Weinland Portugal

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Bem-vindo a Portugal! Eine facettenreiche Kultur, eine besondere Kulinarik und die herzliche Gastfreundschaft der Menschen – Portugal begeistert Gäste aus Nah und Fern und ist längst zu einer der beliebtesten Tourismusdestinationen in Europa avanciert. Bei einem milden Klima und rund 3.000 Sonnenstunden pro Jahr kann man hier ganzjährig ein vielfältiges Freizeit-, Sport-, Kultur- und Gastronomieangebot entdecken. Portugal hat viel zu bieten, und das nicht nur an den allgemein bekannten Hotspots wie in der Hauptstadt Lissabon oder an der Küste der Algarve. Fado und Saudade, Azulejos und Manuelinik, Entdecker, Seefahrer, Fußballhelden und vieles mehr – Portugal ist ein Land, das nicht nur Tradition und Moderne auf eine reizvolle Art und Weise verbindet, sondern ein Ort, der Sehnsüchte weckt und stillt.


 

Das Land Portugal 

An der Westküste der iberischen Halbinsel gelegen ist Portugal das westlichste Land Kontinentaleuropas. Im Norden und Osten grenzt es an Spanien, im Westen und Süden wird es vom Atlantik eingerahmt. Neben dem Festland gehören auch das Azoren-Archipel und Madeira zu diesem südeuropäischen Land, das über 10 Mio. Einwohner zählt. Flora und Fauna sowie das Klima der einzelnen Regionen sind von einer großen Vielfalt und spannenden Gegensätzen geprägt. Neben Korkeichen – Portugal ist der weltweit größte Lieferant auf diesem Sektor– und den übrigen typischen Pflanzen, wie zum Beispiel Olivenbäumen, sieht der Reisende auch…Weinreben! Denn Portugal ist auch ein beachtenswertes Weinbauland, was sich nicht nur im Erfolg des Önotourismus, einem aktuell sehr gefragten Tourismuszweig, sondern vor allem in anspruchsvollen Weinen, tollen Rebsorten und einer spannenden Geschichte widerspiegelt. Entdecken Sie das Weinland Portugal – es lohnt sich!

 

Geschichte des Weinanbaus

Der Weinbau und -handel hat in Portugal eine lange Tradition. Sie beginnt bereits in der Antike, als Römer, Griechen und Phönizier die ersten Reben auf die iberische Halbinsel bringen. Nach einer schwächeren Phase während der maurischen Herrschaft, erlebt der Weinbau seit der Unabhängigkeit Portugals im Jahr 1385 eine erneute Blütezeit. Wie die Geschichte manchmal so spielt, ist es eine politische Entscheidung, welche die Verbreitung des portugiesischen Weins weiter voranbringt: 1693 erhebt der englische König William III. hohe Zölle auf die bis dahin im Königreich gern konsumierten französischen Weine. In der Folge machen sich viele englische Weinhändler auf die Suche nach einer alternativen Bezugsquelle. Rege Handelsbeziehungen entstehen und bringen Portugals Weine über den Minho-Fluss bis nach Großbritannien.
In der Nähe der Stadt Lamego im Landesinneren beweist indessen ein Geistlicher ein glückliches Händchen, als er den lokalen Rotwein noch während der Gärung mit Brandy aufgießt. Das wohl prominenteste Exportprodukt Portugals ist geboren: der Portwein. 1678 wird die Kreation von einem Weinhändler aus Liverpool entdeckt, die Nachfrage steigt stetig an und so entstehen in der Folge entlang des Flusses Douro Handelshäuser.
1756 erlebt das Weinland Portugal einen weiteren historischen Moment: Der Marquês de Pombal gründet für die Region des Alto Douro eine Weinbaugesellschaft, die Companhia Geral da Agricultura das Vinhas do Alto Douro. Die Intention hinter dieser Entscheidung ist es, die weltweit erste regionale Abgrenzung, eine offizielle Registrierung der Rebsorten sowie eine Klassifizierung der Weine entsprechend ihrer Qualität zu realisieren. Ein enormer Schritt – weg von der ständigen Gefahr der Fälschungen und hin zu einer verlässlichen Qualitätsgarantie.
Im 18. und 19. Jahrhundert wird der nach seiner Ursprungsregion benannte Madeira beliebt. 100 Jahre später kämpfen die portugiesischen Winzer mit Mehltau und Reblaus – eine schwierige Zeit für den Weinbau. 1930 gründet man einige Genossenschaften und geht den Wiederaufbau an; u. a. der Mateus Rosé wird in der Folge zu einem Verkaufs- und Exportschlager. 1986 tritt Portugal der EU bei und ist heute ein unter Experten durchaus geschätztes, wenn auch allgemein oft noch unterschätztes, Weinland mit renommierten und ambitionierten Weingütern. Erwähnenswert ist in diesem Kontext auch das Potential junger Winzer mit internationaler Ausbildung und großen Visionen, die eine erfrischende Ergänzung zu den erfahrenen Kollegen traditioneller Weingüter darstellen.

