Wo alles begann-Die Weingegend Andalusien

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Andalusien steht im Allgemeinen für Sonne, Strand, Meer, idyllische Bergdörfer, aber auch für kulinarische Vielfalt. Tapas Sevillanos aus der Landeshauptstadt Sevilla sind legendär. Dazu lässt man sich auch gerne ein leckeres Gläschen Wein schmecken. Denn die südlichste Provinz Spaniens kann auch im Weinanbau auf eine Jahrtausende lange Tradition zurückblicken. Bereits im ersten Jahrhundert vor Christus sollen die Phönizier bei ihrem Einmarsch in den Süden Spaniens den Weinanbau begonnen haben. Das 87.596,97 Quadratkilometer große Land trägt zusätzlich zum Titel „Erster Weinanbauer Spaniens“ auch den Titel des „Größten Lebensmittel-Produzentens Spaniens”, denn es gehört mit zu den wärmsten und sonnigsten Gegenden Europas und ist somit für die Produktion unterschiedlichster Obst- und Gemüsesorten perfekt geeignet.

 


 

Die ersten Weinkenner der Welt lebten in der ältesten Stadt Europas

Die glorreiche Weingeschichte Spaniens, wenn nicht sogar ganz Europas nahm ihren Anfang in der angeblich ältesten Stadt Europas, Cádiz. Angeblich soll Herkules selbst die Halbinsel-Stadt an der Atlantikküste gegründet haben. Bis heute ziert er noch das Wappen der Stadt. Offiziell beginnt die Stadtgeschichte und damit auch der Weinanbau aber erst im ersten Jahrhundert vor Christus mit dem Einmarsch der Phönizier. Schon in dieser Zeit haben sie begonnen, Wein anzubauen und zu keltern. Mit der Besetzung durch die Römer und Griechen wurden die antiken Techniken weiterentwickelt und wurden zu einer wichtigen Einnahmequelle. Als schließlich die Mauren den Süden Spaniens besetzten wurde die Weinaktivität ein wenig heruntergefahren, weil der Weingenuss im Koran verboten ist. Nichtsdestotrotz wurde weiterhin für den Export in christliche Gebiete produziert.

Den richtigen Durchbruch erlangte der Vino Andaluz allerdings erst mit der aufstrebenden Seefahrt im 16. Und 17. Jahrhundert, mit deren Hilfe der Export in unterschiedlichste Länder ermöglicht worden ist. Einen weiteren Höhepunkt verzeichnete die andalusische Weinproduktion im 18. und 19. Jahrhundert, als englische Handelshäuser den süßen Sherry für sich entdeckten und weltweit berühmt machten.

 

Der Weinsektor heute

Heutzutage gehört Andalusien nicht mehr zu den bekanntesten Anbaugebieten, kann aber dennoch regelmäßig Erfolge vermelden. Zum Beispiel berichtete die Regierung, dass zwischen Januar und November 2014 ein Anstieg des Export-Gewinnes um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erfolgt ist. Das Land hat in diesen Monaten Wein im Gesamtwert von 100 Millionen Euro exportiert. Besonders beliebt sind dabei süße Weinsorten und Likörweine. Das Gebiet Jerez ist sogar spanischer Wein-Export-Meister.

 

Die geografischen Besonderheiten Andalusiens

Andalusien befindet sich ganz im Süden von Spanien. Nur 15 Kilometer trennen die südlichste Stadt des europäischen Festlandes, Tarifa, von dem afrikanischen Kontinent. Auf Grund dieser exponierten Lage im Süden herrscht das ganze Jahr über ein mildes und mediterranes Klima vor. In den Sommermonaten werden häufig Temperaturen über 40 Grad gemessen und es fällt kaum Niederschlag. Ab Oktober wird es etwas kühler und feuchter, aber bereits ab März nähern sich die Durchschnittstemperaturen wieder der 20 Grad-Marke. Landschaftlich bietet die Region die unterschiedlichsten Extreme. Halbwüsten um Almería, das höchste Gebirge Spaniens, die Sierra Nevada, in der Region Granada, Sumpfgebiete zwischen Sevilla, Huelva und Cádiz und Mittelgebirge in der Provinz Málaga. Die unterschiedliche Beschaffenheit der Böden sorgt dafür, dass in den unterschiedlichen Provinzen von Andalusien unterschiedliche Sorten produziert werden können. In der ganzen Region werden aber überwiegend süße und dicke Trauben angebaut, die ein warmes und trockenes Klima benötigen.

