ermöglichte, dass die kalifornischen Winzer ihre Weine nun auch in den Osten von Amerika verbreiten konnten. Von dort aus gingen die Weine schließlich auch nach Europa. Die Tradition der amerikanischen Weine war geboren!

Einen schweren Schlag erhielt der Weinanbau in den USA mit dem Inkrafttreten der Prohibition im Jahr 1919. Viele Weingüter standen plötzlich still und mussten ihre Weingärten der nicht-alkoholischen Tafeltraube überlassen. Es gibt kaum kommerzielle Weingüter, welche die Zeit der Prohibition bis 1933 überlebten. Diejenigen, die es schafften, mussten sich anschließend durch die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg kämpfen. Zum Glück gibt es in Amerika mittlerweile wieder eine Vielzahl unterschiedlichster Weingüter, die sich wirtschaftlich und önologisch hervorragend aufgestellt haben.

In dem Film „Bottle Shock“ wird ein entscheidender, geschichtlicher Erfolg des amerikanischen Weinanbaus thematisiert. Im Jahr 1976 fand in Paris eine Weinprobe statt. Hierzu verkostete eine Jury aus elf Personen verschiedene Weinsorten blind. Bis zu diesem Zeitpunkt waren französische Weine das Non Plus Ultra der Weinwelt! Bei der Verkostung des später siegreichen Weißweins, betitelte der verkostende Juror den Wein als „Die Größe Frankreichs“. Dieser Cabernet stammte aus Kalifornien. Es war eine historische Revolution, als bekannt gegeben wurde, dass sowohl der Weißwein, als auch der Rotwein aus Amerika kamen. Das Ergebnis dieser Weinprobe brachte die Franzosen dazu, ihre Bräuche und Traditionen zu überdenken.

Die besonderen, klimatischen Bedingungen und der volle Geschmack der amerikanischen Trauben führen dazu, dass sich in den letzten Jahren immer mehr europäische Winzer an der amerikanischen Weinkultur beteiligen. Es gibt den Europäern außerdem die Möglichkeit, neue Methoden auszuprobieren und fernab der europäischen Standards zu produzieren.

 

Qualitätsstandards in Amerika – alles kann, nichts muss

Die Qualitätsstandards sind in Amerika gänzlich anders als in Europa. Europäische Winzer müssen ihren Anbau, die Rebsorten, die Pflege und die Ernte nach gesetzlichen Vorgaben durchführen. In den USA sind Winzer kaum an irgendwelche Vorgaben gebunden. Hier gilt der Grundsatz, dass zuerst einmal alles erlaubt ist, das nicht gesetzlich verboten ist. Ein Winzer kann daher selbst bestimmen, welche Rebsorte er auf seinem Land anbaut und welche für die jeweilige Region besonders geeignet ist. Er (oder sie) kann seine Pflanzen wässern und ernten, ganz so wann es ihm beliebt und er es für richtig hält.

Daher ist es kein Wunder, dass amerikanische Winzer hin und wieder interessante Kreationen hervorbringen, die mit europäischem Wein nicht mehr viel zu tun haben. Unter der Bezeichnung „Kunstwein“ werden Weine zusammengefasst, die in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt wurden. Mit den jeweiligen Einzelkomponenten werden schließlich die Kunstweine kreiert. Die Einfuhr von Kunstweinen ist seit dem 1. Januar 2006 auch in die Europäische Union gestattet.

Insgesamt ist die Weinindustrie in den USA sehr liberal eingestellt. Man hat keine Probleme damit, dem Wein Zuckerwasser, Säure oder Wasser zuzusetzen. Auch der Gebrauch von Chips, also Holzspänen, ist in den USA weit verbreiteter, als in Europa. Die Zugabe von künstliche Aroma- oder Farbstoffen ist jedoch nicht gestattet. In Kalifornien ist außerdem der Zusatz von Zucker während der Vergärung verboten. Auch in der Rebsortenpolitik ist man äußerst liberal eingestellt, selbst bei der Traubenproduktion gibt es keine gesetzlichen Begrenzungen der Menge.

Amerikanische Weine verfügen, im Gegensatz zu Weinen aus Europa, über keine Herkunftsbezeichnungen, die Aufschluss über die Qualität geben könnte. Die Weine aus Amerika werden lediglich mit dem AVA (American Viticultural Area) gekennzeichnet, sodass die Herkunft ersichtlich ist.

