Weinbau in Australien

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Der Weinanbau in Australien ist noch verhältnismäßig jung, hat sich aber in inzwischen mit hochwertigen und vielfach prämierten Weinsorten etabliert.

Die hoch qualifizierten australischen Weinbauern haben vor allem anspruchsvolle Rebsorten europäischer Weine kultiviert und sich dabei auf Klassiker wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Shiraz oder Riesling konzentriert. Die Qualität der australischen Weine hält gut mit der italienischer und französischer Weine mit. Die edlen Tropfen bestechen mit würziger Note und einem einzigartigen opulenten Körper. Mit ihrer großen Fruchtfülle gehören sie zu den Premium-Weinen weltweit. In den kühleren Anbaugebieten wurden neue Rotweine kultiviert, die sehr leicht sind und sich durch Eleganz auszeichnen.

Der australische Weinbau profitiert von den vielfältigen Bodenverhältnissen und den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen des Landes. In den verschiedenen Weinlagen bieten sich hervorragende Bedingungen für wohlschmeckende Weine. 
 


 

Die Geschichte des australischen Weines

In Australien wird erst seit dem 18. Jahrhundert Wein angebaut. Einwanderer brachten die unterschiedlichen Rebsorten aus ihrer Heimat mit. Aus diesem Grund besitzt Australien keine eigenen Reben. Es heißt, dass der britische Gouverneur im Jahr 1788 in seinem Garten in Sydney die ersten Rebstöcke angepflanzt hat. Es dauerte nicht lange, bis der Weinbau in Neusüdwales, Westaustralien und Victoria aufblühte. Hier hatten sich vor allem Engländer angesiedelt. Französische Einwanderer sorgten auf der Insel Tasmanien für die Weinkultivierung. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden viele Deutsche im südaustralischen Barossa Valley sesshaft. Dort begannen sie, europäische Reben anzubauen. In der Zeit begann auch der industrielle Weinbau Australiens. 

Die Australier stellten u.a. süße Likörweine her. Diese wurden häufig aufgespritet und daraus „Australien Port“ produziert. Für die Weinproduktion wurden oftmals einfachere Rebsorten verwendet, weshalb um das Jahr 1920 im Land die Weinproduktion sank. Viele Weinliebhaber zogen in dieser Zeit importierte, qualitativ hochwertigere Weine vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wieder vermehrt trockene Tischweine produziert, was dazu führte, dass sich die Rebflächen im Land immer weiter ausbreiteten. Starken Aufschwung nahm der australische Weinbau in den 60er Jahren und hat sich heute hervorragend in der weltweiten Weinskala positioniert.

 

Der Weinanbau heute

Australien nimmt weltweit den 6. Rang bei der Weinproduktion ein. Laut einer Erhebung der „Internationalen Organisation für Rebe und Wein“ (OIV) befindet sich der australische Wein zudem bezüglich der voraussichtlichen Produktionssteigerung unter den ersten drei Ländern der Welt. Nur die USA und Argentinien liegen hier vor Australien. Der Trend zeigt, dass australische Weine zunehmend von Weinliebhabern entdeckt und geschätzt werden. Das beweisen auch die Exportzahlen: Im Jahr 2014 stiegen die australischen Weinexporte das erste Mal seit 2007 wieder an. Auch im hochpreisigen Segment ist ein Wachstum zu verzeichnen, der teilweise über 50 % liegt. In asiatischen Ländern sind besonders die Weine beliebt, die über 50 AU$ kosten (ca. 35,- Euro). 9 von 10 dieser Sorten werden nach Asien geliefert.

Die Weinindustrie Australiens ist einerseits auf Profit orientiert und besitzt ausreichend Kapital. Andererseits ist sie enorm innovativ und setzt bewusst auf Qualität. Wichtig ist den großen Erzeugern vor allem das richtige Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem werden die einzelnen Rebsorten sorgsam für die entsprechenden Böden ausgewählt.

In Australien wird der Ausdruck eines Weines vor allem durch die Rebsorten bestimmt. Viele australische Weine sind Multi-District-Blends. Sie werden aus Trauben unterschiedlicher Territorien nach einer bestimmten Formel miteinander verschnitten.  Aus diesem Grund ist die Herkunftsbezeichnung kein Hinweis auf niedrigere oder höhere Qualität. Selbstverständlich stammen viele Weine auch nur aus einer einzelnen Anbauregion.

