Weinregion Makedonien

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Ähnlich wie die Nachbar-Region Thrakien gehört auch Makedonien nur zum Teil zu Griechenland. Trotzdem ist Makedonien klar die größte Region des griechischen Staats. Im Norden trifft die Region auf Albanien, Bulgarien sowie auf die Republik Mazedonien. Im Westen wartet der Epirus, im Süden liegt Thessalien – und im Osten bildet der Fluss Nestos eine klare Grenze zu Thrakien. Der Übersicht halber unterteilt sich das große Makedonien in drei weitere Teil-Regionen.


 

Im Folgenden reisen wir zu einigen Stationen der Wein-Geschichte Makedoniens und besuchen drei verschiedene Weingüter in West-, Ost- und Zentralmakedonien. Auch das Klima und die besonders beliebten Rebsorten in Makedonien erhalten ihre verdiente Aufmerksamkeit.

 

Makedonische Geschichte

Achtung Reblaus-Katastrophe – auch diese wohlwollende Warnung eines Zeitreisenden hätte zum Rebsorten-Sterben Ende des 19. Jahrhunderts geführt. Am Athener Weinbau-Institut gehen Forscher davon aus, dass bis zu 60 Prozent der autochthonen Sorten Makedoniens der Reblaus zum Opfer fielen. Zugleich vermuten die Experten aber auch: Heute würden die alten Reben an geltenden Qualitäts-Standards scheitern. Das belegen Funde verloren geglaubter Sorten.

Interessanterweise ging die Stockdichte nach dem Reblaus-Vorfall deutlich zurück. Weltweit gilt ein Wert zwischen 5.000 und 10.000 Reben pro Hektar als ideal – zum Teil sind sogar Stockdichten von bis zu 13.000 möglich. In Makedonien muss sich der Weinbauer häufig mit 3.000 Reben zufrieden geben. Verantwortlich dafür: die durch das Verwenden von teuren Pfropfreben entstandenen Kosten. Zusätzlich kehrten viele Makedonier zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihrer Heimat und damit auch ihren Anbauflächen den Rücken.

Mit einer Rebfläche von mehr als 7.000 Hektar kann Makedonien nur die dritte Position unter den Anbau-Regionen für sich verbuchen – und das als größte griechische Region. Das hat zwei Gründe: Zum einen spielt die Landwirtschaft in Makedonien grundsätzlich eine große Rolle, der Weinbau allerdings eine untergeordnete. Häufig entsteht der Wein nur als Nebenprodukt, zum Beispiel der Herstellung des griechischen Tresterbrands Tsipouro. Zum anderen wird gerade der Westen der Region von Gebirgszügen durchzogen – der Höhenflug unterschreitet selten die 500-Meter-Marke. Weinbau ist hier nur schwer möglich.

 

Bekannte Weingüter

Westmakedonien

Weinbau findet vor allem in Ost- und Zentralmakedonien statt. In Westmakedonien ist der Anbau auf Grund der Gebirgsmassive erschwert. Trotzdem verfügt die Gemeinde Amyndeo im Regional-Bezirk Florina über eine Rebfläche von über 7.000 Hektar. Auf bis zu 750 Meter Höhe wachsen hier neben der roten Rebsorte Xinomavro auch der Chardonnay, Roditis und Sauvignon Blanc. Jährlich keltern die Winzer mehrere hunderttausend Flaschen. Auch in Kastoria stehen vereinzelt Weinberge. In Kozani sorgt ein benachbarter See für die Abkühlung der Rebstock-Bestände im Sommer.

Zentralmakedonien

In Zentralmakedonien liegt mit Thessaloniki das kulturelle Zentrum der Region – über eine Million Menschen leben hier, und damit mehr als in jedem anderen Bezirk in Griechenland. Zum Vergleich: Im etwas größeren Serres können auch akribische Volkszähler keine 200.000 Einwohner ausmachen. Beide Bezirke verfügen über Rebflächen, in Thessaloniki gesellen sich die weißen Reben Assyrtiko und Malagousia zu den roten Sorten Merlot, Mavroudi und Syrah. Aus der Gemeinde Pella stammt der PDO-Wein Goumenissa.

