Weinregionen in Israel – Negev

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Das Land Israel erinnert in seiner Art des Weinanbaus stark an Kalifornien. Es gibt viele kleine Boutique-Weingüter, die keine große Bekanntheit vorweisen. Dennoch wird dort auf hohe Qualität geachtet. Wo die Weingüter in anderen Bereichen Israels von den Höhenlagen bis 1.000 Meter, dem Kalkstein oder Vulkanboden profitieren, wird in der Wüste Negev auf bergigen Umland Wein angebaut.


 

Die Bedingungen sind in Negev nicht optimal. Dennoch haben es sich ehrgeizige Winzer vorgenommen, der Region einen guten Wein abzuringen. Das vorherrschende Klima hat hierbei durchaus Vorteile für die Herstellung und Endproduktion.

Landschaft, Boden und Klima 

Bei Negev handelt es sich um eine wüste Region, die unterhalb der übrigen israelischen Weinbaugebiete, in der Landesmitte liegt. Diese ist durch enorme Trockenheit geprägt. Nachts wird es sehr kalt. Die Kühle trägt zu einem erhöhten Säuregehalt der Ernte bei und verfeinert die Weinbeeren auf unverwechselbare Art und Weise.

Die Wüste Negev nimmt mit 12.000 km² Land ungefähr 60 Prozent des Staates Israel ein. Von der Bevölkerung leben jedoch nur 10 Prozent dort. Für den Weinanbau wird ebenfalls nur ein kleiner Teil im Norden der Wüste genutzt. Die größte Stadt der Region ist Beer Scheva. 190.000 Einwohner leben in der Distrikt-Hauptstadt. Die Ebene befindet sich auf einer Höhe von 300 Metern über Normalnull.

Negev wird im Osten von der Arava-Senke, im Westen von der Grenze nach Ägypten und im Norden vom Toten Meer eingegrenzt. Weiterhin erstreckt sich das Gebiet bis nach Jordanien hinein. Die Menge an Niederschlag im nördlichen Bereich liegt bei 350 bis 400 mm im Jahr. Bei Beer Scheva fallen noch 200 mm Regen. Bis zu dieser Stelle wachsen Pflanzen und auch Nadelbäume. Die Region wird für den Weinbau und die Landwirtschaft genutzt. Darunter beginnt die Extremwüste.

Geschichte des Weinbaus 

Bevor Moses sein Volk in ihr Land brachte, wurden Späher ausgeschickt. Diese kehrten mit Weintrauben zurück. Dementsprechend kann das Land auf eine lange Weinbau-Tradition zurückblicken. Allerdings ist es erst den letzten Jahrzehnten zu verdanken, dass sich israelische Weine mit den Top-Marken aus Europa und Amerika messen können.

1977 machte sich eine Gruppe Pioniere, die zuvor in der Armee dienten, daran einen Teil der Wüste zu nutzen. Sie siedelten sich in Kadesh Barnea an. Es wurden Regionen ausgewählt, welche für die Landwirtschaft genutzt werden konnten. Von diesen Bemühungen haben Weingüter, wie die Kadesh Barnea oder die Sde-Boker Winery profitiert.

Bereits der erste Ministerpräsident von Israel war bemüht der Wüste Negev leben abzuringen. David Ben Gurion zog daher selber in den Kibbuz Sede Boker, um sich an der Umwandlung der kargen Landschaft in fruchtbares Land zu beteiligen. Neben dem Weinbau und der Landwirtschaft, wird die Region für die Fischzucht, in speziell angelegten Teichen, genutzt. Rohstoffe werden abgebaut, die Schwerindustrie ist tätig und auch Touristen suchen den Landstrich auf. Nicht wenige mit dem Ziel die kleinen Weingüter aufzusuchen.

Regionen in Negev

Die Anbaugebiete sind in die beiden Bereiche Süd-Negev und Ramat Arad gegliedert. In der Wüste Negev findet der Weinbau nur dort statt. Es wird eine spezielle Bewässerung eingesetzt, damit die Reben im Klima gedeihen können. Das Carmel Weingut war als erstes bemüht, seine Rebstöcke in der Wüste anzupflanzen.

Das Boutique-Weingut Ramat Arad gehört zu Carmel. Auch die anderen großen Weinproduzenten haben ihre Ableger in der Wüste Negev. So gehört Sede Boker zu Tishbi und Mitzpe Ramon zu Barkan. Das Yatir Weingut ist schlussendlich als Boutique in Tel Arad bekannt. Dort werden die Reben auf einem Hügel 900 Meter über Null angepflanzt.