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Die wichtigsten Weingebiete in Andalusien im Überblick

Andalusiens Weinanbau-Tradition macht sich auch in den einzelnen Gebieten bemerkbar. Vier andalusische Regionen tragen sogar die Bezeichnung denominación de origen protejida (D.O.). Diese sind auch die wichtigsten Anbaugebiete im Bundesland. 70 Prozent aller Weinberge in der Region stehen in einem dieser vier Gebiete.

1. Condado de Huelva

Das Anbaugebiet Condado de Huelva liegt direkt an der portugiesischen Grenze. Die Nähe zum Atlantischen Ozean sorgt ganzjährig für ein warmes und subtropisches Klima. Hier werden vor allem fruchtige und trockene Weißweine sowie Likörweine hergestellt. Die bekanntesten Weinsorten heißen Condado Pálido und Condado Viejo, die nach dem Anbaugebiet benannt sind.

2. Jerez-Xérès-Sherry und Manzanilla-Sanlúcar de Barrameda

Der wohl berühmteste Likörwein Spaniens, der Sherry, wird in diesem Gebiet hergestellt. Auch wenn Jerez und Sanlúcar nicht ein gemeinsames Weinanbaugebiet sind, wurden die beiden Regionen zusammengefasst. Grund dafür sind die ähnlichen traditionellen Bräuche, die geografischen Bedingungen, gemeinsame Rebsorten und vergleichbare Produktionstechniken. Denn in diesem Gebiet Andalusiens werden Traditionen groß geschrieben. Gemeinsam mit La Rioja wurde Jerez bereits in den frühen 1930er Jahren als hochwertige Weinregion anerkannt und genießt seitdem einen tadellosen Ruf in Spanien und im Ausland. Neben den verstärkten Likörweinen mit einem Alkoholgehalt zwischen 17 und 20 Prozent werden hier auch natürlich süße Dessertweine mit einem Alkoholgehalt von etwa 12 Prozent produziert.

3. Sierras de Málaga

Auf Grund des starken Tourismus-Marktes in der Provinz Málaga haben viele ehemalige Weinbauer ihre Tätigkeit niedergelegt und sind stattdessen in den Tourismus gegangen. Doch die verbliebenden nutzen den Tourismus im Weingeschäft und können in den letzten Jahrzehnten wieder einen starken Aufwärtstrend verzeichnen. Denn viele Touristen interessieren sich sehr für die lokalen kulinarischen Spezialitäten. Das Mittelgebirge nahe Málaga bietet durch das warme, sonnige und trockene Klima die perfekten Bedingungen für süße helle Trauben.

4. Montilla-Moriles

Das in der Provinz Córdoba liegende Anbaugebiet Montilla-Moriles steht seit jeher im Schatten des berühmten Nachbarn Jerez. Bereits im Mittelalter waren Winzer hier aktiv. Heutzutage zeichnet sich das Gebiet vor allem durch die zahlreichen Reformierungen und Modernisierungen der Weinkultur aus. So wird hier aktuell der ökologische Anbau vorangetrieben. Neben den typisch andalusischen Süßweinen wird hier auch der bekannte Montilla-Brandy hergestellt.

 

Die häufigsten Rebsorten in Andalusien

In Andalusien dominieren vor allem süße und helle Trauben, aus denen Süß- oder Likörweine gewonnen werden. Die wichtigsten drei Sorten sind die Folgenden

Muskateller-Traube: „Vino Moscatel“ findet man im ganzen Land. Besonders in Málaga wird diese helle Traube häufig verwendet. Der süße und aromatische Geschmack sorgt für ein charakteristisches Aroma.

