Weinregion Epirus

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Folgen wir der Wortherkunft ins Altgriechische, übersetzt sich Epirus mit Festland oder Kontinent. Heute verbirgt sich hinter Epirus eine der ärmsten Regionen Griechenlands und der europäischen Union. Genauso wie Thrakien und Makedonien gehört auch Epirus nur zur Hälfte zu Griechenland – im Norden grenzt die Landschaft an Albanien, die sich Nordepirus einverleibt hat. Richtung Osten trifft Epirus auf Thessalien und das bereits erwähnte Makedonien. Als natürliche Grenze trennt das Pindosgebirge, das bis zu 2.632 Meter in die Höhe ragt, die Regionen voneinander. Den Gegensatz bildet das Ionische Meer im Westen. Welche Himmelsrichtung die Hauptstadt Ioannina bevorzugt, stellt der Name unverhohlen zur Schau.


 

Im folgenden Text erinnern wir uns an die Geschichte der Region und suchen Gründe dafür, warum der für die Region typische Schaumwein kaum Absatz findet. Außerdem besuchen wir ausgewählte Weingüter in der Region Ioannina. Auch der Landwein Zitsa findet dabei lobende Erwähnung.

 

 

Geschichte der Region Epirus

Als Griechenland 1830 seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erklärte, blieb Epirus weiter in der Hand der Osmanen. Erst die Balkankriege in den Jahren 1912 und 1913 führten dazu, dass die Epiroten wieder zu Griechenland fanden. Auch die Weltkriege und der griechische Bürgerkrieg setzten Epirus zu. Tapfer leisteten die Einwohner erbitterten Widerstand – und bei Gefechten in den Bergen mussten die Besatzer auch so manches Mal den Rückzug antreten. Trotzdem hinterließen die Kriege und Krisen deutliche Spuren im Land. Heute gilt Epirus als besonders verarmte Region.

Wirtschaftlich konzentriert sich das Geschehen auf die Hauptstadt Ioannina – die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Weinbau findet entsprechend in den Gemeinden Ioannina und Zitsa statt. In den übrigen Bezirken Arta, Preveza und Thesprotia suchen auch Experten vergebens nach Weinbergen. Ähnlich wie im Rest Griechenlands steckt der Export von Wein-Erzeugnissen in den Kinderschuhen. Stattdessen finden Olivenöl und Tabak-Produkte aus der Region Epirus dankbare Abnehmer im Ausland.

Dabei besitzt Epirus bei Wein-Erzeugnissen ein klares Alleinstellungsmerkmal: Als eine der ganz wenigen Regionen produzieren die Weingüter Schaumweine, darunter auch Perlweine. Leider trinkt der Grieche seinen Schaumwein nur bei gehobenen Anlässen. Das treibt die Nachfrage gehörig in Richtung Keller und nimmt der Region die Chance, das Potenzial zu nutzen. Trotzdem lagern in den Weinkellern der Region auch weiterhin Schaum- und Perlweine, auch die Herstellung findet kein Ende.

 

 

Bekannte Weingüter

In den wirtschaftlich schlecht entwickelten Regionen Arta, Preveza und Thesprotia findet praktisch kein Weinbau statt. Touristen verirren sich manchmal in die Gemeinden Parga und Preveza, um den dortigen Küsten einen Besuch abzustatten. Dass der Weinbau für die Epiroten keine herausragende Rolle spielt, begründet sich auch im Klima. Selbst die in Epirus heimische weiße Rebsorte Debina erlangt nur in sechs von zehn Jahrgängen Vollreife. Im Herbst setzt der Regen manchmal zu früh ein – das behindert den Reifeprozess.

Ioannina

Trotzdem: In der Gegend um Ioannina besinnen sich die Epiroten auf griechische Traditionen und stellen Weine her. Auf den Weinbergen können versierte Weinkenner Debina-Reben entdecken, die hauptsächlich für den fruchtigen Landwein Zitsa angebaut werden. Gleichzeitig greifen die Winzer auf Debina auch für Schaumweine in der Farbe Rosé zurück. Dabei kommen auch rote Rebsorten zum Einsatz.

