Wein aus dem Valle d’Aosta – wenig aber gut

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Wein aus dem Valle d’Aosta – wenig aber gut

Hoch im Nordwesten von Italien, mit Grenzen zur Schweiz und zu Frankreich, liegt das Aostatal. Das Valle d’Aosta, wie es auf italienisch genannt wird, ist mit rund 3.200 km² die flächenmäßig kleinste autonome Region im Land. Sie ist nicht wie die anderen Regionen in Provinzen unterteilt. Die hier lebenden Einwohner – es sind rund 129.000 – sprechen verschiedene Sprachen. Neben italienisch ist französisch eine Amtssprache, weil die Region zeitweise mit Frankreich vereint war. Der traditionelle frankoprovenzalische Dialekt (Patois) wird nur noch von einem kleinen Teil der Menschen im Aostatal gesprochen. Die kleinste Region in Italien hat fast den besten Wein, so einfach lässt es sich ausdrücken. Er hat jedenfalls mehr zum guten Ruf des italienischen Weins beigetragen, als alle anderen italienischen zusammen.


 

 

 

Boden und Klima und warum hier guter Wein wächst

In der Bergregion verschmelzen sich italienische (Piemont), französische und schweizerische Einflüsse, besonders im Bereich der Weinkultur. Bis 1860 gehörte das Aostatal zu Frankreich und war zu dieser Zeit besonders stark von bäuerlicher Bewirtschaftung geprägt. Viele wirtschaftliche Möglichkeiten haben die Menschen in der bergigen Region nicht, sie sind umringt von Matterhorn, Monte Rosa oder dem Mont Blanc. Der Gran Paradiso ist der älteste Nationalpark in Italien, er wurde 1922 gegründet. Viele Urlauber besuchen das Aostatal, um im Sommer wie im Winter Bergwanderungen zu unternehmen und dabei Gämsen, Steinadler und Murmeltiere zu beobachten.

Während in den niedrigeren Regionen Obstbäume und Gemüsepflanzen wachsen, liegen die Weinberge, die ihre Bezeichnung hier besonders verdienen, bis auf eine Höhe von 1200 Meter. Das macht die Arbeit für die Winzer teilweise extrem schwierig, bringt aber für den Wein äußerst gute Bedingungen. Steile Hänge und der Weinanbau inTerrassenform sind der Grund, warum nur rund 700 Hektar der Landfläche mit Rebstöcken bepflanzt sind.

Die terrestrischen Bedingungen sind kühle Temperaturen, karge Böden und ein langer Herbst. Aber es sind die besten Voraussetzungen, um Wein in erstklassiger Qualität anzubauen. Die schützenden Berge der Alpen mildern die auch hier heiße Sommersonne. Die an vielen Tagen und vor allem in den Nächten abgekühlten Temperaturen sorgen dafür, dass der Wein komplex wird und eine angenehme Säure behalten kann.

 

 

Etwas (Wein) Geschichte zum Aostatal

Die Römer, die 25 vor Christus die Region eroberten, erkannten schnell die Vorzüge des Klimas für den Anbau von Wein und brachten flugs ihre Weinreben mit. Eigentlich lebten die Kelten in der Region, sie wurden jedoch von den Römern verdrängt. Sie ließen sich nieder und gründeten dann die Stadt Augusta Praetoria, die heutige Hauptstadt Aosta.

Aber auch die Römer mussten weichen, denn die Burgunder, Ostgoten, Langobarden und Franken nahmen das Aostatal schrittweise unter ihre Herrschaft. Schon im 11. Jahrhundert gehörte es zum Hause Savoyen, unterbrochen durch die französische Herrschaft 1691, von 1704-1706, während des Spanischen Erbfolgekrieges, 1798-1814 sowie durch Napoleon. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Aostatal als eine von fünf Regionen den Sonderstatus. Dieser sieht unter anderem den Schutz der kulturellen und sprachlichen Minderheit vor, in einigen Ortschaften wird sogar eine deutsche Mundart gesprochen.