Im Folgenden machen wir einen Abstecher auf die Weingüter der Halbinsel Chalkidiki und des drei Gemeinde zählenden Imathia.

Tsantali (Region Chalkidiki)

Gerade im belebten Zentralmakedonien findet Weinbau statt, unter anderem in Chalkidiki. Tsantali besitzt auf der griechischen Halbinsel eine Rebfläche von etwa 22 Hektar. Klimatisch wechseln sich heiße Sommer und milde Winter ab – gerade die Temperaturen in den Sommer-Monaten müssten ihren Tribut fordern. Zum Glück bewahren die angenehm kühlen Winde der Ägäis den Rebstock vor langen Dürreperioden. Auf diese Weise können die Reben auf bis zu 250 Metern über dem Meeresspiegel reifen.

Weinkenner können folgende weiße Rebsorten ausfindig machen:

  • Assyrtiko
  • Athiri
  • Muscat d’Alexandrie
  • Roditis
  • Sauvignon Blanc

Bei den roten Rebsorten steht Xinomavro an erster Stelle – der Cabernet Sauvignon und der Merlot machen das Trio komplett.

Estate Chrisohoou (Region Imathia)

Auch im Regional-Bezirk Imathia besitzt Tsantali eigene Rebflächen. Dennoch widmen wir uns mit Estate Chrisohoou einem anderen Weingut, das 1977 das Licht der Winzer-Welt erblickte. Auf zehn Hektar Land bei 250 Meter Höhe entsteht hier seit Jahrzehnten der PDO-Wein Naoussa (früher nach französischem Vorbild mit der Appellation VQPRD Naoussa versehen). Neben der in Griechenland beheimateten weißen Rebsorte Priknadi finden mit dem Chardonnay, Merlot, Sauvignon Blanc, Syrah und Ugni Blanc auch internationale Gäste ihren angestammten Platz.

Ostmakedonien

In Ostmakedonien kontrolliert die Lazaridi-Familie das Wein-Geschäft – zumindest in der Region Drama. Abseits von Drama verfügt auch der Bezirk Kavala vereinzelt über Weingüter, die allerdings nur kleine Rebflächen aufweisen können.

Familie Lazaridi (Region Drama)

Den Regional-Bezirk Drama hat die Familie Lazaridi fest in der Hand. Nach ersten Erfahrungen in den 1980er Jahren gründete die Familie im Jahre 1992 die Domaine Costa Lazaridi. Zu Beginn maß der Weinberg übersichtliche zehn Hektar – mit den Jahren wuchs die Reben-Landschaft auf heute mehr als 200 Hektar an. Neben heimischen Sorten gedeihen auf dem Weinberg in der Gemeinde Adriani auch international beliebte Rebstöcke. Anders als manche Weingüter in Griechenland misst Costa Lazaridi dem Export besondere Bedeutung zu. Neben Deutschland und anderen europäischen Staaten erfreuen sich auch die USA, Kanada, China, Brasilien und Australien an den Wein-Familien der Lazaridi.

Mittlerweile führt das Unternehmen fünf verschiedene Wein-Linien:

  • Amethystos
  • Chateau Julia
  • Domaine Costa Lazaridi
  • Oenodea
  • Oenotria Land

Länger als Costa Lazaridi macht sich bereits Nico Lazaridi um das griechische Drama verdient. Seit 1987 befindet sich das Wein-Unternehmen am Start – heute wechseln 850.000 Flaschen jährlich den Besitzer. Dabei liegt der Export-Anteil bei anständigen 30 Prozent, ein Großteil davon entfällt wie gewohnt auf Deutschland. Nico Lazaridi bietet verschiedene Rot-, Rosé- und Weißweine an, die auf autochthone wie internationale Rebsorten zurückgreifen. Zuletzt vervollständigte Nico Lazaridi das Sortiment 2011 um die Queen of Hearts bei Weißweinen, der King of Hearts bildet das Pendant bei den Rotweinen.

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