Eine Besonderheit stellt das Carmey Avdat Weingut dar. Es handelt sich um die erste Produktion, welche vollständig mit Solar betrieben wird.

Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten in Negev

Die Wüste Negev ist der bevölkerungsärmste Abschnitt von Israel, aber auch einer der sehenswürdigsten. Mit dem Startpunkt Beer Sheva kann auf dem Rücken eines Kamels die Wüste erkundet werden. Wem dieser Ritt zur riskant ist, der setzt sich vielleicht lieber in einen Jeep.

Der Timna Nationalpark liegt im Süden des Landes. Zudem kann vom Ramonkrater (Durchmesser: 40 Kilometer; Tiefe: 1.000 Meter) aus ein unglaublich weiter Blick durch die Wüste Negev geworfen werden. Neben den zahlreichen Felsen und Tälern, kann auch Wasser in diesem Landabschnitt entdeckt werden. Dies lässt Raum für die heimische Tierwelt. Die Nubischen Steinböcke, asiatische Halbesel und arabische Oryxantilopen können bestaunt werden. Wenige arabische Leoparden und Wölfe, sowie Streifhyänen gelten als Jäger der Landschaft. Zwei Gazellenarten sind vertreten. Während die Dorkagazelle recht häufig vertreten ist, kommt die Edmigazelle auf nur wenige Exemplare.

Die Hauptstadt der Wüste, Beer Sheva, trumpft mit einem eigenen Nationalparkt auf, der zum UNESO Weltkulturerbe gehört. Dort können zudem der Beduinenmarkt und die Universität besucht werden. In der Wüste können zudem versteinerte Korallenriffe, Magmaspalten, Fossilien, Vulkankegel und Sandsteinschichten in unterschiedlichen Farben entdeckt werden. Naturbegeisterte kommen auf ihre Kosten.

Eilat, in der Südspitze der Wüste Negev, gilt zudem als Badeparadies und wird von vielen Touristen angelaufen. Nicht zuletzt kann von den touristischen Orten Beer Sheva und Eilat eine Tour durch die familiären Weingüter der Wüste unternommen werden.

Bekannte Weingüter in der Wüste Negev

Yatir Weingut
Mit seiner Zugehörigkeit zum Carmel Weingut wurden hier die ersten Weinstöcke 1997 gepflanzt. Das Anbaugebiet liegt in einer Höhe von 900 Metern und damit über dem Durchschnitt der Wüste. Die Gründung des Weingutes, mit dem Chef Eran Goldwasser, fand 2000 statt. Die Produktion beläuft sich auf ca. 150.000 Flaschen. Sauvignon, Cabernet und Shiraz werden hergestellt.

Kadesh Barnea Weingut
Auch dieses Weingut kann seine Gründung ins Jahr 2000 zurückverfolgen. In einer ländlichen Siedlung hat sich das Unternehmen mit seinem Chef Yogev Tzadok niedergelassen. Er und seine Frau haben die Herstellung des Weins in Florenz/Italien studiert. Schon sein Vater hat wenige Flaschen Wein den Böden der Negev abgerungen. Inzwischen werden ungefähr 100.000 Flaschen jährlich abgefüllt. Petit Verdot, Shiraz, Mourvédre, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon und Chardonnay sind die bekannten Marken.

Sde Boker Weingut
Dieses Weingut wurde 1999 ins Leben gerufen. Es befindet sich im Süden von Israel in den Negev Heights. Auf einer Höhe von 490 Metern über Null trägt der Wind zum Aroma der Trauben bei. Die Temperaturen sind am Tag angenehm. Da das Thermometer im Winter unter den Gefrierpunkt fallen kann, ist Schnee nicht gänzlich unbekannt. Cabernet Sauvignon, Zinfandel und Merlot werden angebaut. Zvi Remak wurde in Kalifornien geboren. Er arbeitet nicht selber im seit 2011 koscheren Weingut.

Daten und Fakten

  • Vom gesamten Rebenbestand in Israel befinden sich 4% in der Wüstenregion Negev.
  • Die Weingüter bieten meist eine familiäre Atmosphäre. Die Flaschenproduktion liegt dabei zwischen wenigen tausend, bis etwas über 100.000 Stück.
  • Die Wüste Negev bietet ein einzigartiges Naturschauspiel. Gesteinsformationen, Fossilien und eine imposante Tierwelt machen einen Ausflug zum Erlebnis.
  • Das Klima sorgt für einen erhöhten Säureanteil in den Trauben.

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