Katogi Averoff

Das Weingut Katogi Averoff liegt im äußersten Osten in der Stadt Metsovo. Auf einer Höhe von 1.100 Metern über dem Meeresspiegel wird der Weinberg seinem Namen gerecht. In Griechenland erfreuen sich die Einwohner am Rotwein Katogi, der einige internationale Preise gewinnen konnte. Seine Bekanntheit verdankt das Weingut auch dem Gründer selbst: Evangelos Averoff. Eigentlich als Schriftsteller und Politiker tätig verstand sich der Grieche auch auf das Keltern von Wein. In den 60er Jahren gelang Averoff ein Cuvée aus der heimischen Agiorgitiko-Reke und dem importierten Cabernet Sauvignon – das war in Griechenland noch niemandem gelungen.

Unter anderem bringen die Weinberge in Metsovo die Rotweine Averoff Estate und Flogero Averoff hervor. Beide Weine verwenden die internationalen Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot. Im Averoff Estate schlummert zusätzlich ein kleiner Anteil Cabernet Franc. Auch ein Weißwein findet sich auf dem Weingut – im Traminer Averoff schmecken Leser wie Weinkenner die Traminer-Rebe heraus. Alle vorgestellten Weine kommen als PGI-Weine auf den Markt.

Domaine Glinavos

Von außen erinnert das Weingut Domaine Glinavos an ein Kloster. Das hat seine Berechtigung: Als Lefteris Glivanos im Jahre 1978 sein Weingut in der Gemeinde Zitsa gründete, nahm sich der junge Önologe das jahrhundertealte Kloster Profitis Ilias als Vorbild. Tatsächlich liegt das Kloster unweit vom Weinberg entfernt – auch der Hügel trägt den gleichen Namen. Damit fügt sich das 145.000 Quadratmeter große Gelände passend in die Landschaft ein. Hinter der Kloster-Fassade trachtet das Unternehmen stets nach neuen Wein-Kreationen. Seit 1980 konnte Domaine Glinavos mehr als 60 Preise und Auszeichnungen auf sich vereinen. 

Überzeugend zeigt sich auch die Produkt-Palette von ihrer bunten Seite. Im Folgenden eine kleine Auswahl:

  • Premium-Weine: Unter den Premium-Weinen finden sich die herausragendsten Weiß- und Rotweine des Unternehmens. Dabei führt der Premium Zitsa die Riege der Weißweine an – und das schon seit 1989. Bei den Rotweinen greifen Kenner zu Vlahiko oder Red Velvet – in beiden Weinen wissen die heimischen Rebsorten Vlachiko und Bekari den Geschmäckern zu gefallen.
  • Klassische Weine: Apiros Hora kennt als Weißwein mit den Rebsorten Sauvignon Blanc und Debina die Wünsche der Weinfreunde. Beim gleichnamigen Rotwein tauschen die weltweit beliebten Reben Cabernet Sauvignon und Merlot die Plätze.
  • Schaumweine: Als eines der wenigen Weingüter in Griechenland stellt Domaine Glivanos auch Schaumweine her. Bei den weißen Schaumweinen Poème Brut und Poème Demi-Sec greift Glinavos auf die autochthone Debina-Rebe zurück, das Gegenstück bildet Anna Maria mit der roten Syrah.
  • Perlweine: Auch bei Debina, Lady Frosyni und Paleokerisiso findet hauptsächlich Debina Verwendung. Zu kleinen Teilen weisen die Weine die ebenfalls heimische rote Rebe Vlachiko auf.
  • Destillate: Gemeinhin gilt die in Epirus beheimatete Debina als „Königin des Tsipouro”. Gar kein Wunder also, dass die Rebsorte auch bei der Herstellung der Tsipouro-Sorten Réserve und Grand Réserve zum Einsatz kommt.

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