Weinland Ungarn

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Ungarn kann auf seine altbewährte Tradition des Weinanbaus stolz sein: Bereits zur Zeit der griechischen Antike wurde hier Wein angebaut. Lange gehörten die ungarischen Weine zu den begehrtesten Europas. Vor allem am österreichischen und französischen Hof waren die Weinspezialitäten aus Ungarn sehr beliebt. Der Erfahrungsschatz der Ungarn rund um den Wein und den Weinanbau ist reich. Allerdings hat die Ära des Kommunismus nach dem Zweiten Weltkrieg dem Weinanbau in Ungarn sehr geschadet. Man setzte auf Masse statt Klasse. In der Folge wurde zwar weiterhin viel Wein angebaut – nun vor allem in Staatsbetrieben – aber die Qualität der Weine ließ deutlich nach. Die Zeit nach dem Ende der Sowjetunion hat Ungarn genutzt, um an die alte Weintradition erfolgreich anzuknüpfen. Erfolgsweine und Qualitätsweine aus Ungarn sind heute keine Seltenheit mehr.


 

Zur Geschichte des ungarischen Weinanbaus

Kelten, Griechen und Römer

Die Geschichte des ungarischen Weinanbaus begann bereits im dritten bis vierten Jahrhundert vor Christus. Die Kelten bauten in dieser Zeit die ersten Weinreben bei Sopron an. Griechen förderten die Kultur des Weinanbaus entlang von Donau und Theis. Die Römer wiederum entwickelten diese Tradition weiter und zwar vom Westen her kommend (in Pannonien). Einer Überlieferung zufolge war sogar Karl der Große vom Awarenwein so angetan, dass er einige Reben davon nach Deutschland bringen ließ.

 

König Stephan I und König Béla IV

Der Weinanbau wurde während der Regentschaft von König Stephan I, der bis 1038 lebte, erheblich ausgebaut. Stephan I brachte Mönche des Benediktinerordens nach Ungarn, die ihr Wissen und ihre Fertigkeiten des Weinanbaus an die Einheimischen weitergaben. Ein weiterer Freund des Weins war König Béla IV (1235-1270). Auch er unterstützte und vergrößerte den Anbau von Wein. Er brachte Weinspezialisten aus mehreren Ländern nach Ungarn. Sie führten auch neue Rebsorten ein, wie z. B. den Furmint aus Italien. Dieser wurde dann zum hauptsächlichen Bestandteil eines der berühmtesten ungarischen Weine, des Tokajers. Dieser Wein wurde im 15. Jahrhundert erstmalig erwähnt und mit einem Reinheitsgesetz versehen. Er soll aber schon 200 Jahr vorher als Arznei verkauft worden sein. Bereits im 13. Jahrhundert waren die Weine aus Sopron und Eger über die Grenzen weg bekannt und berühmt.

 

Neuzeit

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts besetzten die Türken den östlichen Teil Ungarns und hielten ihn für 150 Jahre unter ihrer Herrschaft. Da im Islam der Alkoholgenuss verboten war, wurde die Entwicklung der Weinkultur gebremst. Sie hörte allerdings nie ganz auf, weil der Sultan von Konstantinopel auf die Steuereinnahmen durch den Weinanbau nicht verzichten wollte. Zu dieser Zeit soll sich – der Legende zufolge – auch die siegreiche Schlacht der “Stierblut trinkenden Ungarn” gegen die Türken ereignet haben. Im Jahr 1552 wurde die Burg Eger (Erlau) von Türken belagert. 80.000 Türken standen einer Burgbesatzung von nur 2100 Männern unter der Führung von István Dobó gegenüber. In der entscheidenden Schlacht, die für die Ungarn schon beinahe verloren war, gab Dobó seinen Kämpfer Wein. Daraufhin rangen diese den Feind ohne Angst und mit neuer Kraft nieder, denn die Türken waren über die neuerliche Kampfkraft erschrocken und dachten, die Ungarn mit den rotgefärbten Bärten hätten Stierblut getrunken. König Ludwig XIV., genannt der Sonnenkönig, genoss am französischen Hof den Tokajer Wein. Von ihm ist der Ausspruch bekannt: “Der König der Weine, der Wein der Könige”. Auch am Zarenhof war dieser Wein ein Begriff. Die Kaiserin Maria Theresa bevorzugte Schomlauer Hochzeitswein, weil man glaubte, er sorge für männliche Nachkommen und erhalte die Gesundheit.