 

Regionen Portugals 

Die administrative Gliederung Portugals trennt seit 1976 zwei autonome Regionen vom Festland ab: die Inselregionen Azoren, Região Autónoma dos Açores, und Madeira, Região Autónoma da Madeira. Bei Kontinentalportugal geht man von einer vertikalen Struktur aus und unterscheidet fünf Großregionen, die Região Norte, Região Centro, Região de Lisboa, Região do Alentejo, Região do Algarve. Diese unterteilen sich wiederum in 18 Distrikte, distritos. Die beiden autonome Regionen und Kontinentalportugal bestehen weiterhin aus zahlreichen Kreisen, Municípios, und Gemeinden, Freguesias. Für Weinliebhaber besonders interessant sind natürlich die Weinanbaugebiete Portugals, wobei, was Einteilung und Benennung betrifft, leicht variierende Modelle existieren bzw. z. T. auch ältere Termini parallel zu den neueren Begrifflichkeiten Verwendung finden. Zu nennen wären in diesem Kontext in jedem Fall die folgenden Regionen: Minho/Vinho Verde, Trás-o-Montes/Douro, Bairrada, Dão und Beira Interior, der Küstenstreifen Estremadura bei Lissabon, Tejo, die Terras do Sado (die Regionen Palmela und Setúbal), Alentejo, die Algarve, Madeira sowie die Azoren.

 

Weinanbau

Auf einer Anbaufläche von etwa 250.000 Hektar begegnet man in Portugal einer klimatischen, geologischen und topografischen Vielfalt, welche 500 autochthone Rebsorten, die castas, ermöglicht. Damit präsentiert Portugal die in Europa wahrscheinlich größte Varietät autochthoner weißer und roter Rebsorten. Die jeweiligen klimatischen Verhältnisse sowie die lokale Beschaffenheit des Bodens definieren den Charakter der angebauten Weine. Hier seien einige zentrale Charakteristika kurz angeschnitten: Der kühle Norden begünstigt durch seine kargen Granitböden die schlanken, weißen Weine des Vinho Verde. Im Douro-Gebiet werden dank hoher Temperaturen und der hier typischen Schieferböden klassische Rotweine produziert. Die gebirgsreiche Region Dão steht für terrassierte Hänge und intensive Rot- und Weißweine. Qualitativ hochwertige Spitzenweine gedeihen gut im heißen Klima von Alentejo und der Küstenstreifen der Estremadura liefert dank sandiger Böden und atlantischem Klima frische, moderne Weine.

Rund 350 Sorten sind in Portugal offiziell zur Weinproduktion zugelassen, etwa 6-7 Hektoliter werden jährlich produziert. Zu nennen wären unter den Weißweinsorten u. a.: Alvarinho, Antão Vaz, Arinto, Bical, Encruzado, Fernão Pires, Loureiro, Trajadura, Verdelho. Wichtige Rotweinsorten sind u. a.: Alfrocheir, Aragonez, Baga, Castelão, Moscatel Galego Roxo, Tinta Negra, Touriga Nacional. Im Weingebiet Colares findet sich zudem eine echte Rarität: Die Rebsorte Ramisco ist möglicherweise eine der wenigen unveredelten  Vinifera-Sorten, die den Befall der Reblaus im 19. Jahrhundert dank des hier vorherrschenden Sandbodens überleben konnte.

 

Qualitätsbezeichnungen 

Folgende Kategorienbezeichnungen liefern dem Weinfreund eine Orientierung, was das Thema Qualität angeht: DOC (Denominação de Origem Controlada) bzw. die neue, einheitliche EU-Bezeichnung DOP (Denominação de Origem Protegida) bezeichnet die sog. Qualitätsweine – manchmal auch durch die Abkürzung VQPRD (Vinho de Qualidade Produzido em Região Determinada) beschrieben –, die sich von den IG (Indicacoes Geograficas) oder auch IPR (Indicacão de Proveniencia Regulamentada) abgrenzen. Oft findet sich auch die Abkürzung VR für Vinho regional, Landwein, der trotz flexiblerer Richtlinien nicht selten eine hohe Qualität erreicht. Auch der Begriff Vinho de Mesa, Tafelwein, ist geläufig. Insgesamt werden in Portugal inzwischen mehr Qualitätsweine als Weine der anderen Kategorien produziert; über 25 Weine dürfen sich mit dem DOC-Status des kontrollierten Ursprungs schmücken.