Im Weinbau und bei der Kellertechnik wird auf einen hohen technischen Standard geachtet. Häufig erfolgt die Lese und Beschneidung der Trauben mechanisch. Für Rotweine werden meist Barriques verwendet – für Shiraz amerikanische, für guten Cabernet Sauvignon französische. Auch bessere Weißweine reifen in kleinen Barriques und werden in malolaktischer Gärung hergestellt.

Wenn bezüglich eines Weines vom „australischen Stil“ die Rede ist, handelt es sich um einen intensiv fruchtigen Wein, der nur wenig Säure besitzt. Er zeichnet sich durch eine cremige, weiche Textur mit mehr oder weniger intensiver Holznote aus. 

Eine Besonderheit des australischen Weinbaus ist, dass die Steillage der Weinberge nicht der in beispielsweise deutschen Anbaugebieten entspricht. Auch die intensive Bewässerung in australischen Weinbauregionen unterscheidet sich von den mitteleuropäischen Anbaumethoden. 

 

Australische Rebsorten

In Australien werden ca. 140 verschiedene Rebsorten angebaut. Die wichtigsten davon sind:

 

 

Hektoliter (gerundet)

Prozentanteil (gerundet)

Typische Anbauregionen

Gesamtproduktion

14,5 Millionen

   

Shiraz

3,8 Millionen

26,1

South Australia, New South Wales, Victoria

Chardonnay

3,7 Millionen

25,7

South Australia, New South Wales, Victoria

Cabernet Sauvignon

2,2 Millionen

15,2

South Australia, Western Australia, Tasmania

Merlot

1,3 Millionen

8,7

South Australia, Western Australia

Sauvignon Blanc

0,9 Millionen

6,0

South Australia, Western Australia

Semillon

0,8 Millionen

5,5

New South Wales, South Australia

Muscat Gordo Blanco

0,6 Millionen

4,2

South Australia, Victoria

Colombard

0,6 Millionen

4,2

South Australia

Pinot Noir

0,3 Millionen

2,2

Victoria, Western Australia, Tasmania

Riesling

0,3 Millionen

2,2

South Australia, Tasmania

 

 

Die australischen Weinbauregionen

Die wichtigsten fünf Weinbaugebiete Australiens im Überblick:

In South Australia befindet sich mit dem Barossa Valley das wohl bekannteste australische Anbaugebiet. Weitere sind Clare Valley oder Adelaide Hills. Aus diesen Regionen kommen würzige Rotweine, üppige Weißweine sowie hervorragende Rieslinge. Bedeutende Rebsorten sind Shiraz, Merlot, Chardonnay und Cabernet Sauvignon. 

Im Osten von Down Under liegt New South Wales. Dessen berühmteste Anbaubereiche  sind Hunter Valley, Riverina und Mudgee. Hier werden in erster Linie rote und weiße Stillweine erzeugt, aber auch aufgespritete Weine und aromatische Dessertweine. Beachtlich sind vor allem die Sorten Chardonnay und Shiraz sowie der Semillon.

Victoria im südlichen Australien beherbergt bekannte Weinbauzonen wie das Yarra Valley, Goulburn Valley und Pyrenees. Auch hier ist der Shiraz zuhause, aus dem sowohl reinsortige Weine als auch Cuvees sowie rote Schaumweine gekeltert werden. Spitzenqualität besitzen die hier angebauten Pinot Noir und Chardonnay.

Western Australia bietet in erster Linie an der Küste ideale Bedingungen für elegante und rassige Weine. Während aus Margaret River hervorragende Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir kommen, werden in Swan Valley vor allem erstklassige weiße Sorten wie Chardonnay, Verdelho und Chenin Blanc kultiviert.   

Die zu Australien gehörende Insel Tasmanien verfügt über drei Anbaugebiete. Southern Tasmania, Northern Tasmania und East Coast Tasmania. Hier dominieren die weißen Sorten wie Riesling, Chardonnay und Pinot Gris. Bei den roten Weinen sind vor allem Pinot Noir und Cabernet Sauvignon hervorzuheben.