 

Die Rebsorten Ungarns

Einige der Rebsorten sind eigene ungarische Errungenschaften, andere wurden aus anderen Ländern eingeführt. Die Weißweine aus Ungarn schmecken meist relativ süß und besitzen ein gewisses Feuer. Am häufigsten angebaut wird der Olaszrizling (Welschriesling). Dies bringt besonders in der Weinregion Plattensee hervorragende Weine hervor. Weitere bekannte Rebsorten für Weißwein sind:

  • Furmint (säuerlich)
  • Hárslevelü (der Lindenblättrige, duftig, süß)
  • Kéknyelü (Blaustiel, füllig und kräftig)
  • Szürkebarát (Pinot Gris)
  • Sargamuskotaly (Gelber Muskateller, würzig)
  • Chardonnay.

Unter den roten Rebsorten ist die beliebteste Kékfrankos (Blaufränkisch). Ferner sind wichtig:

  • Kadarka
  • Kékoport (Blauer Portugieser)
  • doc Noir (Merlot)
  • Nagyburgundi (Pinot Noir)
  • Cabernet Sauvignon.

 

Die Qualitätsstandards der ungarischen Weine

Die Qualitätsstandards der ungarischen Weine schlagen sich in fünf abgestuften Bezeichnungen nieder, die nach bestimmten Kriterien bemessen sind:

  • Der einfachste Wein ist der Tájbor.
  • Ein Tafelwein mit einem Alkoholgehalt von mindestens 8 % vol und mindestens 140 g/l Mostzucker ohne Rebsortenangabe auf dem Etikett heißt Asztali bor.
  • Der als Bratenwein bezeichnete Landwein Pecsenye bor besitzt bis zu 12% vol Alkoholgehalt, das Etikett gibt die Rebsorte und das Anbaugebiet an.
  • Ein Qualitätswein hat mindestens 10% vol Alkoholgehalt und mindestens 170 g/l Mostzucker. Ein solcher Wein heißt Minöségi bor. Das Etikett muss die Rebsorte, den Abfüller, den Jahrgang, den Alkoholgrad und den Ort und die Zeit der Weinlese angeben.
  • Der Wein der höchsten ungarischen Qualitätsstufe heißt Különleges minöségi bor. Er muss mit dem staatlichen Kontrollzeichen Állami Ellenörzöjegy versehen sein und wird aus vollreifen oder edelfaulen Beeren hergestellt. Der Alkoholgehalt beträgt mindestens 13% vol, der Mostzuckergehalt mindestens 190 mg/l. Dieser Wein kann Zusatzqualitätsmerkmale tragen:
    • Spätlese (zumindest 190 g/l)
    • Auslese (205 g/l)
    • Ausbruch (220 g/l)
    • Trockenbeerenauslese (wird hergestellt aus überreifen, meistens edelfaulen Beeren mit höchstens
      16,5% vol Alkoholgehalt).

 

Die wichtigsten Weinregionen in Ungarn

Balaton

Rund um den Balatonsee (Plattensee) findet man vulkanische Böden. Am nördlichen Ufer sind sie von Kalkgestein bedeckt bzw. von roten Böden, die viel Eisenoxid enthalten. Am südlichen Ufer ist der Boden sandig und lehmhaltig. Darüber hinaus ist der See von Hügeln umgeben. Aus diesen Gründen ist der Balatonsee das ideale Weinbaugebiet. Der See spiegelt das Sonnenlicht wieder, welches dann wiederum durch die Hügel reflektiert wird. So entsteht ein mediterran anmutendes Klima. Auch der Herbstnebel ist der Traubenreifung zuträglich. Die Weinregion Balatonsee bringt besonders die folgenden Weine hervor: Welsch Riesling, Blaustängler, Sauvignon Blanc, Riesling, Chardonnay, Grauer Mönch, Muscat
Ottonel.

