Türkei

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Weinanbau seit 7000 Jahren in der Türkei

Der persische Raum ist die historische Ursprungsregion für die Weingewinnung.
Archäologisch erwiesen scheint, dass im Raum der Türkei, in Anatolien, seit ca. 7000 Jahren Weinreben angebaut werden. Die Kultur der Kelterei von Wein wird, laut Sagen, auf Noah vermutlich vor über 4500 Jahren zurückgeführt, der nach der Sintflut am Berg Ararat in der Türkei seinen Fuß an Land setzte und seinen Werdegang als Weinbauer fortsetzte. Weite Teile der Türkei sind für den Traubenanbau bestens geeignet und somit zählt die Türkei zu den größten Produzenten von Tafeltrauben und Sultaninen.

 


 

Der Status vom Wein in der Türkei

Das Kulturgut Wein ist in der Türkei wie in anderen muslimisch dominierten Ländern sehr von der aktuellen Politik oder Religionsausübung geprägt. Die Türkei kann sich dennoch als eine Region bezeichnen, in der die Weinherstellung ihre Kindheitstage verbrachte. Nach der Islamisierung der Türkei war es von 1300 bis 1920 in der osmanischen Periode nur den Armeniern, Griechen und Juden gestattet, Wein zu keltern und zu verzehren. Auch heute werden nur 2 bis 3% der Trauben zu Wein verarbeitet wobei die Türken pro Kopf nicht einmal einen Liter pro Jahr an Wein verzehren. Selbst diese Zahlen verdankt die Türkei vermutlich zum Großteil den Touristengebieten. Wird unter Türken Alkohol getrunken, dann in der Regel Raki, der einen Anteil am türkischen Alkoholmarkt von ca. 70% hat und aus getrockneten Weintrauben hergestellt wird.

Wenn türkische Winzer über ihre Situation berichten, dann werden Geschichten erzählt, wie Polizeieinheiten unangekündigt den Betrieb heimsuchen und den Winzern ins Gewissen reden, keine Trauben zu Wein zu keltern. Wird bedacht, dass die Türkei nicht einmal ein Land mit rabiater Ausübung der islamischen Religion ist, stimmen diese Geschichten nachdenklich. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Türkei einen sehr westlichen Landstrich neben einer großen eher urtypischen Region aufweist. Technischer Rückstand und mangelnde Kaufkraft sollten jedoch nicht mit fehlender Kultur gleichgesetzt werden. Jedoch leben die Türken in wenigstens zwei Welten. Die eine schlummert den Schlaf der Jahrhunderte und die andere sucht Anschluss an die EU und westliche Konsum- und Leistungswelt. Auch wenn die Türken den Alkohol nicht komplett ablehnen, so mögen sie den Wein nicht sonderlich. Sie versorgen jedoch Touristengebiete und aufgrund der Kaufkraft der vielen Reisenden und deren hohen Ansprüchen erleben türkische Weine eine Renaissance und machen derzeit einen qualitativen Sprung nach oben.

 

Weinbaugebiete der Türkei

In der Türkei finden sich große Gebiete die sich hervorragend für Weinanbau eignen. Praktisch nur im Nordosten werden keine Reben für  kommerziellen Wein angebaut. Im Westen finden sich Weinbaugebiete von Nord nach Süd mit Thrakien, Marmaris, Ägäis und dann dem Streifen zum Mittelmehr. Die Region Mittelanatolien liegt in der zentralen Türkei, nördlich darüber findet sich die Schwarzmeer Region. Nun fehlt nur noch im Südosten Ostanatolien. In Thrakien und Marmaris finden sich bereits 40% der Weinproduktion.
Am Mittelmeer und am Schwarzen Meer fallen durch das Seeklima die Winter und Sommer etwas milder aus, wohingegen in Ostanatolien Temperaturen von -20° Celsius im Winter normal sind. Dass es in der Türkei im Winter friert, wäre nicht untypisch aber im Sommer zeichnen sich regelmäßig Temperaturen über 40° Celsius ab, die dem Wein den gewünschten Fruchtzucker geben. Die Niederschläge belaufen sich je nach Region mit rund 400 bis über 800 mm pro Jahr etwas niedriger als für deutsche Verhältnisse.

 

Bekannte Weingüter

In der Türkei finden sich im Jahr 2014 ca. 100 türkische Weinbaubetriebe, die kommerziell Wein produzieren. In den vorhergehenden Jahren zeichnet sich ein signifikanter Qualitätssprung ab, der durch große Keltereien ausgelöst wird. Dank stärkerer Nachfrage etablieren sich weitere kleinere Winzer. Vor Jahren betrug die Zahl aller kommerziellen Winzer noch nicht rund 100. Für die großen kommerziellen Keltereien treten häufig weite Transportwege von den Berghängen bis zur Mosterei auf. Kühltransporte sind günstiger, als an jedem Berghang eine eigene Kelterei zu errichten.