Weinliebhaber werden auf den Weingütern, auf Portugiesisch quintas, oder in den Weinkellereien, den caves, folgende Termini hören: Verdes sind schnell zu konsumierende Jungweine, die direkt nach dem Gärungsprozess genossen werden. Maturo ist in Abgrenzung zu den Verdes ein reifer Wein. Unter garrafeida versteht man einen Spitzenwein, der lange im Fass oder im Keller gelagert wurde.

 

Bekannteste Weinsorten

Zwei prominente Vertreter der portugiesischen Weinpalette sind der bereits erwähnte Portwein und der Vinho verde.
Der Portwein ist ein Likörwein, der im oberen Douro-Tal im Landesinneren angebaut wird. Das Klima ist hier warm, der Boden mit Granit und Schiefer durchsetzt, die Reben werden bodennah gehalten. Durch seine geologische Beschaffenheit fungiert der Boden als Wärmespeicher, der bewirkt, dass die Trauben auch über Nacht weiter reifen. Bei der Gärung wird Branntwein zugefügt, welcher etwa ein Fünftel des Gesamtvolumens ausmacht. Es entsteht ein süßer Rotwein mit hohem Alkoholgehalt, etwa 19 bis 21 %. Interessierte können schöne Lagerstätten zum Beispiel in Porto besichtigen.
Der Vinho verde hingegen ist mit einem Alkoholgehalt zwischen 8 und 12 % ein vergleichsweise leichter Wein. Angebaut wird er in der Provinz Minho von Porto bis zur spanischen Grenze. In dem hier vorherrschenden kühlen, regenreichen und fruchtbaren Klima wachsen sowohl weiße als auch rote Rebsorten. Der rote Vinho verde gilt jedoch als tanninlastig, herb und spröde, weshalb er auch weniger bekannt ist. Die weiße Variante dagegen ist wegen ihres jungen, frischen, perligen Charakters einer der wichtigsten Ausfuhrweine Portugals. Im Land selbst serviert man ihn gerne zu kalten wie warmen Vorspeisen und kleinen Snacks, den petiscos.

 

Bekannteste Weingüter 

Und wo finden Sie nun die besten Winzer Portugals? Unter den Weingütern Portugals gibt es zahlreiche für Experten wie Liebhaber interessante Adressen – ausgiebige Erkundungstouren lohnen sich in jedem Fall. Um einen kleinen Einblick in das gebotene Spektrum zu geben, seien an dieser Stelle drei Weingüter kurz vorgestellt:

Das Weingut Casa Ferreirinha, gegründet im 18. Jahrhundert, war lange Zeit die einzige portugiesische Kellerei von internationalem Format. Seine Namensgeberin, die Enkelin des Gründers, machte das Weingut inmitten des Douro-Tals zu einem international beachteten Betrieb. Entgegen zeitgenössischer Trends hielt man auf Casa Ferreirinha auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts an den einheimischen Rebsorten fest und steht damit seit jeher für eine verlässliche Qualität.

Das Weingut Sogrape ist ebenfalls eine echte Institution in der Welt des Weins. 1942 gegründet wurde das Unternehmen durch eine konsequente Qualitätspolitik und den respektvollen Umgang mit alten Traditionen zum größten und erfolgreichsten Weinanbieter Portugals. Heute sprechen Insider von dem Vorzeige-Weingut schlechthin. Rund 350 Hektar Rebfläche in den Regionen Alentejo, Bairrasa, Douro und Vinho gehören zum Besitz des Weinguts; es werden ausschließlich heimische Rebsorten angebaut.

Auch das Weingut Herdade dos Grous in der Region Alentejo trägt viel dazu bei, dass Portugals Weine international immer mehr Beachtung finden. Das idyllisch 150 km südlich der Hauptstadt Lissabon in der Region Beja gelegene Weingut bietet ein durchgehend qualitativ hochwertiges Weinsortiment an. Der Rebsortenspiegel enthält hauptsächlich autochthone Rebsorten, integriert aber auch die für dieses Gebiet exotische Rotweinsorte Syrah. Die gesamten Weinstöcke werden hier nach streng biologischen und nachhaltigen Maßstäben bewirtschaftet.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass Portugal angesichts seines facettenreichen Spektrums an Wein- und Rebsorten, vom Schaum- bis zum Rotwein, sowie seiner beeindruckenden Vielfalt an sehr unterschiedlichen Anbaugebieten ein zu Unrecht nach wie vor noch zu wenig beachtetes Weinland ist und für Weinliebhaber und Experten sicher noch die eine oder andere schmackhafte Überraschung auf Lager hat. In diesem Sinne…Saúde!

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