Zalema: Die Zalema-Traube ist schwer zu kultivieren, da sie schnell verfault und daher früh geerntet werden muss. Sie kann nur auf andalusischen Weinbergen wachsen. Das „Problemkind“ unter den Rebsorten ist jedoch für die typischen Codado-Weine aus Huelva unersetzbar.

Palomino: Die Sorte Palomino ist die Basis für den weltbekannten Sherry. Bereits im alten Cádiz wurde diese Traube, neben vielen weiteren Rebsorten, für die süßen Likörweine verwendet. Heutzutage wird Sherry fast ausschließlich aus der hellen Traube mit dem hohen Zuckeranteil gewonnen.

 

Drei bekannte Weingüter

1.Bodega Gonzáles- Bayass

Das wohl bekannteste und touristischste Weingut Andalusiens befindet sich mitten im Stadtzentrum von Andalusiens Weinhauptstadt Jerez de la Frontera. Der Familienbetrieb existiert bereits seit 1835 und ist auf traditionell andalusische Tropfen spezialisiert. Das interessiert auch die Touristen und die Wein-Führungen und -Proben sind ständig ausgebucht. 2014 hat die WAWWJ (World Association of writers and journalists of wines and spirits) die Bodega Gonzáles- Byass sogar zum besten Weingut Spaniens gewählt.

2.Bodega Jorge Ordonez

Die Verbindung von Tradition und Moderne hat sich die Gruppe Jorge Ordonez & Co. vorgenommen. Die Weinberge in der bergigen Axarquía in der Provinz Málaga werden nach malaguenischen Traditionen bepflanzt und abgeerntet. In den Weinkellereien hingegen dominieren moderne Produktionsabläufe. Besonders bekannt ist die Moskateller-Serie, die aus vier verschieden süßen Moskateller-Weinen besteht. Sie wurde auch in den bekanntesten Weinführer Spaniens, den Guía Penín aufgenommen.

3.Bodega Andrade

Schon 1885 hat die Bodega Andrade ihren Fruchtwein-Betrieb begonnen und gehört damit zu den ersten in der gesamten Region Huelva. Das einfache, aber effektive Motto der Firma lautet: „Wir kümmern uns um jedes einzelne Detail, jeden Produktionsschritt und jede Flasche“. Die wichtigste Sorte ist Andrade Pasas Reserva.

 

Bunte traditionelle Weinfeste

Nicht nur der Wein ist fest in der andalusischen Tradition verankert, sondern auch das Feiern. Beinahe jedes Wochenende findet in einem der zahlreichen Dörfer eine Feria (dt. Stadtfest) statt. Diese sind auch häufig dem Wein gewidmet.

Noche de vino in Competa: Das kleine Dorf im bergigen Hinterland der Costa del Sol ist weitgehend unbekannt. Doch im Herbst findet hier eines der ursprünglichsten Weinfeste der Region statt. Besucher wie Organisatoren versuchen sich im „Weinstampfen“ und genießen hinterher die lokalen Tropfen.

Königliches Weinlesefest in Palma de Condado: In der Provinz Huelva wird die Weinlese bereits seit 1398 gefeiert. In über 50 verschiedenen Häuschen kann man sich nach Lust und Laune durch die kulinarischen Spezialitäten Huelvas probieren.

Pferdefest in Jerez: In Jerez wird das Ende der Weinlese zu einer großen Feier. Eröffnet wird sie ebenfalls mit dem traditionellen Traubenstampfen. Während der zweitägigen Feria zeigt die Stadt, was sie zusätzlich zu Wein noch auszeichnet, nämlich der Flamenco und die Pferdezucht. Neben Gastronomieständen können auch diverse Tanz- und Reit-Shows bestaunt werden.

Anbaufläche  27.305 ha (Stand 2014)
Weinertrag gesamt 1,4 Million hl (Stand 2013)

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