 

AVA (American Viticultural Area)

Seit 2003 ist die Kontrollbehörde Alcohol and Tobacco and Trade Burea (TTB) für die Vergabe und Kontrolle der AVA zuständig. Die AVA kennzeichnet die Herkunft eines Weines, wobei ein Weinberg auch durchaus zu verschiedenen AVA-Regionen gehören kann. Die AVA macht keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Ertragsmenge, einer Reberziehung oder den jeweiligen Rebsorten. Eine solche Regelung gibt es in den USA schlicht und ergreifend nicht.

Aktuell gibt es insgesamt 187 AVAs. Anhand der Anzahl im Bundestaat Kalifornien kann man bereits die Wichtigkeit des Sonnenstaats erkennen: Allein 97 AVAs sind hier zu finden. Die AVAs in Kalifornien wurden außerdem in sieben Unterregionen eingeteilt. Die größte AVA ist die Ohio River Valley AVA, die sich über insgesamt vier Bundesstaaten erstreckt und fast 67.300 km² umfasst. Im Gegensatz dazu ist die kleinste AVA die Cole Ranch AVA in Kalifornien, die gerade einmal 25 Hektar umfasst.

Sofern ein Wein das AVA-Etikett trägt, müssen auch mindestens 85 % der verarbeiteten Trauben aus dem jeweiligen Gebiet stammen.

 

Amerikanische Weine und die Verwässerung

Unter manchen Weinkennern wird gerne behauptet, dass amerikanische Weine verwässert würden. Die amerikanischen Bundesgesetze erlauben unter einigen Umständen, dass bis zu 35 % Wasser zugesetzt werden dürfen. Immer dann, wenn der Säuregehalt über 5 Gramm pro Liter beträgt. Der einzige Bundesstaat, in der dieser Wasserzusatz nicht erlaubt ist, ist Kalifornien. Hier darf maximal 1 % Wasser zugesetzt werden, um beispielsweise eine normale, önologische Klärung zu erreichen.

 

Bekannte Weingüter der USA

Château Montelena
Das Château Montelena ist das älteste Weingut im kalifornischen Napa Valley. Es umfasst insgesamt 254 Morgen Land und produziert Chardonnay, Zinfandel, Cabernet, Riesling und Sauvignon Blanc.

Beringer Wine Estate

Das Weingut Beringer wurde 1875 von dem deutschen Auswanderer Jakob Beringer in Kalifornien gegründet. Seitdem gehört Beringer zur festen Elite, wenn es um amerikanische Weine geht. Heute wird das Weingut von Laurie Hook geleitet. Das Weingut ist vor allem für seinen Zinfandel und Cabernet Sauvignon bekannt. Beringer ist das einzige Weingut, das die Auszeichnung „Wine of the year“ sowohl für einen Weiß- als auch einen Rotwein erhalten hat.

Weingut Rancho Zabaco

Ein weiteres, kalifornisches Highlight ist das Weingut Rancho Zabaco. Der Winzer Eric Cinnamon gehört zu den berühmtesten Winemaker der Welt. Besonders bekannt ist das Weingut Rancho Zabaco für seinen ausgesprochen guten Zinfandel-Wein.

 

Daten und Fakten

Anbaufläche in ha: 399.000
Ertragszahlen in hl/ha: 57,36
Weinertrag gesamt in HL: 57,36
Wein Export in HL
Anteil an Rot und Weißwein an der Gesamtanbaufläche
Wie viel % des Weines werden im eigenen Land konsumiert
Welche Länder konsumieren am meisten Wein aus diesem Land: USA
Wetterbedingungen im entsprechenden Land für den Wein: Von trocken bis feucht, je nach Region
Breitengrad der Anbauregion

 

Rebsorten der USA

In den USA werden folgende rote Rebsorten in den jeweiligen Regionen angebaut:

Alicante Bouschet → In Teilen Kaliforniens

Barbera → Kalifornien und das Central Valley
Carbernet Sauvignon → ganz USA
Cabernet Franc → Washington, Kalifornien und Long Island
Chancellor → New York und Michigan, zum Teil auch in Illinios und Nebraska
Gammay → Kalifornien

Grenache → Kalifornien

Merlot → Kalifornien und Washington

Pinot Noir → Kalifornien und Oregon

Rubired → Kalifornien

Sangiovese → Kalifornien

Shiraz / Syrah → Kalifornien und Washington

Zinfandel → Kalifornien

Darüber hinaus werden die folgenden weißen Rebsorten angebaut:

Chardonnay → Kalifornien

Chenin Blanc → Kalifornien

Gewürztraminer → Washington und Oregon

Riesling → New York, Kalifornien und Oregon

Sauvignon Blanc → Kalifornien

Sémillion → Washington

Vidal Blanc → New York

Viognier → Kalifornien

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