 

 

Rebsorten, traditionelle Weinherstellung, geschützte Bezeichnungen der Region,

Die über Jahrhunderte anhaltende wirtschaftliche Blütezeit hat dafür gesorgt, dass die Weinproduktion im Aostatal von unabhängigen Weingütern durchgeführt wird. Seit Generationen ist die Weinbaubranche äußerst wettbewerbsfähig und kann deshalb das umfangreiche Potenzial, das die Natur bietet, nutzen. Auch wenn der Anbau durch die Lagen mühsam und schwierig ist, können wenige, aber gute Weine produziert werden. Im Aostatal werden bevorzugt autochthone Rebsorten angebaut, diese haben sich im Laufe der langen Zeit an das Klima und den Boden angepasst und wachsen somit auf heimatlichem Boden. Zu diesen Sorten zählen zum Beispiel:

®     Bonda, Cornalin d’Aosta, Fumin, Freisa, Mayolet, Petite Rouge, Roussin, Vuillermin

Die gesamte Weinanbauregion Aostatal – Valle d’Aosta – ist seit 1971 ein DOC 1 Anbaugebiet. In rund 40 Gemeinden wird Weinbau betrieben. Aber es gibt zusätzlich 7 Bereiche, die als eigene DOC gelten:

®     Arnad-Montjovet, Chambave, Donnas, Enfer d’Avier, Morgex-La Salle, Nus und Torrette.

Für die gesamte Region ist der Ausbau von Weißwein, Rotwein und Roséwein erlaubt. Die Mischung kann frei gewählt werden, solange sie aus zugelassenen Rebsorten besteht. Reinsortiger Wein muss zu 90 % aus einer zugelassenen Rebsorte hergestellt werden und darf nur 10 % der gleichen Farbe einer anderen Sorte enthalten.

Grundsätzlich wird der Wein im Aostatal trocken ausgebaut. Wenn der Winzer ihn für Monate bis Jahre in einem Holzfass gelagert hat, kann er ihn unter zusätzlichen Auflagen als Superiore 2 anbieten. Seit der Einführung der DOC ist die Menge des produzierten Weins zurückgegangen, die Qualität hat sich dafür jedoch stark verbessert. Es werden nicht ausschließlich die autochthonen Rebsorten angebaut, sondern auch einige internationale wie der Chardonnay, Pinot Noir oder Gamay. Auch Rebsorten, wie sie im Piemont vorkommen (Dolcetto, Freisa, Nebbiolo) werden zu Wein verarbeitet. Am häufigsten ist jedoch die Petit Rouge im Anbau, die gleichzeitig auch die Hochwertigste ist. Sie ist die Basis für die drei wichtigsten und bekanntesten Rotweine aus dem Aostatal, dem Enfer d’Arvier, Torette und Chambave Rouge. Sie werden gerne mit Dolcetto, Gamay und Pinot Noir verschnitten. Aus der roten Rebe Vien de Nus wird ein leichter und alkoholarmer Wein hergestellt. Er muss länger auf der Flasche reifen.

 

 

Bekannte Weingüter

Zu den bekanntesten Weingütern im Aostatal zählt der Winzer Les Crêtes, dessen Weingut in Aymavilles liegt und von den französischen, schweizerischen und italienischen Alpen umrahmt ist. Zwei Jahrhunderte Tradition im Weinbau sorgen für einen Platz in der Weinelite. Der heutige Besitzer ist Constantino Charrère, er ist außerdem Präsident des „Verbandes Unabhängiger Winzer Italiens“. Rund 230.000 Flaschen verlassen jährlich die Kellerei, Wein aus 25 Hektar konventionellem Anbau.

Ein weiteres bekanntes, aber kleines Weingut ist Maison Anselmet in Villeneuve. Hier werden 5 Hektar Weinberg bewirtschaftet und vor allem ein hervorragender Chardonnay hergestellt. Außerdem kommen von diesem kleinen, aber feinen Weingut ein im Eichenfass gelagerter Pinot Noir, Syrah und einige rote Cuvées.

Das Weingut Grosjean unter der Leitung von Winzer Frères Grosjean ist in Quart im Aostatal ansässig. Hier wird auf 7 Hektar erstklassiger Wein angebaut, vor allem die sortenreinen Gamay, Fumin und Petite Arvine. Aber auch einige im Barrique gereifte Pinot Noirs sind im Weinangebot von Frères vorhanden.

 

Daten und Fakten zur Weinanbauregion Aostatal

Anbaufläche  550 ha
Gesamtproduktion im Jahr 2,20 Mio l
Anteil Rot- und Roséweinen 1,40 Mio l
Anteil Weißwein 0,80 Mio l
Anteil  am Weinbau Italien 0,05 %
Größe Aostatal 3.262 km²
Einwohner  ca. 129.000

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