 

Kavaklidere aus Ankara

Mit einer Produktion von ca. 17 Millionen Flaschen im Jahr ist Kavaklidere die größte Kelterei der Türkei. Nur rund 20% wird für den Export produziert, der Rest dient der inländischen Versorgung. Hier zeichnen sich vor allem die Touristenregionen mit einem hohen Bedarf ab, der gedeckt werden soll. Empfehlenswerte Weine wären die Selection sowie die Egeo Reihe. Der Betrieb mit mehreren Standorten wurde 1929 von Cenap And gegründet.

 

Doluca aus Tekirdag

Gegründet wurde Doluca als eines der ältesten Weingüter der Türkei durch Nihat A. Kutman im Jahr 1926. Wurden erst nur regionale Rebsorten angebaut, so begann später der Import international gefragter Reben wie dem Riesling und Semillon. Im Jahr 2004 wurden 13 Millionen Flaschen Wein produziert.

 

Pamukkaleaus Güney

Weit abgeschlagen mit nur rund 2,5 Millionen Flaschen im Jahr ist der etablierte Weinproduzent Pamukkale auf Platz 3 in der Türkei. Gegründet wurde das Weingut bereits 1962, der Exportanteil beträgt mit 25% mehr als bei anderen Winzern. Außerhalb der Türkei wird der Weinkenner auf Trio oder Anfora von Pamukkale stoßen wobei ein Augenmerk auf die Rose Weine zu legen wäre.

 

Daten und Fakten für Rebanbau in der Türkei:

Anbaufläche ca. 521.000 ha
davon ca. 13.000 für Wein (2007)
Ertragszahlen Abhängig zur Lage und Art
der Bewirtschaftung
Weinertrag gesamt 231.000 hl (2007)
Wein Export ca 25.000 hl (2011)
Anteil an Rot- und Weißwein
in der Gesamtanbaufläche
ca. 9.000 rote Reben,
ca. 4.000 weiße Reben
Wie viel % des Weines
werden in der Türkei konsumiert?
ca. 60 – 70% (2011)
Breitengrade der Anbauregion 36° – 42° nördlicher Breite
Wetterbedingungen in der Türkei für den Wein Dank Sonne und Berge wächste
der Wein gut, da die Niederschläge
noch genügen.

Anmerkung: Die Zahlen über produzierte und exportierte Weinmengen schwanken stark und sind zudem Schätzungen.

 

Rebsorten:

Heimische ursprüngliche sowie nicht durch gezielte menschliche Zucht entstandene Rebsorten werden als autochthone Rebsorten (001) bezeichnet, sie kommen jedoch auch an anderen Orten vor, wenn sie denn eingebürgert werden. Es wird geschätzt, dass es über 800 autochthone Rebsorten (001) in der Türkei gibt, die anderswo nicht zu finden sind. Viele dieser Sorten sind hierbei nicht einmal in der Türkei amtlich erfasst. Industriell werden allein 110.000 ha Sultana angebaut, von denen jedoch nur ca. 1750 ha für die Weißwein- Gewinnung genutzt werden. Deswegen werden hier einige der weiteren typischen Rebsorten aufgezählt:

Weitere weiße Rebsorten:

Narice ca. 750 ha
Emir knapp 70 ha
Semilon ca. 550 ha
Sauvignon Blanc ca. 150 ha
Chardonnay ca. 150 ha
Muscat Blanc ca. 110 ha

 

Rote Rebsorten:

Ökuzgözü ca. 1500 ha
Syrah ca 1400 ha
Boganzkere ca. 1100 ha
Dimrit ca. 850 ha
Kalecik Karasi ca. 850 ha
Calkarasi ca. 600 ha
Cinsaut ca. 500 ha

(Zahlen aus dem Jahr 2010.)

 

Weinqualitäten in der Türkei

Verglichen mit Frankreich, Spanien, Italien, Portugal oder auch Deutschland und Österreich ist die Türkei im Punkt der Weinerzeugung ein Entwicklungsland. Möglicherweise tritt dieses Entwicklungsland gerade jetzt in eine lange anhaltende Boomphase ein. Zum jetzigen Zeitpunkt steigt die Qualität türkischer Weine deutlich, aber es finden sich noch nicht international etablierte Qualitätsstufen. Es bilden sich jedoch derzeit Erzeugergemeinschaften. Unter www.winesofturkey.org findet sich „Wines of Turkey“, die sich auf immer mehr Weinmessen präsentieren. Hier  sind die größten und namhaftesten Keltereien vertreten. Setzt sich diese Entwicklung fort, ist es nur noch eine Frage von einigen Jahren, bis sich türkische Qualitätsstandards etablieren werden. Wird bedacht, dass die Türkei das viertgrößte Land für Rebanbau ist aber davon nur 2 bis 3 % für Wein verarbeitet werden, dann können eben keine französischen Verhältnisse erwartet werden. Die Weinkultur der Türkei, die eher für die Touristen und den Export aufblüht, ist jedoch auf einen sehr guten Weg.

