Weltbekannte Weinregion Marlborough

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Marlborough ist mit Abstand die bedeutendste Weinregion Neuseelands. Dass das Land in der Weinwelt international Beachtung findet, verdankt es vor allem Marlborough. Die Region ist untrennbar verknüpft mit ihrem herausragenden Sauvignon Blanc, dem Exportschlager unter den neuseeländischen Weinen. Wer einmal einen Sauvignon Blanc aus Marlborough probiert hat, weiß, warum dieser Wein so erfolgreich ist. Kein anderer schmeckt wie ein “Savvy” aus dieser Spitzenregion. Mit seinem unverwechselbaren Charakter begeistert er Weinfreunde auf der ganzen Welt. Sauvignon Blanc ist längst nicht alles, was Marlborough zu bieten hat. Die Region bringt auch exzellente Beispiele für Pinot Noir und Chardonnay hervor. 

Im weltweiten Vergleich ist Marlborough eine kleine Weinregion. Innerhalb Neuseelands ist es hingegen die größte und meistproduzierende. Marlborough ist für zwei Drittel der gesamten Weinproduktion verantwortlich. Etwa 40.000 Einwohner leben in der Region, viele davon in Blenheim, der größten Stadt. Marlborough liegt im Nordosten der Südinsel Neuseelands. Besucher, die mit der Fähre von der Nord- auf die Südinsel reisen, kommen in Marlborough an. Dabei durchqueren sie die malerische Wasserlandschaft der Marlborough Sounds. Die übrigen Teile der Region bestehen aus vielseitigen Landschaften mit Bergen im Süden und Westen sowie einem weitläufigen Tal im Osten. Von Westen in Richtung Küste verläuft der Fluss Wairau River. Drei Unterregionen werden für den Weinbau genutzt: Wairau Valley, Southern Valleys und Awatere Valley. Aus den vielfältigen örtlichen Gegebenheiten resultieren sehr unterschiedliche Bedingungen für den Weinanbau. 

 


 

 

Ideales Klima

Charakteristisch für das Klima Marlboroughs sind warme Tage und kühle Nächte. Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist oft groß. Etwa 2.400 Sonnenstunden im Jahr spenden den Trauben die nötige Wärme. Insgesamt ist Marlborough eine Cool-Climate-Region. Die jährliche Niederschlagsmenge ist mit ca. 655 Millimetern gering. Während des kurzen Winters stellt Frost kein Problem dar. Die langen Sommer sind trocken und warm und auch im Herbst werden wenig Niederschläge verzeichnet. Infolgedessen können die Trauben lange am Rebstock verweilen. Die Berge schützen vor starken Winden und Regenfällen. Für Rebsorten mit einer langen Reifeperiode ist das Klima in Marlborough ideal.

 

Bodenbeschaffenheit und Unterregionen

Das herausstechende Merkmal der Böden in Marlborough ist ihre Vielfalt. Selbst auf einem kleinen Weinberg finden sich oft mehrere unterschiedliche Bodentypen, die ihren Einfluss auf die Rebstöcke ausüben. Wichtigste Gemeinsamkeit der Böden in Marlborough ist die gute Drainagefähigkeit, das heißt, der Boden entwässert sich selbstständig. Ein wasserdurchlässiger Boden ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen Weinanbau. Darüber hinaus sind die Böden mittelmäßig fruchtbar, was günstig ist für langsam reifende Trauben. Die Unterregionen bieten individuelle Bedingungen für den Weinbau. 

Im Wairau Valley wirken sich verschiedene Kleinklimas aus. Das Weinbaugebiet umfasst kühle, trockene Standorte im Landesinneren sowie vom Meer beeinflusste Lagen in Küstennähe. Dazwischen liegen steinige, karge Böden, auf denen die Trauben früher reifen. Die Böden bestehen aus ehemaligen Flussbetten und Flussufern. Der Wairau River fließt durch das Tal und hinterlässt seine Spuren in den Weinen, die intensiv fruchtig und voll schmecken. 