Észak Dunantul (Transdanubien)

Die Weinregion Transdanubien umfasst die Unterbereiche Aszar-Neszmely, Etyek-Buda, Mor und Pannonhalma-Sokoroalja. Gelegen ist sie zwischen dem Balatonsee und der Grenze zur Slowakei. Der Weinbau hat auch hier eine lange Tradition. Besonders berühmt geworden ist die Familie Esterhazy, die hier im 19. Jahrhundert Wein anbaute und den Weg für den modernen Weinbau frei machte. Hier findet sich ein kontinentales Klima. Die Sommer sind warm und lang, die Winter hingegen eher mild. Die Böden sind meist Kreide, Löss und Schwarzerde. Die häufigste Rebsorte ist der Chardonnay, aber auch Welschriesling, Riesling, Sauvignon Blanc, Pinot Blanc und die ungarischen Sorten Cserszegi Füszeres und Irsai Oliver werden angebaut. Die Weinregion Észak Dunantul braucht den Vergleich mit der Champagne oder dem Elsass nicht zu scheuen. Berühmt sind die kraftvollen Weißweine und die Schaumweine.

Pannon (Pannonien)

Pannonien liegt zwischen dem Balatonsee und Kroatien. Zu der Region gehören die Unterbereiche: Mecsekalja, Villany, Szekszard und Tolna. Die wohl bekanntesten Weinbaustädte Pannoniens sind Villany und Siklos. In der Gegend um Villany entsteht der beste ungarische
Rotwein. Dieser wird als dem Burgunder ebenbürtig gerühmt. Auch die entsprechenden Weinbaugebiete sind sich ähnlich. Sie liegen auf der gleichen geografischen Breite und zeichnen sich durch sanfte Hügel aus. Das Klima in Pannonien ist kontinental, mit vielen Sonnenstunden in langen, trockenen Sommern bei starken Winden. Die Winter sind lang und mild. Die Böden sind meist aus Löss, aber auch Kalkstein und Sandstein. Zu den wesentlichen Rebsorten gehören: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Blaufränkisch, Zweigelt. Siklos ist eher für Weißweine bekannt, z. B. Traminer, Welschriesling und Chardonnay.

Sopron

Auch die Weinregion Sopron ist historisch: Seit der Zeit der Kelten wird hier Wein angebaut. Besonders die sanften Hügel am Neusiedlersee eignen sich für den Weinanbau. Die klimatischen Verhältnisse teilen die Landschaft in kontinentalen Steppensee, submediterrane Hügel, subalpine Berge, Hochgebirge und Pustalandschaft mit alkalihaltigen Böden. In Rust wird vordergründig Weißwein gekeltert, in der Gegend Sopron Rotwein, besonders Blaufränkisch. Weitere wichtige Rebsorten sind: Cabernet Sauvignon, Zweigelt, Pinot Noir, und Merlot. Weiße Rebsorten sind Chardonnay, Grüner Veltliner, Zenit, Traminer, Sauvignon Blanc. Das Klima eignet sich auch für Süßweine, die aus der Spätlese kommen.

Duna (Donau)

Zu der Weinregion Donau zählen Csongrád, Hajós-Baja und Kunság. Hier entstehen relativ weiche Weine aus meist internationalen Sorten. Die Region liegt im südlichen Ungarn. Die klimatischen Bedingungen sind nicht optimal, denn Dürre im Sommer und Frost im Winter sind keine Seltenheit. Trotzdem entstehen hier große Mengen Wein, nicht zuletzt Alltagswein zu günstigen Preisen.

