Weinbau in dünner Luft und hohen Lagen

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Kontinental, mediterran und maritim – Die klassischen Klimatypen umfassen die optimalen Bedingungen für den weltweiten Weinbau. Weinbergen in hohen Lagen stellt diese Annahme jedoch in Frage – und einige der entsprechenden Weine werden auf der ProWein 2019 zu verkosten sein. Von Riesling aus den Bergen Colorados bis zu auf der tibetanischen Hochebene angebautem Muskat. 

Viele Vorteile bietet ein Weinbau in höher gelegenen Regionen für Rotwein- und Weißweinsorten. Das wären: Lange Reifezeiten, große Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen, außergewöhnlicher Wasserablauf und Belüftung, steinige Böden, die Stress für die Regen bedeuten und somit niedrigere Erträge erzielt werden. Jedoch hat man einen hohen Preis zu zahlen, möchte man von der dünnen Luft profitieren: Frost und extreme Temperaturen, die Regen sind dem Wetter ausgesetzt und ob die Trauben vollständig ausreifen werden, ist nie sicher. Abgesehen davon schreckt auch ab, dass der Anbau im Gebirge ein teures Geschäft ist. Das CERVIM (Forschungsinstitut zum Schutz und Aufwertung des Bergweinbaus) geht soweit, den Weinbau in hohen Lagen als “heroischen Weinbau” zu bezeichnen. 

Für Österreich, Deutschland, Schweiz und Norditalien sind die Schlagworte “kühle Klimazone oder Steillage” keine Fremdworte. Einige etablierte Weingüter profitieren von diesem aktuellen Trend, der besagt, dass kühl cool ist. Die Weine vom 335 Meter hohen Zornberg in der Wachau in Österreich (Halle 17) bieten eine atemberaubende Eleganz und die aus 250 Höhe Meter Höhe vom Heerkretz des Weingutes Wagner-Stempel (14, E31) eine klare Kraft mit Kräuternoten. Mit seinen schneebedeckten Bergspitzen ist Argentinien “die” Region, welche die etablierten Höhengrenzen und Erwartungen stärker provoziert hat.

Aus schwindelerregender Höhe des Adrianna Weinbergs (1400 Meter) kommen die Chardonnay White Stones und White Bones der Bodega Catena Zapata (Halle 9) und gehören weltweit zu den NEUEN Weinen, die aus dieser Rebsorte produziert werden und oft als Grand Cru Südamerikas bezeichnet wurden. Diese Weinberge wurden im Jahr 1992 in dieser hohen Lage angebaut, wo die Weine von dem steinigen, kalkhaltigen Boden geprägt werden, wie von der Höhe. Der einzigartige Wasserabfluss des vulkanischen Unterbodens bedeutet, dass die Reben natürlich niedrige Erträge gesunder Trauben hervorbringen. Das ist doch das Ziel jedes Produzenten, oder etwa nicht?

Aber eines steht fest! Ein natürlicher Selektionsprozess geeigneter Rebsorten hat begonnen. Dunklere Farbe und eine dickere Schale roter Trauben bedeuten z.B., dass viele Rotweinsorten in Höhenlagen gut gedeihen. Umso mehr Sonnenlicht sie ausgesetzt sind, umso intensiver die Pigmentierung und umso dicker die Schalen. Das bedeutet für den Wein eine sattere Farbe und Struktur. Die kühlen Temperaturen ermöglichen, dass die Weine eine große Frische bieten. Weinproduzent Jose Lovaglio Balbo verwendet ausschließlich Eichenfässer und Betontanks, um sowohl die Stahlkraft der Frucht als auch die Einzigartigkeit des Terroirs in seinen Malbec-Weinen des Vaglio-Projektes des Weinguts Susana Balbo (Halle 9) in 125o Meter Höhe des argentinische Valle de Uco zu akzentuieren. Es gibt zwar noch andere Weinproduzenten, die diese Richtung eingeschlagen haben, jedoch ist seine Hingabe zum Anbau in Höhenlagen echt beeindruckend.

Bleiben wir bei der Höhe? Dies ist nicht nur eine Nische am Rande der Weinwelt. Es bietet sehr wohl eine Vorschau, welche Richtung der Mainstream irgendwann mal einschlagen wird. Laut dem anerkannten Fachmann für spanische Weine, David Schwarzwälder, haben sich “spanische” Weinmacher in den vergangenen eineinhalb Jahrzenten verstärkt auf den Anbau in Höhenlagen konzentriert. Neben bekannten Herkünften, wie Ribera del Duero, wo bis auf 1000 Meter Höhe kultiviert wird, entstehen zahlreiche Projekte in den Berglandschaften Nord- und Zentralspaniens. Altes Rebland mit oft wurzelechten Rebgärten. Schwarzwälder verweist auch auf das Beispiel des Weinproduzenten Telmo Rodriguez (Halle 10), der in Valdeorras (650 Meter) umgebenen Hochland am nördlichen Ufer des Ebro Weine im “mineralisch feinen postmodernen” Stil entwickelt.

Auch neue DOs wie Rueda (Halle 10), mit Weinbergen in Höhe von 600-700 Meter über den Meeresspiegel, haben diese Eleganz und Energie in ihren typischen Stil, die Rebsorten und Weinbaumethoden übernommen. Als bedeutendstes Weinspektakel des Jahres wurde die Lese in der Region angepasst, um die Extreme der Natur zu nutzen und die Frische und Aromen der regionalen Frucht zu erhalten. Im Mondlicht gelesene Trauben, dann von der kühlen Hochebene noch vor dem Morgen zur Kelter befördert, damit sie Sonnenlicht und hohe Temperaturen möglich wenig ausgesetzt sind. Ein großes Lob für die dynamische Frische.

Eine große Rolle spielt ebenfalls die Nachhaltigkeit. In vielen Regionen fragt man sich, was wohl als Nächstes kommt, da der unberechenbare Temperaturanstieg des Klimawandels darauf hinauslaufen wird, dass traditionelle Rebsorten und auch Aromen einzelner Regionen bald der Vergangenheit angehören. Dr. Laura Catena von der argentinischen Bodega Catena Zapata gründete das Catena Institute, wo man sich der Untersuchung traditioneller Rebsorten, Höhenlagen und neuer Regionen widmet. Bei einem Treffen von Weinexperten warnte sie davor, dass wir keine hundert Jahr habenwerden, um herauszufinden, wie am geeignetsten mit den Herausforderungen umzugehen ist. “Möchten wir bestimmte Aromen erhalten, müssen wir verstehen, was genau diese sind und wie sie erzielt werden können”. 

Trauben aus Höhenlagen sind Überlebenskünstler, genauso wie die Winzer, die sie anbauen. Wie lange es dauern wird, bis sich der Rest der weintrinkenden Welt diesen höheren Ebenen zuwendet, wird sich zeigen.

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