Südlich der Ebenen des Wairau Valley erstrecken sich die fünf Täler der Southern Valleys: Ben Morvan, Brancott, Fairhall, Omaka und Waihopai Valley. Die Täler haben ihren Ursprung in Gletscherablagerungen. Innerhalb der Täler differiert die Bodenbeschaffenheit stark, wobei die Böden generell schwerer sind und einen höheren Lehmanteil aufweisen als im Wairau Valley. Winzer haben in den Southern Valleys die Wahl zwischen Lagen in der Ebene oder auf den Hügeln der Wither Hills, wo kühle Bergwinde die Reifezeit verlängern. Die unterschiedlichen Bedingungen ergeben eine große Weinvielfalt mit gelungenen Pinot Noirs und Gewürzweinen. Die Mehrzahl der Marlborough-Weine entstammt dem Wairau Valley.

Von der Küste ins Landesinnere verläuft sanft ansteigend das schmale Awatere Valley. Das Tal ist stärkeren Winden ausgesetzt als die Nachbarregionen. Aus dem meist trockenen und kühlen Wetter resultiert eine sehr lange Reifezeit. Im hügeligen Awatere Valley ist der Boden vielerorts zerklüftet und besteht aus Schwemmböden mit hohen Kies- und Lehmanteilen. Pinot Noir und Sauvignon Blanc gedeihen hier besonders gut.

 

Sauvignon Blanc und mehr

Der Sauvignon Blanc ist der Superstar unter den neuseeländischen Rebsorten. Mit 17.829 Hektar (Stand 2013) nimmt er 86 Prozent der Anbauflächen in Anspruch. Sein unvergleichliches {tip Bouquet::Duft eines Weines im Glas}Bouquet{/tip} und die intensiven Aromen machen ihn zu einem Wein der Extraklasse. Marlborough “Savvy” ist mineralisch mit ausgeprägter Säure, die ihm Lebendigkeit und Frische verleiht. Das Bouquet besteht aus Düften nach frisch gemähtem Gras, grüner Paprika und tropischen Früchten. Im Mund präsentiert er sich exotisch mit Aromen von Maracuja, Litschi, Mango und anderen Südfrüchten. Dazu gesellen sich Nuancen von Stachelbeere, Limette und grünem Spargel, mit dem der Wein übrigens hervorragend harmoniert. Sauvignon Blancs aus Marlborough schmecken am besten, wenn sie jung sind und die größte Ausdruckskraft und Vitalität besitzen. 

Das Terroir Marlboroughs bringt wunderbaren mittelschweren Pinot Noir, also Spätburgunder, hervor. Örtliche Winzer arbeiten ständig daran, die Bedingungen für diese eigenwillige Rebsorte zu optimieren. Der zunehmende Erfolg gibt ihnen recht. Typischerweise weist ein Pinot Noir aus Marlborough geschmeidige {tip Tannine::Im Wein enthaltene pflanzliche Gerbstoffe. Wichtiger Inhaltsstoff, insbesondere bei Rotweinen. Tannine stecken in den Häuten der Trauben sowie in manchen Holzfässern. Ausgewogene Tannine sind ein zentrales Qualitätsmerkmal. Abhängig von der Konzentration kann die Gerbsäure dem Wein einen leicht herben Geschmack und Komplexität verleihen oder ein unangenehmes pelziges Mundgefühl hinterlassen.}Tannine{/tip} und Aromen von dunklen Früchten, wie Pflaumen und reifen Kirschen auf. 

Chardonnay ist die am dritthäufigsten angebaute Rebsorte. Die Palette reicht von im Eichenfass oder mithilfe von Eichenholz ausgebauten Chardonnays bis zu beschwingten, fruchtigen Varianten. Allgemein sind Chardonnays von der kühleren Südinsel leichter und säurebetonter als die Exemplare der Nordinsel. Marlborough-Chardonnay ist komplex mit Aromen von Steinobst sowie mineralischen Zitrusnuancen. 

Die Gruppe der in Marlborough angebauten Gewürzweine besteht aus Pinot Gris/Grauburgunder, Riesling, Gewürztraminer und einem kleinen Anteil Viognier. Von trocken bis süß besitzen diese Weine lebhafte Aromen von Limette, Steinobst oder Honig gepaart mit duftenden Gewürznuancen. 