 

Gefragte und bekannte türkische Weine sind z.B.:

Rotweine:
Buzbag
Villa Neva
Yakut

Weißweine:
Cankaya
Thrakya
Villa Doluca

Die Zukunft des Weines in der Türkei

Aus historischer Sicht zeichnet sich die Türkei als eines der Länder ab, in dem zwar seit rund 7000 Jahren Weinreben kultiviert angebaut werden und das Keltern von Wein vermutlich seit weit über 3500 Jahren bekannt ist. Es finden sich sogar Ausgrabungen von ca. 7000 v. Chr. die eine Weinkelterung oder Vorstufen dazu nahe legen. Vermutlich wurden die meisten Pflanzen erst genutzt und dann folgend für die weitere Nutzung selber angebaut. Jedoch hat es neben den belegbaren kulturellen Einflüssen vermutlich viele Phasen gegeben, in denen die Weintrauben eben nicht zu Wein verarbeitet wurden, zumindest nicht für muslimische Bürger.

In der Antike waren Regionen in der Türkei für die Weinherstellung und somit den Export sehr gefragt und türkischer Wein wurde teuer gehandelt. Aber spätestens mit der Islamisierung der ganzen Region kommt es immer sehr auf die politische Situation und die Form der religiösen Auslebung des Islams an, ob die Türkei als Weinland überhaupt von Bedeutung ist. Nachdem die Türkei ganze Regionen an Griechenland abgeben musste und die Griechen reihenweise auswanderten, erlag die Weinkultur der Türkei. In der gesamten osmanischen Periode von 1300 bis 1920 lag die Weinkelterung und der Weingenuss eben nicht in muslimischen Händen.

Atatürk konnte als der erste Präsident der neuen Republik das Ruder an sich reißen und als Weinliebhaber machte er ab 1925 den Weg frei, damit auch Muslime Wein keltern und verkosten können ohne einen erheblichen Gesichtsverlust zu erleiden.

Unter Erdokan möchten die Türken den Anschluss an die EU und westliche Konsum- und Leistungswelt finden, um ebenfalls zu einem wirtschaftlich starken Mitspieler in den globalen Märkten zu werden. Jedoch ist auch diese Regierung der türkischen Gegenwart den Winzern und Weinkeltern nicht wohlgesonnen. Die Türkei befindet sich in einem Drahtseilakt der Verwestlichung und der Besinnung zu den historischen islamischen Werten. Eben diese untersagen den Alkoholkonsum. Die Türkei untersagt diesen nicht, aber als Nationalgetränk gilt der Raki wohingegen Wein das Getränk christlicher Gottesdienste ist. Somit leidet türkischer Wein in den letzten Jahren unter mehreren Steueranpassungen, wodurch selbst in der Türkei eine Flasche Wein kaum für unter 6 Euro zu haben ist. Der weitere Erfolg türkischer Keltereien ist politisch und religiös nicht erwünscht, was diesen jedoch vermutlich nicht aufhalten sondern nur bremsen wird.

Mit einem pro Kopf Verbrauch von unter einem Liter Wein im Vergleich zu 50 bis 60 Liter EU Durchschnitt ist Wein nicht das Getränk der Türken aber es ist das Getränk vieler Touristen und für deren Bedürfnisse und Zufriedenheit werden von offiziellen Seiten die Augen nicht nur in der Türkei in den Touristenregionen wenigstens halb geschlossen. Deswegen modernisieren finanzstarke Winzer ihre Keltereien und als Ergebnis der Entwicklungen sind türkische Weine in der Qualität eindeutig nach oben gesprungen und finden internationale Beachtung und gewinnen hunderte Preise. Hier gibt es jedoch weiterhin viel Potenzial nach oben. Aber inwieweit den aufstrebenden Winzern ein Strich durch die Rechnung gemacht wird kann derzeit nicht erahnt werden. In jedem Fall sind Türkische Weine eine Empfehlung: Der Boden, die vielen Hanglagen und vor allem die satte Sonne können den Weinreben viel geben wobei es zudem viele Rebsorten mit ihren jeweiligen Eigenarten nur in der Türkei gibt.

 

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