Eger (Erlau)

Seit dem Ende des Kommunismus ist es den Erlauer Winzern gelungen, an die Zeit alten Glanzes anzuschließen. Zu den wichtigsten Rebsorten der Region zählen Königstochter, Lányka, Lindenblättriger, Italienischer Riesling, Grauer Mönch, Muskateller, Traminer, Chardonnay und andere. Die Rotweine aus der Region Erlau besitzen Feuer, Würze und eine samtweichen Säure. Der berühmteste Wein, der hier gekeltert wird, ist der Erlauer Stierblut (Bikavér). Es gilt als wahrscheinlich, dass die landschaftlichen Möglichkeiten der Erlauer Region weiter erschlossen werden. Dann werden auch andere Rebsorten eine Chance haben, international erfolgreicher zu werden, z. B. Merlot, Blauburger, Blaufränkischer, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon oder Pinot Noir.

Tokaj- Hegyalja

Diese Weinregion ist stolz darauf, dass der Tokajer (Tokaji Aszú) nicht nur weltberühmt, sondern (wahrscheinlich) der älteste Weinname der Welt ist. Die Aszús zählen zu den begehrtesten ungarischen Weißweinen. In der Region, die im Nordosten Ungarns liegt und an die Slowakei grenzt, wird fast ausschließlich Weißwein angebaut, vor allem die Rebsorten: Furmint, Lindenblättriger, Muskateller, Oremus, Kabar und Kövérszölö. Der Furmint nimmt etwa 60 Prozent der Fläche ein. Nur Weine dieser Sorten dürfen sich Tokajer (Tokaji) nennen. Klimatisch kommt nach einem recht kalten, trockenen Frühling ein heißer Sommer. Der Herbst ist nass, dann trocken und sonnig. Dies fördert die Bildung der Edelfäule. Der feuchte Boden ist meist Löss.

 

Bekannte Weingüter Ungarns

Der Winzer Vilmos Thummerer gewann im Jahre 1995 den Titel Weinbaukundiger des Jahres. Sein Weinkeller ist in Noszvaj angesiedelt, nur wenige Kilometer von Eger (dt. Erlau) entfernt. Die Erlauer Rotweine rühmt man wegen ihrer Würze und ihres Feuers. Besonders berühmt ist Egri Bikavér, das sogenannte Erlauer Stierblut. Ein deutschsprachiger Winzer, dessen Familie in der neunten Generation dem Weinbau zugetan ist, heißt Jozsef Bock. Er ist in Villány beheimatet und produziert den sogenannten “ungarischen Bordeaux”. Er war 1997 Weinbauer des Jahres und wurde mit einem Verdienstorden ausgezeichnet. Im Jahre 2008 wurde Vylyan in Villány zum besten Weingut des Landes ernannt. Dort findet sich eine Anbaufläche von 125ha. Es werden einheimische Sorten angebaut (Kadarka, Blaufränkischer, Portugieser etc.), aber auch internationale Sorten (Cabernet Franc, Merlot, Chardonnay etc.)

 

Daten und Fakten

Anbaufläche 90.000 ha
Ertrag gesamt 388 Mio l / 789.000 t
Wein Export 6% (46.525 l); 94% des Weins werden im eigenen Land konsumiert

Anteil weißer und roter 
Rebsorten

2/3 weiße Rebsorten ( 91 verschiedene Sorten) / 28 rote Sorten
Breitengrad der Anbauregion Die Anbaugebiete befinden sich zwischen 45,5° und 48,5° nördlicher Breite
Wetterbedingungen in Ungarn für den Wein Das Klima ist kontinental bei einer mittleren Jahrestemperatur von 11°C und 2.000 Stunden Sonne im Jahr. Der jährliche Niederschlag liegt bei 500-700mm. Die Wärme in der
Produktionszeit liegt bei 28° C – 33° C .

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