 

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Kurz, aber ereignisreich ist die Geschichte des Weinanbaus in Marlborough, die im Jahr 1873 begann. Damals pflanzte David Herd auf seinem kleinen Landbesitz die ersten Reben an; nach dessen Tod setzte sein Schwiegersohn den Weinbau bis 1931 fort. Anschließend gab es in Marlborough für mehrere Jahrzehnte keinerlei Weinreben mehr. Dass die Region für erfolgreichen Weinanbau genutzt werden konnte, kam bis 1973 niemandem in den Sinn. Schließlich erkannte Montana, der damals größte Weinproduzent Neuseelands, das enorme Potenzial Marlboroughs. Mehrere Experten der {tip Önologie::Lehre vom Wein, auch Kellerwirtschaft genannt. Beinhaltet als Hochschulfach alles vom Anbau bis zur Weinherstellung.}Önologie{/tip} bestätigten, dass die Boden- und Klimaverhältnisse ideal seien. So sicherte sich Montana große Anbauflächen für den kommerziellen Weinanbau, was zunächst kritisch beäugt und belächelt wurde. 

Kaum jemand hat in den Siebzigerjahren geglaubt, dass Marlborough das Aushängeschild der neuseeländischen Weinindustrie werden würde, doch genau das geschah. Nachdem sie mit verschiedenen Rebsorten experimentiert hatten, entdeckten die Winzer die Stärken des in Marlborough gepflanzten Sauvignon Blancs. Damit begann die Erfolgsgeschichte dieses Weins und der gesamten Region. Wer heute durch Marlborough fährt, sieht Weinreben, soweit das Auge reicht. Der Wein ist aus Marlborough nicht mehr wegzudenken. 

 

Bekannte Weingüter 

Das berühmteste Weingut in Marlborough, Cloudy Bay wurde hier bereits im Artikel zum Weinland Neuseeland kurz vorgestellt. Cloudy Bay wurde 1985 gegründet und schon bald durch seinen exzellenten Sauvignon Blanc bekannt. Mit dem Te Koko hat Cloud Bay einen komplexen, aromatischen “Savvy” kreiert, der seinesgleichen sucht. Herausragend ist auch der Pelorus, ein feiner Winzersekt, gefertigt durch traditionelle Flaschengärung

Als Begründer des Weinbaus in Marlborough spielt Montana noch immer eine zentrale Rolle in der neuseeländischen Weinindustrie. Heute nennt sich der Weinproduzent Brancott und begrüßt Weinliebhaber im Brancott Estate Heritage Centre in Blenheim. Am zweiten Samstag im Februar findet dort alljährlich das große “Marlborough Wine and Food Festival” statt, das eine Mischung aus erlesenen Weinen, regionalen Spezialitäten und musikalischer Unterhaltung bietet. Brancott baut die Rebsorten Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Pinot Gris an. 

Wither Hills zählt zu den größeren Weingütern in Marlborough. Gegründet 1992, bepflanzt Wither Hills heute etwa 100 Hektar an den südlichen Ebenen des Wairau Valleys. Die mehrfach prämierten Weine reflektieren die Besonderheiten ihres {tip Terroir::Sämtliche Gegebenheiten, die Einfluss auf den fertigen Wein haben, vom Boden und Klima über die Eigenheiten der Rebsorte bis zum Einwirken des Winzers. Der Begriff Terroir umfasst die Herkunft und Entstehung eines Weines.}Terroir{/tip}. Hervorzuheben sind der Rarangi Sauvignon Blanc oder der Benmorven und Taylor River Pinot Noir. Außer diesen Rebsorten erzeugt Wither Hills Chardonnay, Riesling und Pinot Gris.

 

Daten und Fakten

Anbaufläche 22.903 ha
Weinertrag gesamt 2,8 Mio. hl
Ertragszahlen 144 hl pro ha
Anteil an Weißweinen an Gesamtanbaufläche 94 % 
Anteil an Rotweinen an Gesamtanbaufläche  6 %

 

(ungefähre Angaben)

 

 

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