Die australischen Weinbauregionen in Zahlen:

 

Fläche (in ha)

Anteil (in %)

Gesamt

156.632

 

South Australia

73.409

46,9

New South Wales

42.621

27,2

Victoria

26.498

16,9

Western Australia

11.822

7,5

Tasmanien

1.388

0,8

Queensland

782

0,4

Australian Capital Territory

113

0,1

 

 

 Bekannte Weingüter

Australien besitzt viele bedeutende Weingüter. Drei der Bedeutendsten werden im Folgenden kurz porträtiert:

Penfolds liegt im Bundesstaat South Australia im Barossa Valley. Das Weingut wurde 1844 gegründet und ist eines der ältesten in Australien. Der berühmteste Wein von Penfolds ist der Grange. Dieser Cuvée besteht zu einem Großteil aus Shiraz-Trauben, zu denen bis zu 13 % Cabernet Sauvignon hinzukommt. Manche Jahrgänge sind auch sortenreine Shiraz.

Der deutsche Einwanderer Peter Lehmann gründete 1979 das Weingut, welches heute seinen Namen trägt. Es befindet sich ebenfalls im Barossa Valley. Der Stonewell Shiraz des Weingutes ist nach dem Distrikt seiner Herkunft benannt. Der Wein wird – wie alle Einzellagenweine – nur in hervorragenden Jahrgängen produziert.

Im westaustralischen Swan Valley befindet sich das Weingut Sandalford, das um das Jahr 1840 gegründet wurde. Die Weine werden in drei Qualitäts- und Preisklassen angeboten. Bei den Weißweinen sind Chardonnay und Riesling typisch und bei den Rotweinen dominieren Shiraz und Cabernet Sauvignon, aber auch gebietstypische Mischungen werden produziert.

 

Qualitätsstandards und Weingesetze

Nach wie vor gibt es in Australien keine Gesetzgebung zum Weinbau, wie sie in Europa existiert. Das sogenannte Label Integrity Programm (LIP) regelt zumindest einiges über die Angaben auf dem  Etikett. Zwar sind die Winzer gesetzlich nicht dazu verpflichtet, eine Beschriftung bezüglich Jahrgang, Rebsorte und geographischer Herkunft vorzunehmen. Wenn sie es jedoch tun, wird dies auf Richtigkeit überprüft. Die Einhaltung des seit 1987 bestehenden LIP wird laufend kontrolliert von der Wine and Brandy Corporation.

In Australien dürfen bei der Weinherstellung Produkte aus verschiedenen Regionen bzw. Anbaugebieten gemischt werden. Wird auf dem Etikett eine Rebsorte genannt, muss der Wein mindestens 85 % davon enthalten. Bei der Angabe des Jahrgangs wird kontrolliert, ob der Wein zu 85 % aus diesem Jahr stammt. 

Bezüglich der Herkunft wurden im Jahr 2001 „Geograpical Indications“ (GI) eingeführt. Diese definieren die Herkunftsgebiete nach verschiedenen Ebenen und legen die Grenzen der Anbauzonen fest. Die Unterteilung erfolgte in Bundesstaaten, größere Regionen (States), Regionen und Unterregionen. Der Begriff  „Produce of Australia“ weist auf die grundlegende Herkunft hin. Populäre Verschnittweine tragen häufig die Bezeichnung „South-Eastern Australia“. Spitzenweine werden oft mit „Superior“ oder „Outstanding“ gekennzeichnet.

Häufig sind auf dem Etikett Angaben zum Fassausbau zu finden. Die Bezeichnung „unwooded“ bedeutet, dass der Wein ohne Holz ausgebaut wurde. Bei „wood matured“ und „barrel fermented“ wurde der Wein im Eichenfass ausgebaut. 

 

Daten und Fakten

Anbaufläche in Hektar (ha)

knapp 160.000 ha

Weinertrag gesamt in Hektoliter (HL)

16,6 Millionen HL

Wein-Export in Hektoliter (HL)

7,0 Millionen HL

Anteil an Rot- und Weißwein an der Gesamtanbaufläche

ca. 60 % Rotwein und 40 % Weißwein

Konsum des Weines im eigenen Land (in %)

ca. 40 %

Hauptexportländer

Großbritannien, USA, Kanada, China, Deutschland, Neuseeland, Niederland, Dänemark, Japan, Schweden

Wetterbedingungen für den Weinbau

Klima ähnlich dem des Bordelais oder des Piemont

milde Sommer mit durchschnittlichen Temperaturwerten um die
20 °C 

Nähe zum Meer 

wenig Niederschlag, darum regelmäßige künstliche Bewässerung notwendig

Breitengrad der Anbauregionen

zwischen 32. und 39. südlichen Breitengrad

 

 

 

 

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